Schlank um jeden Preis - Kommentar

- Victoria Beckham (Foto: dpa)
Es verwundert angesichts des jüngst veröffentlichten aktuellen Gesundheitsberichts, erstellt im Auftrag des zuständigen Bundesministeriums, natürlich nicht, dass Schlanksein längst zum Idealbild unserer Wohlstandsgesellschaft auserkoren wurde. Zwar wird uns eine steigende Lebenserwartung und prinzipiell gute Gesundheit konstatiert, aber eben auch, dass wir schlicht zu dick sind, uns zu wenig bewegen und zu viel Alkohol konsumieren. Erstmals soll es nun auch mehr übergewichtige und fette Menschen als unterernährte geben.Es wäre also wünschenswert, eine gesündere und ausgewogenere Ernährung anzustreben, im Idealfall ergänzt durch ein wenig sportliche Betätigung. Leider wird auch ein solches Unterfangen längst durch ein anderes Extrem, vorgelebt von einigen vermeintlichen Stilikonen, pervertiert und gerade von jungen Mädchen imitiert.Victoria Beckhams Jeansumfang beträgt 58,5cm - der ihres siebenjährigen Sohnes auch. Das entspricht der momentan trendigen Kleidergröße 0! Keira Knightley wurde bei der sonst allgefälligen Pressekonferenz ihres jüngsten Kinofilms “Pirates of the Caribbean II” von einem besorgten Journalisten danach gefragt, ob sie denn magersüchtig sei? Ein Umstand, der offensichtlich zu sein scheint und dennoch von nahezu allen Frauenzeitschriften geflissentlich ignoriert wird. Zögerten die Redaktionen doch nicht, das Porträt der Schauspielerin gleich dutzendfach auf die Titelbilder zu hieven, am besten noch versehen mit den neuesten Diättips.
Hilflos, wenngleich löblich, wirken hingegen Versuche wie die der Madrider Bezirksregierung, ein Auftrittsverbot für so genannte “Hunger-Models” einzuführen. Betroffene gehören zunächst einmal in ärztliche Behandlung und müssen individuell betreut werden. Dennoch erblicke wohl nicht nur ich hier ein gravierendes gesellschaftliches Problem, das mittlerweile auch die Marketingabteilungen großer Firmen erreicht zu haben scheint.

- www.initiativefuerwahreschoenheit.de (screenshot)
Bekannt wurde das so genannte “Cause Related Marketing” in Deutschland vor allem durch die “Krombacher Regenwald Kampagne”. Nun erblickte ich unlängst eine vom Unilever-Konzern ins Leben gerufene “Initiative für wahre Schönheit”, die in direkter Verbindung mit ihrer “Dove-Kosmetikreihe” steht. Letztere fiel schon durch Kampagnen auf, in der endlich normalgewichtige Durchschnittsfrauen für das Produkt warben. Mit Hilfe des Präventionsprogramms “Body Talk” will der Konzern gemeinsam mit dem “Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen” in Schulworkshops durch gezielte Aufklärungsarbeit das Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen aufbauen und stärken.
Trotz der aufgezeigten gesellschaftlichen Notwendigkeit einer solchen Initiative bleibt der schale Beigeschmack eines auf Kosten Betroffener.










