Technorati

Was dem gemeinen User sein “Google”, ist dem Blogger Technorati. Die Suchmaschine für alle in der Blogosphäre diskutierten Themen und selbstreferentielles Tool für die Frage “Spieglein, Spieglein an der Wand, wer diskutiert meine Beiträge im ganzen Land?”. Bei mittlerweile über 50 Millionen indexierten Blogs mit mehr als 1,2 Millionen täglich

Was dem gemeinen User sein “Google”, ist dem Blogger Technorati. Die Suchmaschine für alle in der Blogosphäre diskutierten Themen und selbstreferentielles Tool für die Frage “Spieglein, Spieglein an der Wand, wer diskutiert meine Beiträge im ganzen Land?”. Bei mittlerweile über 50 Millionen indexierten Blogs mit mehr als 1,2 Millionen täglich veröffentlichten Beiträgen ist es kein leichtes Unterfangen, der Datenflut Herr zu werden.

2002 vom kalifornischen IT-Unternehmer David Sifry, u.a. früheres Vorstandsmitglied von “Linux International” mit Sitz in San Francisco gegründet, finanziert sich “Technorati” vorwiegend über Werbung, fiel in jüngster Zeit aber auch durch spektakuläre Deals mit Associated Press (AP), wie zuvor mit der “Washington Post” und “Newsweek” auf und dürfte damit sowohl neue Geschäftsfelder als auch Einnahmequellen generieren. Geliefert werden die Links von Blogs, die sich auf AP-Meldungen beziehen. Diese werden von der Nachrichtenagentur zusammen mit den News wiederum an ihre zahlende Klientel weitergegeben, wohl in der Absicht, die Quelle mit der Diskussion zu verbinden. Selbst in der englischsprachigen Online-Ausgabe des “Spiegel” ist “Technorati” integriert.

Der Erfolg gegenüber den klassischen Internet-Suchmaschinen besteht vor allem darin, dass nicht selbständig nach neuen Inhalten gesucht wird, sondern die Blogger bei Veröffentlichung eines neuen Beitrags “Technorati” mit einer automatisierten Nachricht (“Ping”) informieren. So sind die meisten Artikel bereits nach wenigen Minuten auffindbar. Mittlerweile hat aber auch Goliath mit einer eigenen Blog-Suchmaschine wie in so vielen Bereichen des Web 2.0, nachgezogen. Nach dem kürzlich vollzogenen Relaunch erblickt man auf der Startseite neben Ausschnitten aus Beiträgen der “Top Blogs” zunächst eine Liste mit den häufigsten Themen, nach denen gesucht wurde. Oftmals sind es die Nachrichten des aktuellen Weltgeschehens, die bspw. durch Begriffe wie “Heathrow” oder “Israel” gekennzeichnet sind. Beim Anklicken erhält man eine Übersicht über jene Blogs, in denen entsprechende Wörter auftauchen. Genauso verhält es sich bei den meistbenutzten Tags, also jenen Schlagworten mit denen ein Autor seinen Text zu charakterisieren versucht. Nun gibt es auch die Möglichkeit als Member persönliche Favoriten anzulegen und zahlreiche weitere Features, die rasch mittels Video erklärt werden.

Kernstück bleiben aber natürlich individuelle Suchanfragen, die in den drei vorgegeben Kategorien “Blog Posts”, “Tags” und “Blog Directory” getätigt werden können. In den ersten beiden sucht man nach Begriffen, Namen oder eben Tags, die einen interessieren. Die dritte ermöglicht es sogar ganze Blogs zu finden, die als Autorität zu bestimmten Themen eingestuft wurden, zeigt aber auch unter Eingabe der vollständigen URL eines Blogs die Anzahl der Verlinkungen an. Diese sind wiederum maßgebliches Kriterium für die Ermittlung der weltweit populärsten Blogs.

Hierbei zeigt sich das Problem der ausschließlich internationalen Ausrichtung von „Technorati“, denn gerade einmal ein Prozent der Veröffentlichungen sind deutschsprachig und fallen gegenüber den japanisch-, englisch- und chinesischsprachigen Blogs kaum ins Gewicht. xungjilei ist also Autor des momentan populärsten Blogs. Dumm nur, dass man vor lauter Fragezeichen den asiatischen Wald nicht mehr sehen kann. Solange also noch keine angedachte deutschsprachige Benutzeroberfläche in die Tat umgesetzt wurde, wird Jens Schröder, besser bekannt als popkulturjunkie, wohl weiterhin allwöchentlich die manuell ausgefilterten “Deutschen Blog Charts” auf Basis der von „Technorati“ ermittelten Verlinkungszahlen veröffentlichen „müssen“.

Kommentare

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  1. Die deutschen Blog Charts sind sicherlich hilfreich, da technorati im Augenblick an verschiedenen Stellen seine Probleme hat.

    Zum Einen dauert es teilweise sehr lange, bis technorati bei einzelnen Blogs vorbeikommt. Zum Anderen werden Blogs, obwohl sie in den Verlinkungen anderer Blogs erkannt werden, bei der Suche einfach als “unbekannt” eingestuft und zum Dritten hat technorati beim Zählen oftmals sein Probleme, die Jens Schröder wohl wirklich manuell auszugleichen versucht.

    Trotzdem bleibt bis auf weiteres Technorati eine wichtige Informationsquelle, auch wenn ich manchmal den Eindruck habe, dass sich technorati als der Nabel der Welt sieht, wenn man das Blog von David Sifry liest, der von technorati einfach auf die Gesamtbloggerzahlen schliesst.

    Andererseits wissen viele Blogger gar nicht um technorati und bekommen gar nicht mit, dass ihre Bloggingsoftware ein “Ping” an technorati und andere Ping-Server im Netz verschickt.