Floyd Landis und die B-Probe

Floyd Landis ist von sich überzeugt: “Ich erkläre kategorisch, dass ich meine Leistung durch hartes Training erzielt habe. Ich habe mein ganzes Leben hart trainiert, um meinen Lebenstraum zu verwirklichen.” Landis meint: “Keiner kann von Doping sprechen und ich möchte die Medien auffordern, den Sachverhalt auch so darzustellen.” Der Radprofi

Landis.jpgFloyd Landis ist von sich überzeugt: “Ich erkläre kategorisch, dass ich meine Leistung durch hartes Training erzielt habe. Ich habe mein ganzes Leben hart trainiert, um meinen Lebenstraum zu verwirklichen.” Landis meint: “Keiner kann von Doping sprechen und ich möchte die Medien auffordern, den Sachverhalt auch so darzustellen.”

Der Radprofi betont: “Ich möchte absolut klarstellen, dass ich mich in keinerlei Dopingprozess befinde.” Und er erklärt: “Mein Testosteronwert ist, wie auch bei anderen Menschen, manchmal aus natürlichen Gründen höher.”

Floyd Landis durchläuft den Prozess eines von den Medien für schuldig befundenen Dopingsünders. Erst die Ergebnisse eines Labors oder einer Ermittlungsbehörde, dann die Unschuldsbeteuerungen des Athleten und zu guter letzt die Verurteilung der Medien.

Die mediale Hetzjagd ebbt langsam ab, doch Landis Fall wird nicht weniger interessant. Der Mennonitensohn, der nicht Rad fahren durfte und nachts für seinen Traum arbeitete, scheint nicht der ehrliche Sportler zu sein, den er so gerne mimt. Bei der diesjährigen Tour de France wurde ihm sein Wundersieg der 17. Etappe zum Verhängnis. Mit Wut im Bauch, weil er am Tag zuvor sein gelbes Trikot verloren und einen schweren Einbruch erlitten hatte, entfloh er dem Favoritenkreis, um heldenhaft und mit sagenhaftem Vorsprung ins Ziel zu kommen. Landis war wieder im Rennen um den Toursieg und sicherte sich diesen beim letzten Einzelzeitfahren. Doch die Wut vom Tag des Wundersiegs schien nicht irgendwo herzukommen. Testosteron in erhöhter Dosis wurde in Landis Urin am gleichen Tag gefunden.

Testosteron ist ein männliches Sexualhormon und gehört zu den aufbauenden (anabolen) Wirkstoffen. Sie werden von einigen Leistungssportlern im Training verwendet, um mehr Muskeln zu bilden und damit bessere sportliche Resultate zu erzielen. In Wettkämpfen sorgt das Hormon für eine bessere Regenerationsfähigkeit. Außerdem macht es schmerzunempfindlicher und aggressiv. Testosteron gehört zu den verbotenen Doping-Substanzen. (sport.ard.de)

Werner Franke beschreibt in der Süddeutschen Zeitung die Folgen eines Dopings mit Testosteron, das als Pille nach dem Abendessen eingeworfen werden könne und tags darauf schon nicht mehr nachweisbar sei. Problematisch sei das Ganze allerdings, wenn bei großer Hitze, wie bei der diesjährigen Tour de France, nicht genug getrunken werde. In diesem Falle werde die relative Konzentration im Körper durch den Flüssigkeitsverlust sehr hoch, so dass Testosteron nachweisbar sei.

“Diese Pillen verbessern nicht nur die Regeneration oder den Muskelaufbau – sie erzeugen auch einen Steroid-Wahn, manche Sportler sind dann wie geistig weggetreten. Die Pille [..] wirkt direkt aufs Gehirn und ein ungeheures Aggressionspotenzial wird freigesetzt.”

Franke erklärte zudem, dass der Quotient zwischen dem Testosteron zum Abbauprodukt Epitestosteron bei Landis elf betragen hätte. Normal sei ein Quotient von 1:1 oder 2:1. Hier könnte der Amerikaner weiterhin in Erklärungsnot kommen, denn ein derartiger Quotient gilt häufig als hieb- und stichfester Nachweis für Doping.

Man darf auf die B-Probe von Floyd Landis gespannt sein und darauf, welche Verschwörungstheorien danach auf den Tisch kommen. Vielleicht steckt hinter den Testergebnissen der gleiche Unbekannte, der schon Landis Landsmann Justin Gatlin etwas in die Trinkflasche mixte. Vielleicht verschwindet Landis aber auch einfach von der Bildfläche und zieht sich zurück in das schöne Pennsylvania, zurück zu seinen Eltern in die Mennonitengemeinde, wie es sich Landis Vater einst gewünscht hatte.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*