Es hatte alles so schön ausgesehen. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld – als Nachfolger von Heinrich von Pierer erst frisch im Amt – war ein Coup gelungen. Er hatte 2005 die kränkelnde Handy-Sparte von Siemens an BenQ losschlagen können – auch wenn die ganze Operation dem Käufer noch mit ein paar Millionen versüßt werden musste. Man war das finanzielle Risiko einer umfassenden Sanierung und die Probleme ansonsten hoher Abfindungen der rund 3000 Beschäftigten los. So dachte man.
Nun ist alles anders gekommen. BenQ war entweder nicht Willens oder nicht in der Lage, ein hoch defizitäres Handy-Geschäft – wie es letztendlich die Handy-Sparte von Siemens darstellte – mit eigenem Management und finanziellen Mitteln zu sanieren.
Mithin blieb aus Sicht des Managements von BenQ nur ein Ende mit Schrecken – die Insolvenz -, die einmal beschlossen noch durch Asset Stripping, d.h. den Transfer der noch werthaltigen Patente und Lizenzen in eine rechtlich unabhängige Gesellschaft, den finanziellen Schaden für BenQ in Grenzen halten sollte.
Der Insolvenzverwalter wird bei diesem Vorgehen zu prüfen haben, ob nicht durch Konkursverschleppung und Transfer von Vermögenswerten aus der Insolvenzmasse zum Schaden der Gläubiger insbesondere der betroffenen Arbeitnehmer hier auch strafrechtliche Tatbestände vorliegen könnten.
Die von den Siemens-Managern jetzt verkündete Überraschung über die jetzt eingetretene Entwicklung besitzt wenig Glaubwürdigkeit.
Es war ja gerade das Shareholder-Prinzip, schlechte Ertragsrisiken im Konzern abzustoßen, das sie zu ihrem Handeln angetrieben hat. Als Lohn winkte ja nicht zuletzt eine kräftige Prämie in Form von Gehaltserhöhungen von 30%. Wie heißt es so schön: Operation gelungen, Patient tot. Leider hat jetzt der Druck der öffentlichen Meinung angesichts dieser Strategie eine Krise bei Siemens ausgelöst, so dass man sich zum Verzicht auf die Gehalterhöhung von 30% genötigt sah.
Ob die Politik den Patienten, der schon im Koma auf der Intensivstation liegt, noch reanimieren kann, bleibt abzuwarten. Es dürfte – sollte dies gelingen – den Steuerzahler teuer zu stehen kommen, denn billig wird das Ganze nicht. Da es derzeit an einer glaubwürdigen Perspektive für die ehemalige Handy-Sparte von Siemens fehlt – es fehlt an konkurrenzfähigen Produkten in einem in Deutschland weitgehend gesättigten Markt – kann der Staat in Gestalt der Landesregierungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen nur Hilfsdienste bei der Beerdigung leisten.
Der Trost wird voraussichtlich in einer besseren finanziellen Abfindung der betroffenen Arbeitnehmer bestehen und der wagen Möglichkeit, sie in andere Beschäftigungsverhältnisse rascher zu integrieren. An eine Renaissance der Handy-Fertigung in Deutschland glaubt im Ernst niemand mehr. Hierzu fehlt es an einem innovationspolitisch überzeugenden Konzept wie die weltweit kriselnde Telekommunikationsbranche nachhaltig in Deutschland wieder flott gemacht werden kann.
Die Fusion der Festnetzsparte von Siemens mit Nokia oder der drastische Personalabbau bei der Deutschen Telekom – derzeit dürfen sich 70.000 T-Com-Mitarbeiter für ihre Stelle neu bewerben – werden die nächsten Problemfälle hinsichtlich einer drastischen Freisetzung von Beschäftigten sein. Diese hatten alle bisher an eine gleichsam beamtenmäßige Sicherheit einer lebenslangen Beschäftigung innerhalb eines Weltkonzern geglaubt. Nun werden sie voraussichtlich ab dem kommenden Jahr 2007 in die soziale Kälte der Hartz-Gesetze entlassen.
Die Ministerpräsidenten Stoiber und Rüttgers können – wie auch die Bundesregierung – schon mal einen Krisenstab einrichten, der sich dann auch dieser weiteren Problemfälle annimmt.
Manch einem CDU/CSU-Politiker wird es dann wie Hohn im Ohr klingen, wenn man ihn an seinen Wahlkampfspruch – „das ist ja wie bei Holzmann“ – aus dem letzten Bundestagswahlkampf erinnert, mit dem er den Versuch der damaligen Bundesregierung quittierte, als diese sich mit dem Problem Mobilcom auseinander zu setzen hatte.
Nun steht man ebenso ratlos vor dem Problem, Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, die aufgrund von gravierenden Managementfehlern in der Vergangenheit ihre Zukunftsfähigkeit verloren haben.
ein endlich mal sachlicher Artikel zu der Misere, der die Fakten nennt. Man hat in der Vergangenheit, d.h. im Handyboom der Neunziger versäumt die Nr. 1 oder 2 oder wenigstens 3 zu werden. Das Sterben kommt für die Nachrangigen bei Abflachen des Marktes dann auf leisen Sohlen. Ohne ein trendiges Produktwunder ( Apple IPOD, Motorola Razr) aber unaufhaltsam. Die SIEMENS AG hat das schon irgendwann in den letzten Jahren verstanden, daß sie einen sterbenden Patienten hat, den keiner mehr dauerhaft gesund machen kann.
Einschläfern und die Schließungskosten tragen ? Es wäre ehrlich gewesen, hätte den entschädigten Mitarbeitern mehr geholfen als das was jetzt zu kommen droht. Aber vor 1, 2 Jahren war sowas noch derart unpopulär, daß jedermann fälschlicherweise besser gewußt hätte, daß die SIEMENS Handys zu retten seien und man doch keine 3000 Leute arbeitslos machen darf. Und Manager machen nicht gerne unpopuläre Sachen. Und so kam es, daß man doppelt soviel Geld wie die Abfindungskosten betragen hätten lieber in einem nicht erfolgversprechenden verlogenen Sanierungsversuch investierte. Nun jetzt ist die Zeit reif, daß man über Schließung reden darf. Ein läppischer Cash Burn Betrag von halber Jahresdauer, also 500 Millionen Euro in den Entschädigungstopf sollten das Problem doch nun lösen und man könnte den SIEMENS Managern dann bescheinigen sich doch noch einigermaßen ehrenhaft verabschiedet zu haben. Die 35 Mio Kosmetik sind noch keine Lösung. Aber auch die Politik sollte Sachbeiträge leisten. Mit Diffamierung von den Taiwanesen, die das Unmögliche nicht geschafft haben lös die Politik das Problem nicht.