Libanon als “Probelauf” für den Iran

Die Bombardierung des Libanons durch Israels Flugzeuge sei ein Probelauf für die geplanten Luftangriffe der USA gegen iranische Atomanlagen gewesen. Da die Bunker der Hisbollah nach Beratung durch iranische Techniker erbaut worden seien, hätten sich die USA Aufschlüsse über Ziele im Iran erwartet. Durch das Scheitern Israels sei die USA-Führung

Libanon.jpgDie Bombardierung des Libanons durch Israels Flugzeuge sei ein Probelauf für die geplanten Luftangriffe der USA gegen iranische Atomanlagen gewesen. Da die Bunker der Hisbollah nach Beratung durch iranische Techniker erbaut worden seien, hätten sich die USA Aufschlüsse über Ziele im Iran erwartet. Durch das Scheitern Israels sei die USA-Führung unsicher und gespalten. Die bereits im Detail geplante Bombardierung der iranischen Atomanlagen solle vorerst nicht erfolgen. Mehrere Quellen mit Geheimdienst-Hintergrund berichten detailreich über einen Zusammenhang zwischen Libanon und dem Iran. Führend hierbei ist Seymour Hersh (Hauptwerk: “The Dark Side of Camelot”), der im “New Yorker” vom 21.8. die Hintergründe aufzeigte.

Demnach seien die USA bei der Planung der israelischen Luftangriffe “closely involved” (eng mit eingebunden) gewesen. Lange vor dem 12. Juli habe es einen regen Austausch von Plänen und Informationen zwischen der israelischen und amerikanischen Luftwaffe gegeben. Der israelische Geheimdienst habe die USA auch über das Arsenal der Raketen informiert, die der Iran der Hisbollah geliefert habe: Etwa 12.000 Kurzstreckenraketen, 500 Mittelstreckenraketen der Type “Fajr 3 und 5″, sowie mehrere Dutzend “Zelzal”-Raketen mit einer Reichweite von 200 km und damit bis nach Tel Aviv.

Das Weiße Haus hätte nun der Hisbollah diese Raketen nehmen wollen, damit man sie bei einem eventuellen Luftschlag gegen den Iran nicht als Vergeltungswaffe hätte einsetzen können. Wörtlich: “If there was to be a military option against Iran….(we) had to get rid the weapons Hisbollah could use in a potential retalitation…”. Weiter: “Everybody knows that Iranian engineers have been advising Hisbollah on tunnels and underground gun emplacement.” Die iranischen Ingenieure hätten nicht nur die Hisbollah über Tunnels und Schutz durch Stahlbeton beraten, sie hätten in ihrer Heimat die wichtigsten Einrichtungen der Atomanlagen in Felsenhöhlen untergebracht. Die USA hätten seit dem Jugoslawienkrieg Bunker Buster Bombs entwickelt, worauf potentielle Feinde ihre “Wertsachen” noch tiefer im Fels verborgen hätten.

Die Luftwaffen Israels und der USA hätten schon lange auf einen Anlass für einen “Probelauf” gewartet. Israels “Unit 8200″ soll Moslemführer abgehört haben, als sie sich auf eine Eskalation einigten. Auf die Entführung von zwei israelischen Soldaten am 12.7. sei dann völlig unverhältnismäßig und mit katastrophalen Folgen reagiert worden. Der frühere Premier Ariel Sharon hätte trotz Drucks der USA deswegen nie einen Luftkrieg angefangen. Israels Generalstabschef Dan Halutz soll laut Hersh auch die Rolle Israels bei einem gemeinsamen Luftangriff gegen den Iran ausgearbeitet haben. Als Luftwaffengeneral soll er die Zerstörung der Hisbollah als eine Sache von wenigen Tagen angesehen und den Vormarsch zu Land völlig vernachlässigt haben.

Israels Soldaten sei das Wasser ausgegangen, schreibt die Agentur AP am 18.6. aus Metulla. Sie hätten das Wasser gefallener Feinde und aus Wassertrögen für Tiere trinken müssen. Einige Soldaten seien wegen langsamer Sanität verblutet. Es ist das erste Mal in der Geschichte Israels, dass solche Nachrichten von Kampfplätzen eintreffen.

Ein Geheimdienstmitarbeiter soll Hersh gegenüber erklärt haben: “Lebanon can serve as a prelude to a potential preemptive attack to destroy Irans nuclear installations, some of which are also buried deep underground.” ( Libanon kann als ein Vorspiel für einen möglichen, vorbeugenden Angriff gegen iranische Atomanlagen dienen, von denen einige auch tief unter der Erde begraben sind).

In den USA sind es laut Hersh vor allem Vizepräsident Dick Cheney und Sicherheitsberater Elliot Abrams gewesen, die Israel zur Eile gedrängt hatten: “The longer You wait, the less time we have to evaluate and plan for Iran before Bush gets out of office.” (Je länger Sie warten, umso weniger Zeit haben wir, um gegen den Iran zu planen, befor Bush aus dem Amt geht). Cheney soll gesagt haben: “Wir können für unsere Pläne im Iran lernen, indem wir zuschauen, was die Israelis im Libanon tun.”

Der frühere Vizeaußenminister Richard Armitage wird von Hersh zitiert: “Libanon ist ein Spiegelbild dessen, was die USA für den Iran planen….Libanon kann aber auch eine Warnung für das Weiße Haus und seine iranischen Pläne sein. (Lebanon is a mirror image of what the USA have been planning for Iran….Lebanon may serve as a warning to the White House about Iran).”

Der Krieg im Libanon hat weitreichende Folgen. Die US-Führung ist gespalten. Der von Luftwaffensimulator und Ex-General Sam Gardiner im “Atlantic Monthly” genau gespielte Angriff auf den Iran ist nun wegen wachsenden Widerstandes der US-Armee und der Marine nicht mehr durchführbar. Israels Generalstabschef Dan Halutz ist entlassen worden. Israels Premier Olmert und seine Verteidigungsminister Peretz stehen als Stümper da. Eine Militärkommission untersucht die Mängel und Unterlassungen beim Landvorstoß in den Südlibanon.

Hisbollah-Führer Nasrallah ist zum “Rockstar” der moslemischen Welt geworden. Und der neuerlich gestärkte Iran kann das Ultimatum des Weltsicherheitsrates zur Atomfrage am 31.8. im Getöse seiner Militärmanöver verstreichen lassen.

Kommentare

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  1. na ja, da kann man ja froh sein, dass das so gründlich in die Hose ging! Das zu erwartende Desaster bei einem Angriff auf den Iran hätte völlig unabsehbare Folgen gehabt. Die religiös motivierten Fundamentalisten aus den USA arbeiten ja offensichtlich auf einen dritten Weltkrieg hin, um den biblischen “Prophezeiungen” als Erfüllungsgehilfe zu dienen.

    Das bei dem “Test” hunderte von Menschen starben, zeigt schon von einer verbrecherischen Grundhaltung.

    http://www.readers-edition.de/2006/08/18/christliche-fundamentalisten-ruesten-fuer-den-endkampf/

    Man kann nur hoffen, dass nach Bush nicht ein weiterer dieser “Heilsbringer” erscheint, sondern die Probleme in Nahost, insbesondere das Leiden der Palästinenser, mal energisch ohne imperialistischen Größenwahn angegangen und die israelischen Hardliner kaltgestellt werden um einer echten Friedenspolitik eine Chance zu geben. Die Iranproblematik kann nur zivil, nicht militärisch gelöst werden.