USA und Europa beim Mobilfunk gespalten?

In den zurückliegenden Jahren fand ein intensiver Wettbewerb um Mobilfunkstandards statt bei dem sich der europäische GSM weltweit durchsetzen konnte. Europa glaubte danach an diese Erfolge mit dem raschen Aufbau von UMTS-Mobilfunknetzen als europäischer Weiterentwicklung anknüpfen zu können. Durch eine entsprechende Frequenzpolitik wurden große Frequenzbereiche in einer äußerst teuren Auktion

In den zurückliegenden Jahren fand ein intensiver Wettbewerb um Mobilfunkstandards statt bei dem sich der europäische GSM weltweit durchsetzen konnte. Europa glaubte danach an diese Erfolge mit dem raschen Aufbau von UMTS-Mobilfunknetzen als europäischer Weiterentwicklung anknüpfen zu können. Durch eine entsprechende Frequenzpolitik wurden große Frequenzbereiche in einer äußerst teuren Auktion in Deutschland (50 Mrd. €) vergeben. Der Markterfolg von UMTS ließ danach auf sich warten.

Parallel dazu entwickelte sich in den USA eine drahtlose Zugangstechnologie zum Internet auf Basis der WiFi-Standards – die hohe Bandbreiten von aktuell 54 MB/sec zur Verfügung stellt. WiFi-Nutzer konnten hierüber zumindest in räumlich engeren Umgebungen von ca. 100 m innerhalb und außerhalb von Gebäuden einen drahtlosen Zugang ins Internet anbieten.

Durch Hot Spots an anderen öffentlich zugänglichen Orten kann diese Zugangsmöglichkeit nun weltweit genutzt werden. FON ist ein Unternehmen, das versucht, die sehr zahlreichen privaten WiFi-Zugänge über ein Community-Konzept zu vernetzen: Jedes Mitglied, das anderen Mitgliedern seinen Zugangspunkt öffnet, kann umgekehrt auch deren Zugänge nutzen.

In den USA verlief in den zurückliegenden Jahren der Aufbau breitbandiger Mobilfunkdienste im Vergleich zu Europa und auch in Teilen Asiens (Japan, Südkorea) deutlich langsamer. Während in Europa beispielsweise aktuell in Deutschland HSDPA als UMTS-basierte neue Breitbandübertragungstechnologie mit Bandbreiten von bis zu 2 MB/sec beim Download von der Deutschen Telekom angeboten wird, setzen nun die USA offensichtlich stärker auf WiMax basierend auf dem IEEE 802.16.d-2004-Standard (WiMax fixed).

WiMax ermöglicht Reichweiten der Fixed-Wireless-Zugänge von derzeit maximal 50 km bei einer maximalen Bandbreite von 70 Mb/sec. Durch WiMax können somit wesentlich kostengünstiger Wireless Metropolitan Area Networks (WMAN) oder Netzzugänge in dünnbesiedelten Räumen aufgebaut werden.

Der aktuell jetzt vom WiMax-Forum vorgestellte Mobile WiMax-Standard 802.16.e-2005 beseitigt nun auch ein weiteres WiMax-Defizit gegenüber anderen Mobilfunk-Technologien.

Jetzt ist es möglich, nicht nur innerhalb einer einzelnen WiMax-Funkzelle den drahtlosen Breitbandzugang zu garantieren, sondern es kann wie bei anderen Mobilfunk-Standards ein globales Roaming zwischen WiMax-Funkzellen gewährleistet werden. Damit tritt WiMax noch stärker als bisher in einen Wettbewerb zu den bisherigen drahlosen Zugangstechnologien.

Diese Potentiale von WiMax haben wohl auch Intel und Motorola dazu bewogen, in die Clearwire Corporation 900 Mill. US Dollar zu investieren. Clearwire ist derzeit dabei, rasch WiMax-Netzinfrastrukturen in den großen Ballungsräumen in den USA aber auch teilweise in Europa z.B. Belgien aufzubauen. Können diese nun auch untereinander mittels Roaming leicht vernetzt werden, dann entsteht eine auch ökonomisch außerordentlich attraktive WiMax-Plattform für Breitbandkommunikation.

Europa hat sich bisher für eine andere Entwicklungslinie (GSM-GPRS-UMTS-HSDPA) beim Aufbau drahtloser Breitbandnetze entschieden. Es könnte daher zukünftig zu einer zunehmenden Parallelentwicklung in Europa und USA kommen. Das Ergebnis wäre eine regionale Spaltung bei den technologischen Plattformen zwischen den USA und Europa.

Starre, von Land zu Land unterschiedliche Frequenzregulierungen in den einzelnen EU-Mitgliedsländern und strategische Überlegungen großer Telefonunternehmen, die vorhandene UMTS-Netzinfrastruktur weiterhin zu nutzen, können den Aufbau von WiMax-Netzen in Europa erheblich behindern. Deshalb fordert die EU-Kommission eine Europäische Behörde für eine zukunftsweisende gemeinsame wettbewerbsorientierte Frequenzpolitik der EU.

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