Feuerwehrautos und Wasserschlachten auf der Donau

Seltsame Szenen am Montagnachmittag in Ulm: Jugendliche mit Schlauchbooten ziehen durch die Stadt, an jeder Ampel und an jedem Zebrastreifen kreuzen sie die Straße. Ihr Ziel ist die Donau – nicht jedoch ein sportlicher Wettkampf, sondern das “Nabada”. Bei dem “Hinunterbaden” am höchsten Ulmer Feiertag, dem Schwörmontag, handelt es sich

CRIM0108.JPGSeltsame Szenen am Montagnachmittag in Ulm: Jugendliche mit Schlauchbooten ziehen durch die Stadt, an jeder Ampel und an jedem Zebrastreifen kreuzen sie die Straße. Ihr Ziel ist die Donau – nicht jedoch ein sportlicher Wettkampf, sondern das “Nabada”.

Bei dem “Hinunterbaden” am höchsten Ulmer Feiertag, dem Schwörmontag, handelt es sich um eine Art Umzug – ähnlich wie in den rheinischen Karnevalshochburgen. Auf den offiziell angemeldeten Holzkähnen nehmen Vereine und Organisationen aktuelle Themen aus dem Lokalen und der Politik auf die Schippe. So tönt von einem Wassergefährt eine Parodie auf die Sparpolitik des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger aus den Lautsprechern, auf einem anderen wird die rückläufige Geburtenrate in Deutschland darauf zurück geführt, dass der Storch die Vogelgrippe hat. Auch die Fußballweltmeisterschaft ist ein Thema, ebenso die Musikpiraterie.

CRIM0116.JPGDie Veranstaltung ist für alle offen. Jahr für Jahr stürzen sich Tausende “wilde Nabader” in die Fluten. Viele beweisen Kreativität und bauen sich ihr Floß aus Getränkekisten, Mülleimern, Zäunen oder was sonst gerade zur Hand ist. So treibt auch schon mal ein Jägerstand mit Bruno, dem Bären oder ein Feuerwehrauto aus Pappmaché an den Zuschauern vorbei.

Kurz nach dem Start kommt es im Donauwasser zu wilden Wasserschlachten. Die Bootsherren überschütten sich eimerweise mit dem kühlen Nass. Trotz eines mittlerweile offiziellen Verbotes wird bald auch das Publikum attackiert. Viele sind vorbereitet: Sie gehen zum Gegenangriff mit Wasserpistolen und Wasserbomben über.

“Wir lieben unser Ulmer Publikum”

Manch einer übertreibt. Als Wasserbomben auf den Schiffen der Musikvereine aufschlagen und eine das Schlagzeug trifft, johlen die Umstehenden. Die Musiker schimpfen, sie bangen um ihre teuren Instrumente. Schon bald ist ein Ordnungshüter zur Stelle. Er beschlagnahmt den restlichen Vorrat der mit Wasser gefüllten Luftballons.

CRIM0097.JPGDie Schauspieler des “Theaters in der Westentasche” nehmen es mit Humor. “Mörder” ruft einer von ihnen, als er von einer Wasserbombe getroffen wird, und gesteht trotzdem ein: “Wir lieben unser Ulmer Publikum.”
Mittlerweile sind auch unter den Zuschauern am Ufer Kämpfe entbrannt. Gegenseitig greifen sich die Menschen mit ihren Wasserpistolen an. Sie haben Spaß an der Erfrischung in der brütenden Hitze. Als die letzten Boote vorbeigezogen sind, verlässt auch das Publikum die Uferpromenade. Ein älteres Ehepaar, beide an die 70 Jahre alt, ist mehr nass als trocken. Lachend zieht es von dannen.

Die ganze Stadt ist an diesem Abend eine einzige Party- und Feiermeile. An jeder Ecke spielen lokale Bands. Auf dem Münsterplatz hat ein lokaler Radiosender eine große Bühne errichtet, darauf zu erleben sind unter anderem die “Killerpilze” und die Cowboys von “Boss Hoss”. Wer vom Wasserkampf noch nicht vollends erschöpft ist, feiert noch bis weit in die Nacht hinein.

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