Wer das Bild wohl gemacht hat? Schlitzohr Ribery mit dem Fotohandy? Der Hausmeister des Schlosshotels Münchhausen, in dem die französische Nationalelf die letzten 4 Wochen zu Hause war? Die Marketingabteilung von Marlboro? Nur wenige Stunden vor dem Anpfiff des Weltmeisterschafts-Halbfinales zwischen Frankreich und Portugal soll das Foto entstanden sein. Zinedine Zidane steht auf einer Terrasse, zieht an einer Zigarette und sieht dabei so entspannt aus, wie in der zweiten Halbzeit des Spiels gegen Brasilien – souverän, selbstsicher, zufrieden.
Seit mehreren Tagen kursiert es nun im Internet, und das Bild wird um die Welt gehen, keine Frage. Die einen werden enttäuscht sein vom besten Fußballer der letzten 15 Jahre, der doch ein Vorbild für die Jugend sein sollte. Die anderen werden ihn noch mehr lieben und dem Photo von Zizou mit Zigarette einen Ehrenplatz im Vereinsheim ihres Thekenteams geben. Nur einem wird das alles wahrscheinlich ziemlich egal sein, Zidane selbst.
Der Sohn algerischer Einwanderer wollte nie Vorbild sein, geschweige denn die Integrationsfigur eines multikulturellen Frankreich, zu der er nach der Weltmeisterschaft 1998 in seiner Heimat gemacht wurde. In einem Interview, das er kürzlich dem französischen Fernsehen gab, bezeichnete er sich selbst als völlig unpolitische Person. Er sei schlichtweg ein “Mensch, dem Respekt entgegengebracht wird und der andere Menschen mit Respekt behandelt.”
Ein ganz normaler Kerl also, der sich eben auch mal eine anstecken darf. Dabei ist Zidane natürlich nicht der erste Fussballstar, der mehr oder weniger öffentlich dem Nikotin zuspricht. In der großartigen Fussball-Bibel “Fußball Unser” nennen Eduard Augustin, Philip von Keisenberg und Christian Zaschke in dem Kapitel “Fussballer, die gerne rauchen”, unter anderem Johan Cruyff, Paul Gascoigne, David Ginola, Socrates und Gianluca Vialli. Hinzufügen lassen sich noch Dino Zoff und – um ein paar Deutsche zu nennen – Mario Basler, Klaus Augenthaler und Oliver Kahn, der bereits des öfteren mit Drink in der Hand und Zigarette im Mundwinkel im P1 abgelichtet worden ist.
Jedoch ist keiner der genannten Spieler, auch Cruyff nicht, fußballerisch in einer Liga mit Zidane anzusiedeln. Der 34-Jährige steht, unabhängig davon, ob er mit seinem Nationalteam heute seinen zweiten Weltmeistertitel holt, in einer Linie mit den zwei anderen wirklich Großen des Weltfußballs, Pele und Maradona. Und durch sein Auftreten außerhalb des Platzes grenzt er sich sogar von diesen beiden noch ab.
Pele konnte den Glanz und die Leichtigkeit seines Spiels zu keinem Zeitpunkt in seine Karriere außerhalb des Fußballplatzes übertragen. Als Brasilianischer Sportminister wurde er beschuldigt, in einen Bestechungsskandal verwickelt gewesen zu sein. Und in seiner Arbeit für die Vereinten Nationen sowie als UNICEF-Botschafter wirkt er in erster Linie bemüht und angestrengt.
Über Maradonas Leben abseits des grünen Rasens müssen wohl nicht viele Worte verloren werden. Seine Auftritte auf den Ehrentribühnen dieser Weltmeisterschaft sprechen für sich.
Natürlich, Zidane ist noch aktiv und es bleibt abzuwarten, was aus ihm wird, wenn die Profi-Karriere vorbei ist. Allerdings strahlt der Franzose bereits heute auch außerhalb des Platzes etwas aus, das Pele und Maradona verloren zu haben scheinen – Magie.
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