CIA Geheimflüge enthüllt - nicht vom Staat sondern von Weblogbetreiber

Artikel von stephan fuchs vom 06.09.2006, 12:34 Uhr im Ressort Politik, Web & Technik | 35 Comments

Wird man in einigen Jahren das Kapitel der als Folterjets bekannt gewordenen und im geheimen operierenden Flugzeuge aufschlagen, dann dürfte ein Weblogbetreiber maßgebliches zur Aufdeckung und Archivierung der klandestinen Operationen beigetragen haben. Das Weblog [1] World.Content.News von Helmut Küfner hat geschafft, was Regierungen in ganz Europa lieber unter den Tisch gekehrt hätten: Die nahezu lückenlose Präsentation jener Flugzeuge, die terrorverdächtige Personen in so genannte Black Sites geflogen haben. Dort wurden laut [2] Amnesty International hunderte Menschen gefoltert und verhört.

Küfner hat auf eigene Faust recherchiert und präsentiert nach monatelangen Nachforschungen 464 Landungsdaten von insgesamt 50 Flugzeugen: Mit Flugzeugnummer, Betreiber/Eigentümer, Datum der Landung und Ort. Dabei besonders interessant: Oft konnten die Herkunft der Flugzeuge, ihre Flugrouten sowie ihr eigentliches Ziel nachvollzogen werden. Dabei behält Küfner seine Vorgehensweise nicht geheim und schreibt: „Untersucht wurden die [3] Flugbewegungen aller Flugzeuge, die öffentlich in den Verdacht einer möglichen CIA-Zugehörigkeit geraten sind oder deren Eigentümer der Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst bezichtigt werden. Bis auf eine Ausnahme wurden nur solche Registriernummern berücksichtigt, die von Parlamenten (Europaparlament, Parlament Dänemark, Regionalparlament Schottland), von Flugaufsichtsbehörden (Eurocontrol, CRCO, CAA Island) oder von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International als vermutlich CIA-zugehörig eingestuft wurden.“ Ein großes Stück Arbeit und Fingerspitzengefühl bei der Offenlegung der Jets, die den Geheimdiensten lieber verborgen geblieben wäre.

“In dieser Geschichte ist offensichtlich, dass die Regierungen vieler Länder einfach nichts sagen wollen”, sagt der vom Europarat beauftragte schweizer Ermittler Dick Marty gegenüber der Presse. „Sie versteckten sich hinter angeblichen Staatsgeheimnissen und Sicherheitsinteressen.“ Marty vermutet im schweizer [4] Sonntagsblick gar, dass er selber Ziel der CIA sein könnte.

Den Geheimdiensten Europas könnte die Recherchearbeit Küfners peinlich werden, denn noch immer weigern sich Dienste, Details über Flugbewegungen der klandestinen Geheimoperation über europäischem Boden preiszugeben. Emotionslos und frei von Wertungen präsentiert Küfner die Daten als entlarvende Fakten.

Schrecken, Blut & Drogen

Was Küfner sammelte, sind die Daten eines Verbrechens. Die Spur einer geheimen Operation. Wie das bekannteste deutsche Opfer libanesischer Abstammung, Khaled al-Masri, oder der in Mailand Entführte [5] Abu Omar behaupten, wurden sie geschlagen und mit Drogen vollgepumpt.

Es ist vielleicht falsch, einen Vergleich zu den Schrecken der Konzentrationslager zu ziehen, der Schrecken ist nicht vergleichbar. Vergleichbar indes ist, dass wir das Wissen hatten und vergleichbar ist, dass Geheimdienste das Wissen leugnen. Offensichtlich braucht es Menschen wie den Weblogbetreiber Helmut Küfner, um Verbrechen aufdecken zu helfen.

Mutig, dass es Menschen gibt, die trotz all der Schwierigkeiten eine enorme Leistung erbringen, finanzielle Einbußen in Kauf nehmen und Monate lang ihre Familien vertrösten müssen, um die Spur eines großen Staats-Verbrechens zu dokumentieren. Ihnen gebührt großer Dank und größter Respekt.


Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de

Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2006/09/06/cia-geheimfluege-enthuellt-nicht-vom-staat-sondern-von-weblogbetreiber/

Links im Artikel:
[1] World.Content.News : http://worldcontent.twoday.net/
[2] Amnesty International: http://web.amnesty.org/library/index/ENGAMR510512006
[3] Flugbewegungen: http://members.aol.com/softlabhennef/cia_flights/cia_germany.htm
[4] Sonntagsblick: http://www.blick.ch/sonntagsblick/aktuell/artikel29514
[5] Abu Omar: http://www.amnesty.at/eu-sanktionen/aktion_0206.htm

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