Jackpot bringt Tipper um den Verstand

Bis weit auf die Strasse stehen Kunden vor dem Zeitschriftenladen im Berliner Südwesten an. Noch in letzter Sekunde wollen Spätentschlossene einen Tipp abgeben, um den Lotto-Jackpot zu knacken. Die gewaltige Summe reizt viele, die noch nie in ihrem Leben gespielt haben, erstmals ihr Glück zu versuchen. Bei kleinem Einsatz lockt

Lotto JackpotBis weit auf die Strasse stehen Kunden vor dem Zeitschriftenladen im Berliner Südwesten an. Noch in letzter Sekunde wollen Spätentschlossene einen Tipp abgeben, um den Lotto-Jackpot zu knacken. Die gewaltige Summe reizt viele, die noch nie in ihrem Leben gespielt haben, erstmals ihr Glück zu versuchen. Bei kleinem Einsatz lockt gewaltiger Gewinn: 35 Millionen Euro sind mittlerweile aufgelaufen.

Es dauert eine Weile, bis die Schlange der Wartenden in den Laden von Michael Fleischer am Steglitzer Damm 97 vorgerückt ist. Drinnen ist die Hölle los. Kunden suchen Formulare und betteln um Kugelschreiber. Vor der Lotto-Kasse stehen diejenigen an, die ihren Tippschein bereits ausgefüllt haben. Aber welches Formular ist das Richtige? Die meisten derjenigen, die um die Plexiglasboxen mit den Lottoscheinen herum stehen, haben keinen Schimmer. Nur ein kleines Mädchen weiß Bescheid und empfiehlt: „Du musst den Zettel mit dem schwarzen Aufdruck nehmen und sechs Kreuze in jedes Feld machen!“ – Dankeschön!

Zwölf Felder sind jeweils sechs Mal anzukreuzen, wenn der gesamte Schein ausgefüllt werden soll. In diesem Laden ist niemand, der nicht das volle Programm mitmacht und eine Chance auslässt. Eine ältere Dame schaut den Tippern über die Schulter und erzählt, sie habe letzte Woche zehn Euro gewonnen und spiele seitdem regelmäßig. „Sie müssen den Sonnabend ankreuzen,“ hilft sie weiter und informiert, dass jedes der zwölf Spielfelder 75 Cent koste. Das klingt erschwinglich.

Was ist mit den Feldern „Super 6“ und „Spiel 77“? – Die Seniorin zuckt die Achseln. Was soll der Geiz, die Anwesenden kreuzen alles an. Gemeinsam wird gescherzt, es werden Zahlenkombinationen empfohlen, man wünscht sich gegenseitig Glück. Die meisten setzten auf ihre Geburtsdaten und auf Schnapszahlen. Der Wahnsinn um den größten Jackpot aller Zeiten schafft selbst in der großen Stadt Kiezatmosphäre.

„Seit Freitag ist hier der Teufel los,“ meint Geschäftsinhaber Michael Fleischer, „die Leute tippen wie wild.“ Inzwischen ist das Silbergeld ausgegangen, und die Leute beginnen, untereinander Geld zu wechseln. „Heute schließen wir eigentlich um 13 Uhr, aber wenn es so weiter geht, lassen wir den Laden auf,“ meint der Geschäftsmann. 11,95 kostet der komplette Tippschein mit „Super 6“ und „Spiel 77“. Dafür lockt Deutschlands größter Jackpot!

Der sich seit dem 30. August aufbauende Jackpot konnte in den letzten elf aufeinander folgenden Ziehungen nicht geknackt werden. Fällt er auch in den folgenden Ziehungen nicht, kann er bis zur 14. Ziehung am 14. Oktober weiter wachsen. In der 15. Ziehung wird jedoch gemäß den Teilnahmebedingungen des Deutschen Lotto- und Totoblocks eine Zwangsausschüttung auf die nächst niedere Gewinnklasse vorgenommen. Die Jackpotsumme würde dann unter allen Gewinnern der Klasse 2 (6 Richtige) aufgeteilt.

Heute Abend jedenfalls werden Millionen vor den Fernsehgeräten lauern, gebannt die Ziffern notieren und darauf hoffen, Millionär zu werden.

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