Krieg der Bildbearbeitung

In mehreren Schritten hat die Londoner Nachrichtenagentur Reuters gestern die Konsequenzen aus den Manipulationsvorwürfen an Bildern aus dem Libanon gezogen. In einer Mitteilung aus dem Büro der Leiterin der Presseabteilung gibt Reuters die Entfernung aller Bilder des freischaffenden Fotographen Adnan Hajj bekannt, der seit 1993 für die 1851 gegründete Agentur

In mehreren Schritten hat die Londoner Nachrichtenagentur Reuters gestern die Konsequenzen aus den Manipulationsvorwürfen an Bildern aus dem Libanon gezogen. In einer Mitteilung aus dem Büro der Leiterin der Presseabteilung gibt Reuters die Entfernung aller Bilder des freischaffenden Fotographen Adnan Hajj bekannt, der seit 1993 für die 1851 gegründete Agentur arbeitete.

Zudem habe man eine strengere Prozedur für die Bearbeitung von Bildern aus dem Nahostkonflikt beschlossen, teilte Reuters mit. Jedes Photo müsse ab jetzt vom ranghöchsten Redakteur in der Reuters Bildagentur überprüft werden, bevor es verbreitet werde.

Hajj hatte bis zu seiner Kündigung über 900 Bilder verbreitet, 43 davon seit der Entführung von zwei israelischen Soldaten im Juli 2006 durch die libanesische Hisbollah. Nach dem Stand vom 8. August 2006 wurden zwei Bilder manipuliert. Das erste Photo, das zuerst unter der Bildunterschrift

Smoke billows from burning buildings destroyed during an overnight Israeli air raid on Beirut’s suburbs August 5, 2006. Many buildings were flattened during the attack. REUTERS/Adnan Hajj

geführt wurde, enthielt große Anteile “geklonter” Rauchwolken. Einige zusätzliche Manipulationen enthalten geklonte Teile an Gebäuden, um den Grad der Zerstörung in Beirut größer wirken zu lassen.

Das zweite Photo zeigt ein israelisches Kampfflugzeug beim Abschuss von Raketen. Auch hier wurde mit einem Klonwerkzeug die Anzahl der Geschosse erhöht.

Auffällig ist die schlechte handwerkliche Qualität der Manipulationen. In mehreren Weblogs richtet sich die Empörung daher nicht primär gegen den arabischen Fotographen, sondern gegen die Redakteure bei Reuters. Auf hotair.com heißt es daher auch schon gleich in der Überschrift: The worst photoshop I’ve ever seen.

Neben den Manipulationen im Bild selbst rückt zunehmend auch die komplette Berichterstattung von Reuters in den Blickpunkt zahlreicher Blogs. Dazu zählen sich widersprechende Angaben in Bildunterschriften und stets wiederkehrende Personen in den Uniformen von Rettungskräften.

Von der Kritik betroffen ist auch ein Bild von AP, das eine verhüllte Frau zeigt, deren Haus einmal am 22. Juli, später am 5. August zerstört wurde. BBC entfernte kommentarlos das Bild von seiner Nachrichtenseite.

Wie unscharf die Grenze zwischen Nachlässigkeit und bewusster Falschmeldung ist, zeigt das Beispiel eines israelischen Luftangriffes vom Montag auf die Ortschaft Hula. Für mehrere Stunden gaben Agenturen und Nachrichtenseiten übereinstimmend die Zahl von 40 Zivilisten an, die beim Einsturz eines Hauses ums Leben gekommen sein sollten. Später stellte sich diese Zahl als falsch und beleglos heraus.

Adnan Hajj äußerte sich bisher nur teilweise zu den Vorwürfen. Er habe Flecken auf dem Bild und schlechte Lichtverhältnisse korrigieren wollen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Das maipulieren von Bildern aus politischen Gründen gab es seit es die Fotografie gibt. So hatte z.B. Stalin mehrfach in Ungnade gefallene Politiker von offiziellen Fotos wegretuschieren lassen, während des ersten und zweiten Weltkriegs wurde auch gleichmäßig von allen Parteien kräftig retuschiert bzw. ganze Szenen gestellt.

    In beiden Irak Kriegen wurde von den Amerikanern ebenfalls heftigst maipuliert, hier aber weniger durch retuschieren, sondern mehr durch nachstellen, oder durch komplett “gefakte” Filmszenen.

    Nach dem 911 wurden ja auch bezahlte “Jubelpalästinenser” engagiert, um die Stimmung entsprechend aufzuheizen.

    Es wäre ein Wunder, wenn es hier nicht geschähe!