Brockhaus arbeitet an Community-Projekt

Das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus AG (BIFAB), Hersteller des Duden-Wörterbuchs und der traditionsreichen Enzyklopädie, steigt in das modische Geschäft mit den Communities ein. Darauf lassen ein zeitweilig erreichbarer Prototyp und die Projektbeschreibung eines österreichischen Instituts schließen. “aLEXander” soll – so die Beschreibung des Instituts für Informationssysteme und Computer

Das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus AG (BIFAB), Hersteller des Duden-Wörterbuchs und der traditionsreichen Enzyklopädie, steigt in das modische Geschäft mit den Communities ein. Darauf lassen ein zeitweilig erreichbarer Prototyp und die Projektbeschreibung eines österreichischen Instituts schließen.

“aLEXander” soll – so die Beschreibung des Instituts für Informationssysteme und Computer Medien (IICM) vom 28. Juli 2006 – “verschiedene Datenquellen wie den Brockhaus Multimedial (Enzyklopädie) und Die Presse (Tageszeitung) zusammenführ[en]“. Zudem sollen die Benutzer eigene Texte hinzufügen können. Bemerkenswert ist, daß BIFAB bislang eine strikte begriffliche Trennung zwischen der (gedruckt) 2500 Euro teuren Enzyklopädie und den deutlich günstigeren Brockhaus multimedial-CDs und -DVD vornahm.

Neben der Enzyklopädie Wikipedia, die innerhalb weniger Jahre zu einer der populärsten Webseiten geworden ist, gehört es inzwischen zur Standardausrüstung von Portalanbietern, Wissensgemeinschaften zu hegen. Den Anfang machte 2002 der Suchmaschinenprimus Google mit “Google Answers“. Fragende durften Preise für die korrekte Beantwortung ausloben, das Projekt gehört zu den eher weniger auffälligen Seiten von Google. 2006 zogen Lycos und Yahoo nach, letztere auch seit Juni auch in deutscher Sprache. Statt Geld winken den Teilnehmern hier Punkte und Anerkennung. In Deutschland heimisch ist ebenso die Seite wer-weiss-was.de, die Fragende und Antwortende zusammenbringen will.

Das IICM entwickelt seit Jahren unter anderem die Software für die Brockhaus-Infotainmentsoftware “Brockhaus multimedial”, die ein Kind des 15-bändigen Brockhaus-Lexikons ist. Der zweite Content-Lieferant ist die österreichische Tageszeitung “Die Presse”, die der Styria Medien-AG gehört. Letztere ist auch die Sponsorin eines Lehrstuhls an der Uni Graz für “zukunftsweisende Medientechnologien”. Bereits 2005 hatte es Andeutungen gegeben, eine lexikalische Community aufbauen zu wollen. In einer Meldung der Nachrichtenagentur APA vom 04. März 2005 zum Aufbau der Styria-Professur hatte sich der IICM-Leiter Hermann Maurer mit den Worten zitieren lassen, man denke “zum Beispiel an den Aufbau einer neuen Art von Electronic-Community, der die Daten aus Medienarchiven und Informationen wie beispielsweise dem Brockhaus zur Verfügung stehen. Wenn Sie so wollen, so etwas wie Wikipedia (…) aber ohne ihre Schwächen”.

Gesponsert durch den Lehrstuhl waren im vergangenen Jahr mehrere wissenschaftliche Publikationen des Institutsleiters Herrmann Maurer und Josef Kolbitschs erschienen, die bereits für den Dezember 2005 einen Prototypen angekündigt hatten. Das dahinterliegende System “Kōrero ist nach dem Maori-Wort für “reden, sagen” benannt. Fehler- und Servermeldungen des Prototypen weisen auf eine Verwandtschaft mit dem Content-Managementsystem “Hyperwave” aus dem gleichen Hause hin.

Im Laufe des vergangenen Freitags konnten Surfer unter der zu dem IICM gehörenden IP 129.27.200.58 einen frühen und nur teilweise funktionierenden Prototypen von aLEXander austesten. Aktivster Benutzer war zu diesem Zeitpunkt der Geschäftsführer der BIFAB-Tochter “Brockhaus Duden Neue Medien” (BDNM), Bernd Kreissig. BDNM ist seit Jahren verantwortlich für die Herausgabe aller elektronischen Produkte des Verlags.Teile von aLEXander sind weiterhin über den Google-Cache einsehbar.

BIFAB wies im abgelaufenen Jahr einen Verlust von mehreren Millionen Euro aus. Besonders hart traf es den Verlag bei dem Versuch, gemeinsam mit dem österreichischen ORF den Erfolg des Zeit-Lexikons zu wiederholen. Für das laufende Geschäftsjahr hofft man auf steigenden Umsatz und die Rückkehr in die Gewinnzone, angetrieben durch eine neue Auflage des Duden-Wörterbuchs und die im Herbst abgeschlossenen 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie. Ob aLEXander dazu beitragen kann, wird sich zeigen.

Am Wochenende entfernte das IICM die Bezeichnung der Contentlieferanten aus der Projektbeschreibung. Es ist jetzt die Rede von “Datenquellen wie Enzyklopädien und Tageszeitungen “. Der Prototyp selbst ist derzeit nur mit Passwort zu erreichen. Ein Starttermin für aLEXander ist bislang nicht bekannt.

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