STUTTGART/TÜBINGEN. “Mir fehlen die Worte.” Thomas Dehmer ist überwältigt, als er am Dienstag dieser Woche den Scheck aus den Händen von seinem Stuttgarter Kollegen Daniel Schiefer entgegen nimmt. 18.265 Euro hatten die Ärzte des Klinikums Stuttgart aus Solidarität für ihre streikenden Standesgenossen in Tübingen gesammelt.
“Wir wollen, dass ihr durchhaltet”, war Schiefers Wunsch an die Delegation aus der Uniklinik. Zusammen mit dem Radiologen Arne Fischmann und dem Anästhesisten Christian Karcher nahm der Tübinger Thomas Dehmer die – der größte Spendenbetrag bisher – im Stuttgarter Bürgerhospital in Empfang. Sie stellt einen willkommenen Beitrag in die Streikkasse der Mediziner an der Tübinger Uniklinik dar: “Pro Tag habe ich durch den Streik eine Einbuße von rund 80 Euro netto”, erläutert Fischmann die Verluste der im Ausstand befindlichen Ärzte am eigenen Beispiel.
Das Geld soll dafür verwendet werden, um Ärzten bei denen es finanziell bereits eng wird, unter die Arme zu greifen. “Wir sind jetzt schon in der neunten Streikwoche. Und durch den Streik erwartet manche von uns am Monatsende ein Gehalt von gerade mal noch 600 Euro” erzählt Narkosearzt Karcher.
Auch aus den eigenen Tübinger Reihen kamen bereits zahlreiche Zuwendungen. Die Ärzte der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik trugen ihren Teil bei, niedergelassene Ärzte und sogar Nicht-Mediziner spendeten. “Ein Chefarzt der Uniklinik hat mehrere Tausend Euro gespendet, aber es gibt leider auch solche, die den Streik versuchen zu unterminieren”, so Fischmann.
Dass die Bereitschaft, den Arbeitskampf weiterzuführen, hoch ist, stand für die Tübinger Ärztedelegation bei der Geldübergabe außer Frage. Sie sind sich aber sehr wohl ihrer Verantwortung gegenüber den Patienten bewusst. “Wir legen die Notdienstvereinbarungen sowieso schon sehr großzügig zu Gunsten des Patienten aus”, sagt Fischmann. Die von Ulla Schmidt genannten Kinder, die wegen des Ärztestreiks an Krebs sterben müssen, gebe es nicht, sind sich Fischmann und Karcher sicher.
Zum Dank für ihre Hilfsbereitschaft überreichte Dehmer den Vertetern der vier Häuser des Stuttgarter Klinikums je eine Urkunde mit der Aufschrift “Solidarisches Krankenhaus des Jahres 2006″.
Eines allerdings habe man, so Thomas Dehmer, dem Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft der Länder, Hartmut Möllring, immerhin eines zu verdanken: “Die Ärzte stehen zusammen wie nie zuvor.”
Schöner Artikel…