Heftige Worte und Streit mit thailändischen Immigrationsbeamten sollen nach Angaben von Augenzeugen zur Festnahme des Adeligen Prinz Christoph von Hohenlohe (49) im Bangkoker Flughafen geführt haben. Nach mehreren Tagen Haft brach der Sohn Ira von Fürstenbergs zusammen. Er wurde schon im Koma in eine Klinik gebracht, wo er in der Nacht zum 8. August gestorben ist.
Der Mailänder “Corriere de la Sera” und die Turiner “La Stampa“ haben Berichterstatter nach Bangkok entsandt. Beide Journalisten berichteten von einem Wortwechsel Hohenlohes mit den Beamten. Der 49-Jährige habe aus unbekannten Gründen in seinem Pass den Datumsstempel für das Ende seines Visums gefälscht. Das sei den Immigrationsbeamten im Flughafen sofort aufgefallen. Ungeschicktes Verhalten Hohenlohes und sein Unverständnis der thailändischen Mentalität dürften dann zu seiner Verhaftung geführt haben. Lächelnde Beamte in blauen Uniformen hätten ihn dann abgeführt, schrieb Massimo Mumma in der “Stampa.”
Wie sein Bruder Hubertus von Hohenlohe den Medien gegenüber angab, sei Christoph Mitte Juli in Thailand eingereist. Er habe in einer Wellnessklinik in Krabi eine Kur zur Gewichtsreduzierung absolviert. Am 29. Juli habe er nach Hawaii weiter reisen wollen. Da der geplante Flug ausgebucht war, habe er mehrere Tage auf eine andere Verbindung warten müssen. In der Zwischenzeit sei sein Visum abgelaufen. Er habe dann im Pass das Datum seiner Ausreise verändert.
Strenge Reglementierung der Visa
Christoph von Hohenlohe scheint nicht gewusst zu haben, dass die Veränderung eines königlich-thailändischen Amtsvermerkes mit Strafen bis zu sechs Jahren bedroht wird. Touristen in Thailand werden allerdings von allen Seiten, auch von Hotels, Fluglinien und Reisebüros, immer wieder auf die strengen Einreisemodalitäten aufmerksam gemacht. Es ist allgemein bekannt, dass die Immigration eine mächtige Behörde ist, der man mit äußerster Höflichkeit zu begegnen hat.
Normalerweise wird bei Ankunft im Flughafen ein Visum für ein Monat in den Pass gestempelt. Will oder muss man einige Tage länger bleiben, so kann bei der zuständigen Immigrationsbehörde für eine Gebühr von umgerechnet 30 Euro (1500 Baht) eine Verlängerung beantragt werden. Riskanter ist die Möglichkeit, nach Ablauf der Frist und ohne Verlängerung im Flughafen zu erscheinen. Dann liegt eine Gesetzesübertretung vor, die in der Regel von den Beamten mit umgerechnet vier Euro (200 Baht) pro Tag des Überzuges bestraft wird. Die Immigration kann diese Gebühr einheben, muss es aber nicht. Da eine Übertretung vorliegt, liefert sich der Reisende der Willkür der Behörden aus. In einem solchen Fall können laute Worte und Proteste auch nur bei einem Tag Überzug zu einer Verhaftung führen. Eine Änderung des Ablaufdatums wird in jedem Fall sofort entdeckt.
Christoph von Hohenlohe hat sich nach Entdeckung der Fälschung vermutlich nicht richtig verhalten. Er wurde festgenommen und in das berüchtigte Gefängnis von Bang Kwang nach Nonthaburi gebracht. Über sein Handy konnte er Freunde alarmieren, die die Familie in Europa benachrichtigten. Ira von Fürstenberg und ihr Sohn Hubertus flogen sofort nach Bangkok. Sie durften den Gefangenen besuchen. Mit Entsetzen stellten sie fest, dass Christoph bei glühender Hitze in einer Zelle zusammen mit vierzig Häftlingen untergebracht war.
Ira und ihr Sohn setzten alle Hebel in Bewegung, um Christoph gegen Kaution freizubekommen, doch der zuständige Richter lehnte ab. Die Botschaften Italiens und der Schweiz intervenierten ebenfalls vergeblich. Nach mehreren Tagen Haft fiel Hohenlohe in ein Koma und blieb vier Stunden ohne Hilfe in seiner Zelle liegen. Erst dann wurde er in ein Krankenhaus überstellt, konnte aber dort nicht mehr gerettet werden.
Die Ärzte wollen einen dreifach überhöhten Zuckerspiegel festgestellt haben. Durch die vorausgegangene Hungerkur und die Verhaftung könnte es zu einem Schock gekommen sein. Dann wieder war von einer schnell fortschreitenden Infektion als Todesursache die Rede.
Tatsache ist, dass in Bang Kwang immer wieder Häftlinge aus ungeklärten Ursachen sterben. Europäische Botschaften müssen verurteilte Staatsangehörige mit Vitaminen und Zusatznahrung versorgen, damit sie am Leben bleiben.
Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Christoph von Hohenlohe nicht gegen Kaution freigelassen wurde. Andere Länder – andere Gesetze – okay. Aber Chr. v. Hohenlohe hat mit Sicherheit nicht gewusst, welche Grenzen er da überschritten hat, als er sein Visum verlängerte – und da müsste ein zuständiger Richter doch zumindest eine Kaution gelten lassen. Egal ob es sich um einen Adligen handelt oder um einen Pauschaltouristen. Immerhin lebt Thailand vom Tourismus.
Man liest immer wieder, dass Ausländer verhaftet und inhaftiert wurden – unter unmenschlichen Bedingungen – schlecht behandelt werden usw. Darum verstehe ich nicht, warum so viele Leute dort Urlaub machen. Man müsste das Land boykottieren – keinen Urlaub mehr dort machen und erst wieder dorthin fahren, wenn auch die eigene Bevölkerung unter menschenwürdigen Bedingungen leben kann – und es solche Gefängnisse wie in Bang Kwang nicht mehr gibt.
Es gibt soviel schöne Plätze auf der Welt — warum kann man die Länder, die unmenschlich handeln und behandeln nicht einfach meiden? Thailand muss wunderschön sein — ich würde nie hinfahren – wie in viele andere Länder (aus vorgenannten Gründen) auch nicht.
Der tragische Tod von Christoph v. Hohenlohe tut mir unendlich leid – besonders für die faszinierende Ira von Fürstenberg. Nach außen hin schillernde Figur des Jet-Sets – aber sehr viele Lebenshürden und auch Schicksalsschläge, die sie zu bewältigen hatte – und jetzt der schwierigste, traurigste Weg; nämlich, ihren eigenen Sohn zu beerdigen.
Hoffentlich kann sie und ihr zweiter Sohn die wahren Umstände aufklären und auch etwas bewirken hinsichtlich der Behandlung von Gefangenen in Thailand.