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Frida Kahlo - Rebellin und begnadete Künstlerin

Dienstag, den 1. August 2006 um 12:04 Uhr von andreas kuhn
Bis 17.09. sind die Werke der mexikanischen Künstlerin in Hamburg zu sehen.

André Breton, der sie partout als Surrealistin etikettieren wollte, beschrieb ihre Kunst als »ein farbiges Band um eine Bombe«. Madonna beteuerte »Frida ist die große Inspiration für mein Leben«. Zu Lebzeiten kannte Frida Kahlo Wassily Kandinsky, Marcel Duchamp und Pablo Picasso. Eine Ausstellung in Hamburg zeigt nun ihre bedeutendsten Werke.
»Weder Derain, noch Du, noch ich, sind in der Lage, einen Kopf so zu malen, wie Frida Kahlo!« gesteht Picasso in einem Brief an Diego Rivera. Dieser wiederum wirbt anläßlich einer geplanten Ausstellung für seine Frau: »Ich empfehle Ihnen diese Künstlerin, nicht als Ehemann, sondern als begeisterter Bewunderer ihres Werks, ätzend und zärtlich, hart wie Stahl und zart und fein wie der Flügel eines Schmetterlings, bewunderswert wie ein schönes Lächeln und tiefgründig und grausam wie die Bitternis des Lebens.«

Nicht erst seit der äußerst erfolgreichen Verfilmung ihres Lebens und Wirkens durch Regisseurin Julie Taymor (Hauptrolle Salma Hayek in einer schlicht leidenschaftlichen Verkörperung) ist das Interesse an Frida Kahlo als Kunst-Ikone erneut heftig aufgeflammt. Im Jahr 2006 noch immer »Fridomania« post mortem allerorten. Frida Kahlo ist Malerin und Mythos. Als mexikanische Kultfigur mit unvorhergesehener Popularität liefert sie lange schon und schier unablässig Stoff für Bücher, Theaterstücke und Filme, ist idolisiertes Objekt für Merchandising. Frida auf Handtaschen, Postkarten, Frida als Poster und Schlüsselanhänger. Leben wie Werk der wohl mit Abstand bekanntesten Malerin ganz Lateinamerikas sind von kraftvoll exotischer, schillernd bunter und mythisch umrankter Anmutung.

Als bekennende Marxistin gab die charismatische Rebellin, obwohl geboren am 6. Juli 1907, zeitlebens ihr Geburtsjahr mit 1910 an, dem Jahr der mexikanischen Revolution. Sie verehrte Stalin und hatte als »emanzipierte« Frau, gebeutelt durch die Untreue ihres Mannes Diego, Affären mit prominenten Männern wie Leo Trotzki oder Nickolas Murray und auch Frauen wie der Sängerin Chavela Vargas (»La Llorona«). Nickolas Murray verdanken wir (ebenfalls in der Hamburger Ausstellung in fantastischer Qualität präsentiert) – neben Lola und Manuel Alvarez Bravo, Imogen Cunningham, Fritz Henle oder Gisele Freund – einige der schönsten fotografischen Zeitdokumente: prachtvolles, pathetisches und detailbesessenes In-Szene-setzen; regelrechte Performance-Fotografie. Stets ernst blickende, auf den Betrachter gerichtete Augen, »gekrönt von dichten Brauen, die sich vereinten wie Vogelschwingen«, wie Raquel Tibol attestiert.

Fast zwangsläufig versetzt der Kontakt mit den Originalbildern den Betrachter in eine Art Verzückungszustand. Hierzulande wartete man allerdings eine »halbe Ewigkeit« vergeblich, ihre Gemälde einmal mehr »leibhaftig« in Augenschein nehmen zu dürfen. Dem Bucerius Kunst Forum ist nun – bereits ein Jahr vor dem 100. Geburtstag der wichtigsten Vertreterin mexikanischer Kunst – das Kunststück gelungen, die größte private Kollektion von Werken Frida Kahlos aus dem Museo Dolores Olmedo Patino (Xochimilco, Mexiko) einer deutschen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die in Hamburg ausgestellten Gemälde beleuchten die zentrales Themen des Lebens und der Kunst Frida Kahlos: Schmerz, Verlust, Unglück und Leiden. Von einer Kinderlähmung im Alter von wohl sechs Jahren behält Frida eine Behinderung des rechts Beins, eben achtzehnjährig erleidet sie einen fatalen Busunfall. Diesen überlebt sie zwar schwerstverletzt, er markiert aber den Anfangspunkt lebenslänglicher Qualen wie zahlloser Operationen. In deren Auswirkungen schließlich, bereits fast ihr halbes Lebens an Rollstuhl oder Krankenbett gefesselt, stirbt sie mit gerade 47 in ihrem Geburtshaus (»Casa Azul« oder »Blaues Haus«, heute Frida-Pilgern aus aller Welt zugänglich als Frida Kahlo Museum). »Pies para qué los quiero si tengo als pa volar«/»Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel haben zum Fliegen« hatte sie ein Jahr zuvor ihrem Tagebuch anvertraut.

Ergänzt durch Leihgaben aus gesamtamerikanischen Sammlungen ist die liebevoll inszenierte Ausstellung vom 15.6.–17.9.2006 ein absolutes »Muß« für alle Kahlo-Fans.

Infos: http://www.buceriuskunstforum.de

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7 Reaktionen zu “Frida Kahlo - Rebellin und begnadete Künstlerin”

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  1. Readers Edition » Frida Kahlo - Rebellin und begnadete Künstlerin

    am 4. August 2006 um 01:45 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Readers Edition » Frida Kahlo - Rebellin und begnadete Künstlerin Ausstellung im Hamburger Bucerius Kunst ForumSource: Readers Edition » Frida Kahlo - Rebellin und begnadete Künstlerin - kunst [Feed] […]

  2. kerstin

    am 10. August 2006 um 10:12 Uhr | Link | Kommentar melden

    klasse Artikel - sehr treffend!

  3. Hermann Steinthor

    am 12. August 2006 um 23:31 Uhr | Link | Kommentar melden

    Dieser famos & mit fundiertem Wissen geschriebene Artikel macht Appetit auf manches mehr: auf Leon Trotskiy, auf Andreas Kuhn, Cindy Sherman, auf gebrochene Säule und vor allen Dingen auf die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum. Respectable!
    H.S.

  4. Barbara Schäfer

    am 14. August 2006 um 08:38 Uhr | Link | Kommentar melden

    Eine sehr gute Zusammenfassung ihres Lebens und ihrer Malerei, die der begeisternden Hamburger Ausstellung gerecht wird. Ein Besuch ist unbedingt empfehlenswert!

  5. E. Elisabeth Schiwietz

    am 30. August 2006 um 13:19 Uhr | Link | Kommentar melden

    Selbst wenn man noch nicht Frida-Kahlo-Fan ist, wird man durch diesen Artikel neugierig und angestoßen, sich in die Lebensgeschichte und die Bilder dieser bemerkenswerten Künstlerin zu vertiefen. Spannend und gut geschrieben!

  6. Anja Puppel

    am 30. August 2006 um 22:41 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ich habe vor einiger Zeit eine Film über Frida Kahlo gesehen und war begeistert von der Willenskraft und Kunst dieser Frau. Der Artikel macht neugierig auf mehr von ihr. Weiter so …

  7. Kunstmuseum Gehrke-Remund

    am 2. Februar 2009 um 19:56 Uhr | Link | Kommentar melden

    Wer diese wunderbare Ausstellung verpasst hat - hier ist noch eine Gelegenheit:

    www.Kunstmuseum-Gehrke-Remund.de
    Ab 28. Februar 2009 ist im Kunstmuseum Gehrke-Remund die umfangreichste Frida Kahlo Sammlung aller Zeiten zu sehen.

    Über 100 Gemälde (Lizenzierte Repliken: © Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust / VG Bild-Kunst, Bonn 2008) werden gezeigt.
    Die Ausstellung erstreckt sich über rund 600 qm und ist in einer alten Emaillierfabrik in Baden-Baden untergebracht.
    Neben den Gemälden, Kleider und Schmuck ist auch der Lebensmittelpunkt von Frida Kahlo, ihre Casa Azul (das Blaue Haus) zu erleben.

    Frida Kahlo, schon zu Lebzeiten eine Legende. Malerin - Ehefrau von Diego Rivera - befreundet mit Picasso - Geliebte von Trotzki und Josephin Backer.
    Sie hat 144 Bilder in ihrem kurzen Leben gemalt.

    Ab 28. Februar 2009 sind über 100 Gemälde von Frida Kahlo als lizenzierte Repliken – meisterlich gemalt - im Kunstmuseum Gehrke-Remund in Baden-Baden zu sehen.

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