Indiens Kampf gegen Coca Cola

Indiens Oberstgericht fordert von Coca Cola das Unmögliche: Die Hersteller sollen binnen zwei Wochen jene Formel offenlegen, nach der das Getränk zusammengemischt wird. Die Geheimniskrämerei um diese Formel ist in dem Konzern eine alte Tradition. Coca Cola würde sich lieber aus Indien verbannen lassen, als diese Formel zu veröffentlichen. Coca

Coca.jpgIndiens Oberstgericht fordert von Coca Cola das Unmögliche: Die Hersteller sollen binnen zwei Wochen jene Formel offenlegen, nach der das Getränk zusammengemischt wird. Die Geheimniskrämerei um diese Formel ist in dem Konzern eine alte Tradition. Coca Cola würde sich lieber aus Indien verbannen lassen, als diese Formel zu veröffentlichen.

Coca Cola und Pepsi Cola sind in Indien neuerlich unter Beschußss geraten, nachdem ein Wissenschaftsinstitut bei der Untersuchung von Proben mehrere Pestizide in den Getränken gefunden hatte. Wie das “Zentrum für Wissenschaft und Umwelt”(CSE) der “Times of India” mitteilte, habe man in den Getränken unter anderem Heptachlor, Malathion, Lindan und Chlorpyrosis gefunden. Die Mengen der Schadstoffe würde die in Indien zugelassenen Werte um das 30fache übersteigen. Die beiden Konzerne haben erklärt, dass daran die schlechte Qualität des Grundwassers schuld sei.

Einige Abgeordneten des Parlamentes in Neu Delhi schäumten wie ein frisch eingegossenes Coke. Sie forderten ein sofortiges Verbot des Getränkes in ganz Indien. Ebenso müsse die soeben angelaufene Werbekampagne eingestellt werden. Gegen den Filmschauspieler Amir Khan seien als vorrangigen Werbeträger Maßnahmen zu ergreifen.

In einigen Städten des Landes ist es in den letzten Tagen zu Demonstrationen gegen Coca- und Pepsi-Cola gekommen. Hierbei sind tausende Flaschen in festlicher Stimmung auf die Straße geleert worden. Puppen der wichtigsten Werbeträger für Coke wurden öffentlich verbrannt.

Schulkinder versammelten sich zu einem Schwur: “Nie wieder Coca Cola!” Die Bundesstaaten Rajhastan, Punjab, Gujarat und Madhya Pradesh haben die beiden Getränkemarken aus allen Schulen und öffentlichen Ämtern verbannt. Andere Staaten wollen sich dem Kampf gegen Coke anschließen. Die ganze Affäre wurde von der Regierung vor den Obersten Gerichtshof gebracht, der die in Atlanta ansässige Firma zur Preisgabe der legendären Formel zwingen will.

Der Getränkekonzern gibt große Stücke auf die Geheimhaltung jener Zusammensetzung, die Coca Cola den angeblich einzigartigen Geschmack verleiht. So etwa soll nur drei Personen der Konzernspitze diese Formel bekannt sein.

Chemiker haben mit modernen Methoden schon längst alle Ingredienzien feststellen können. Das “Chemie-Lexikon Römpp” zählt sie auf: Es sind dies Wasser, Karamell-Zucker, Kohlensäure, Farbstoffe, Säuerungsmittel und Koffein. Hinzu kommen verschiedene Aromastoffe aus Ingwer, Orangenblätter, Johannisbrot, Limettenschalen und dem Extrakt der Kolanuss. Das Geheimnis bleibt die genaue Mischung dieser verschiedenen Stoffe.

Coca Cola war 1885 von dem Apotheker John Pemperton in Atlanta erstmals zusammengebraut worden. Anfangs enthielt Coca Cola ein wenig Kokain, dessen Gefährlichkeit damals noch nicht bekannt gewesen war. Das Kokain wurde durch einen harmlosen Extrakt aus der Kolanuss ersetzt. Das bräunlich schäumende Getränk trat seinen Siegeszug um die Welt an. Kritiker sprachen von einer “Cocacolonisierung”, da zusammen mit Coke immer auch amerikanischer Lebensstil verbreitet wurde.

In Indien hatte man es von Anfang an sehr schwer. Coca Cola wurde 1978 verbannt und durfte erst nach 15 Jahren zurückkehren. 1993 konnte sich auch der Konkurrent Pepsi Cola in Indien niederlassen. Heute stehen im ganzen Land rund hundert Abfüllfabriken der beiden Konzerne. Sie entziehen der Umgebung das Grundwasser und lassen Brunnen vertrocknen, da zur Produktion von einem Liter Cola neun Liter Wasser notwendig sind. Außerdem sollen die Lizenzfirmen ihre Abfälle nicht richtig entsorgen. Immer wieder kam es vor den Abfüllstationen zu Demonstrationen. Es hat sich ein “Anti Coca Cola Kampfkomitee der Völker”(Coca Cola Virudha Janakeeya Samara Somithy) gebildet, in dem Globalisierungsgegner und betroffene Bauern gemeinsam gegen die beiden Konzerne angetreten sind. Gegen die millionenschwere Werbung werden Gegenstrategien entworfen. Das “Kampfkomitee der Völker” preist traditionsreiche, indische Getränke wie Buttermilch an. Außerdem wird aus Kokosmilch ein neue Produkt entwickelt, das den Namen “Coco Cola” tragen soll.

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