Karthago-Adler und Wüstensöhne suchen Ruhm

1978 war ein großartiges Jahr für die Adler von Karthago. Erstmals konnte sich Tunesien für eine Fußball- Weltmeisterschaft qualifizieren. Zwar blieb ihnen bei der WM in Argentinien der Aufstieg in die Zwischenrunde verwehrt, ein Sieg gegen Mexiko und das Remis gegen Deutschland hinterließen aber ihre Spuren auf der Weltbühne des

Tunesien will die Sensation. 1978 war ein großartiges Jahr für die Adler von Karthago. Erstmals konnte sich Tunesien für eine Fußball- Weltmeisterschaft qualifizieren.

Zwar blieb ihnen bei der WM in Argentinien der Aufstieg in die Zwischenrunde verwehrt, ein Sieg gegen Mexiko und das Remis gegen Deutschland hinterließen aber ihre Spuren auf der Weltbühne des Fußballs.

Der 3:1-Achtungserfolg gegen Mexiko war der erste Sieg einer afrikanischen Mannschaft beim wichtigsten Fußballturnier der Welt. Nur eine knapp 0:1-Niederlage gegen Polen verhinderte eine größere Sensation.

Auf weitere WM-Einsätze mussten die Tunesier lange warten, ehe die Nordafrikaner 1998 und 2002 wieder auf dem ehrbaren Boden einer Weltmeisterschaft aufliefen. Frankreich und vier Jahre danach Japan und Südkorea erwiesen sich aber als unbespielbar für die Adler von Karthago. Bei beiden Turnieren mussten sie mit jeweils einem Punkt frühzeitig die Heimreise antreten.

Doch alleine die dritte WM-Teilnahme en suite zeugt von der Verbissenheit der Tunesier. Ein Mann der erst jüngst Heldenstatus erreichte, ist der Franzose Roger Lemerre. Der Trainer der tunesischen Elf konnte bereits 2000 mit Frankreich den Europameistertitel erringen, beim Afrika-Cup 2004 gelang ihm dieser kontinentale Erfolg mit Tunesien.

Die Qualifikation für die WM in Deutschland wurde für die Nordafrikaner zu einem wahren Krimi. Neben dem Erzrivalen Marokko sorgte auch das Überraschungsteam aus Guinea bei den Tunesiern für Nervenflattern.

Denn beim Auswärtsspiel bei den Westafrikanern gab es bis auf eine 1:2 Niederlage nichts zu holen. Gegen die Atlaslöwen aus Marokko reichte danach zweimal ein Remis.

Die Marokkaner verloren zwar kein einziges Spiel, aber das Unentschieden gegen Kenia und Malawi waren zuviel. Tunesien schaffte die WM-Qualifikation mit einem Punkt Vorsprung.

Abwehrriegel Jose Clayton und Stürmerstar Dos Santos Silva sorgen für den multikulturellen Mix der tunesischen Startaufstellung. Die beiden gebürtigen Brasilianer kicken seit Jahren für die Nordafrikaner.

Der südamerikanische Samba wird aber durch eine noch größere Figur in den Schatten gestellt. Der bei Ajax Amsterdam spielende Hatem Trabelsi gilt als Dreh und Angelpunkt des tunesischen Spiels.

Beim jüngsten Afrika-Cup scheiterten die Adler von Karthago im Viertelfinale an Nigeria. Danach gab es ein Testspiel gegen WM-Teilnehmer Serbien-Montenegro, wo sich die Tunesier knapp mit 0:1 geschlagen geben mussten.

Roger Lemerre hat es geschafft, aus den Nordafrikanern eine kompakte und vor allem taktisch starke Mannschaft zu bilden. In Deutschland warten in Gruppe H neben Saudi-Arabien mit Spanien und der Ukraine zwei schwere Gegner.

Sollte das starke tunesische Mittelfeld Sambastar Dos Santos genügend bedienen, könnte es für den Aufstieg in die Zwischenrunde reichen.

Wüstensöhne auf der Jagd nach Punkten

Die Wüstensöhne aus Saudi-Arabien haben eines mit ihren Brüdern aus Nordafrika gemeinsam. Einen fulminanten Auftritt bei ihrer ersten WM-Teilnahme.

Die Saudis qualifizierten sich 1994 erstmals für eine Endrunde und schafften dabei den Aufstieg ins Achtelfinale. Mit Siegen über Marokko und Belgien und einer knappen Niederlage gegen die Niederlanden erreichten die Araber Platz Zwei.

In allen Spielen überzeugten die Saudis durch Spielfreude und Kampfgeist. Gegen Belgien gelang dem Wüstensohn Saeed Al-Owairan eines der schönsten Tore der WM-Geschichte.

Nach einem graziösen Sololauf über das halbe Feld schob der Saudi eiskalt den Ball am belgischen Torhüter vorbei. Im Spiel gegen die Holländer war es schließlich ein Tormannfehler, der den Saudis das Remis verwehrte.

Im Achtelfinale war aber auch für die Wüstensöhne nach einer 1:3 Niederlage gegen Schweden Schluss. Doch die Saudis ließen die Welt aufhorchen, dass nicht nur die nordafrikanischen Araber guten Fußball spielen.

So schön der erste WM-Auftritt der Araber war, so beschämend waren die Folgeauftritte. Während in Frankreich nach einer 0:1-Niederlage gegen Dänemark und einem 0:4 gegen den Gastgeber Schluss war, setzte es 2002 in Asien ein Debakel.

In einem desaströsen Spiel verloren die Saudis gegen Deutschland mit 0:8. Eine 0:1-Niederlage gegen Kamerun und ein 0:3 gegen Irland besiegelten das Schicksal der Wüstensöhne in Japan und Südkorea.

Der Mann, der bereits beim 0:8 zwischen den Pfosten stand, könnte auch bei der kommenden WM wieder auflaufen. Mohammed Al Deayea, der sein Geld beim saudi-arabischen Klub Al Hilal verdient, wurde von Neo-Trainer Paqueta zurück in die Mannschaft geholt.

Der Rekord-Torhüter spielte Anfang März beim Testspiel gegen Portugal sein 179. Länderspiel und ist damit Weltrekordhalter. Fraglich bleibt aber sein Einsatz bei der WM, überzeugte Al-Ittihad Tormann Mabrouk Zaid in der Qualifikation zwischen den Pfosten.

Eine souveräne WM-Qualifikation ohne Niederlage sorgt für das nötige Selbstbewusstsein bei den Saudis. Trainer Paqueta, der 15. Coach seit 1994, kritisiert vor allem die mangelnde internationale Erfahrung seiner Spieler.

Bestätigt wird dieser Umstand durch die Tatsache, dass kein einziger Nationalspieler sein Geld im Ausland verdient.

In zahlreichen Testspielen vor der WM soll dieses Defizit ausgemerzt werden. Ob es aber tatsächlich für einen starken Auftritt in Deutschland reicht, ist zu bezweifeln.

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