Der flotte Flöttl und seine Gemälde – Wiener Bank fahndet nach kostbaren Bildern

Wo ist bloß das “Junge italienische Mädchen” geblieben? Wohin sind die “Rennpferde” galoppiert? Die “Badende” ist nicht mehr zu sehen, und der “Matrose” ist von Bord gegangen. Auch der “Große Kanal in Venedig” ist zusammen mit 73 wertvollen Gemälden aus dem Züricher Depot der MAT Securitas verschwunden. Der Besitzer dieser

Wo ist bloß das “Junge italienische Mädchen” geblieben? Wohin sind die “Rennpferde” galoppiert? Die “Badende” ist nicht mehr zu sehen, und der “Matrose” ist von Bord gegangen. Auch der “Große Kanal in Venedig” ist zusammen mit 73 wertvollen Gemälden aus dem Züricher Depot der MAT Securitas verschwunden. Der Besitzer dieser wertvollen Gemälde von Cezanne, Degas, Renoir, Picasso, Manet und von anderen großen Malern war die Wiener Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG).

Im größten Bankenskandal der Zweiten Republik hat die BAWAG durch Spekulationsgeschäfte ihres Generaldirektoren-Sohnes Wolfgang Flöttl 1,8 Milliarden Euro verloren. Die Bank im Besitz des Gewerkschaftsbundes ÖGB hat als Sicherung für die Verluste Vermögensteile Flöttls übernommen, darunter auch seine Gemäldesammlung. Die aber ist verkauft worden. Statt Zins und Zinseszins zu mehren, muß die BAWAG nun verschwundene Gemälde jagen.

Die ganze Affäre um die historische Arbeiterbank ist ein Trauerspiel mit stark komödiantischen Zügen. Das grundlegende Übel ist der in Österreich weit verbreitete Nepotismus. Freunderlwirtschaft arrangiert sich hinter den Kulissen mit der Vetternwirtschaft. Es ist eine Republik der Söhne und Töchter, der Nichten, Neffen und Vettern. “Dank der Hilfe seines Vaters”, wußte Die ZEIT am 12.4.2006 vornehm zu berichten, “hat Wolfgang Flöttl eine atemberaubende Karriere in der internationalen Finanzwelt” gemacht. Wolfgangs Vater ist der langjährige Generaldirektor der BAWAG Walter Flöttl, seit gut 10 Jahren in Pension. Sein Sohn ließ sich in New York als Investmentbanker nieder und heiratete Anne Eisenhower, eine Enkelin des früheren US-Präsidenten. Bald war der flotte Flöttl als ein zweiter Schwarzenegger ganz oben angekommen. Mit Residenz in der New Yorker Park Avenue verfügte er über ein Dutzend Investmentgesellschaften. Seine Gemäldesammlung wurde bestaunt. Er hatte einen eigenen Jet, mit dem er oft zu seiner Insel in den Bermudas flog. Im Auftrag der BAWAG tätigte er halsbrecherische Spekulationen. Die Bank unter Direktor Helmut Elsner schob ihm über Jahre neues Geld zu. Wie der Prüfbericht der österreichischen Nationalbank vom 3.5.2006 feststellte, sei es “ungewöhnlich”, daß jede Aktion Flöttls mit einem “Totalverlust” geendet habe. Für 613 Millionen Euro gebe des keine Belege. Es sei nicht auszuschließen, daß “diese Beträge an Dritte geflossen” seien.

Viel zu spät hatte die BAWAG nach Flöttls Vermögen gegriffen. Insgesamt konnte das Geldinstitut Werte in Höhe von 190 Millionen Euro sicherstellen. Dazu gehörten auch 78 Gemälde, die der Banker in einem Züricher Depot der MAT-Securitas eingelagert hatte. Es stellte sich heraus, daß Flöttl die meisten Bilder zu überhöhten Preisen und auf Kredit gekauft hatte. Die BAWAG mußte zuerst seine Schulden bei Londoner Auktionshäusern in Höhe von 154 Millionen Euro begleichen, um das Besitzrecht der Gemälde zu bekommen. Obwohl eine jede Bank Sicherheiten verlangt, hat die BAWAG im Fall der Gemälde auf Sicherheit verzichtet. Flöttl hat 73 der 78 Bilder verkauft, wobei nach dem Bericht der Nationalbank, die “tatsächlichen Erlöse nicht mehr nachvollzogen werden” können. Auch hier fehlen Rechnungen und Belege.

Als der neue BAWAG-Chef Eduard Novotny hoffnungsvoll das Depot in Zürich öffnen ließ, fand er nur mehr fünf Bilder von geringem Wert vor. Die bekanntesten Gemälde aus Flöttls Sammlung konnte man bei einer Suche im Internet woanders finden. So hängt Picassos “Le Reve” (Der Traum) in der Rezeption des Hotelcasinos “Wynn” in Las Vegas. Flöttl hatte das Gemälde 1999 für 48 Millionen Dollar an den Milliardär Steve Wynn verkauft. Der “Grand Kanal” des französischen Impressionisten Edouard Manet im Schätzwert von 40 Millionen Dollar hängt heute im Gebäude der Providence-Security in San Francisco. “Les Poseuses” (Die Modelle) von Georges Seurat gehören heute dem Sammler Paul Allen. Das Gemälde wird derzeit in der Ausstellung “Experience Music Project” in Seattle gezeigt. Paul Cezannes “Jeune fille italienne” ist im Besitz des New Yorker Sammlers William Rosenthal.

Die von der BAWAG beauftragten Detektive fahnden nach Dutzenden Bildern, deren Besitzer nicht bekannt sind. So weiß man derzeit nicht, welchen Weg das berühmte Gemälde Vincent Van Goghs”La Moisson en Provence” genommen hat. Gesucht wird auch das Selbstporträt Edouard Manet mit Palette. “Les Chevaux de Courses (Die Rennpferde)” und “Etude de Nue apres le Bain (Studie einer Nackten nach dem Bad)” beide von Edgar Degas, stehen ebenfalls auf der Fahndungsliste. “Le Baigneuse (Die Badende)” von Pierre-Auguste Renoir und “Le Marin (Der Matrose)” von Picasso sind beide unbekannten Aufenthaltes.

Der Gesamtwert der Bilder, die der BAWAG gehört haben, wird auf über 300 Millionen Euro geschätzt. Im Besitz der Bank sind nur mehr fünf schwer verkäufliche Bilder des Wiener Fotorealisten Franz Zadrazil verblieben. Ihr Schätzwert: Rund 70 000 Euro.

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  1. Es schleichen sich bei der Übertragung fallweise neue Buchstaben ein. Ich bitte zu erbessern. das Bild von Picasso heißt natürlich =Le reve=(der Traum) . Der Käufer ist Steve Wynn, nicht Steve Wann. Bitte zu verbessern. Malte Olschewski