Immer Ärger mit den Eliten – Ein Kommentar

Die Würfel sind gefallen und die Sieger aus dem Exzellenzwettbewerb sind gekürt worden. Die Sieger schlagen sich anerkennend auf die Schultern und lassen die Champagnerkorken knallen. Die Verlierer blicken neidvoll auf die Sieger und kritisieren das Entscheidungsverfahren der Juroren. Die Politik insbesondere aus dem Norden, Westen und Osten fühlt sich

EliteunisDie Würfel sind gefallen und die Sieger aus dem Exzellenzwettbewerb sind gekürt worden. Die Sieger schlagen sich anerkennend auf die Schultern und lassen die Champagnerkorken knallen. Die Verlierer blicken neidvoll auf die Sieger und kritisieren das Entscheidungsverfahren der Juroren. Die Politik insbesondere aus dem Norden, Westen und Osten fühlt sich übergangen, da die regionale Streuung der Sieger ein klares Übergewicht im Süden erkennen lässt. Es ist nach Ansicht vieler Beobachter zu wenig auf die regionale Ausgewogenheit geachtet worden.

Nun man hat einen Leistungswettbewerb unter Kontrolle ausländischer Experten und Wissenschaftler gewollt. Man wird jetzt die entsprechenden Folgen zu tragen haben. Es ist keine Überraschung, dass die reichen Bundesländer des Südens sich auch sehr viel intensiver um die finanzielle Förderung ihrer Hochschulen gekümmert haben. Während beispielsweise in Berlin fast jede dritte Hochschullehrerstelle eingespart wird und die Universitäten unter den wachsender Sparzwängen ächzen, wurde in München und Stuttgart von den dortigen Landesregierung die Bildungs- und Forschungsförderung intensiver und mit mehr Mitteln systematischer betrieben als anderswo in der Republik. Das hat nun auch Folgen.

Mit der Exzellenzinitiative wird jetzt eine positive Diskriminierung der leistungsstarken Universitäts- und Forschungseinrichtungen betrieben, um die unerlässliche Konzentration der Kräfte in Deutschland zu erreichen. Im zunehmend globalen Wettbewerb um Spitzenforschung ist diese Entwicklung unverzichtbar.

Das Jammern der Politik und der Universitäten, die nicht den erhofften Erfolg erzielt haben, sollte stattdessen positive Leistungsanreize bei den beteiligten Akteuren freisetzen. Es geht ja bei dem heterogenen Spektrum an Forschungsfeldern, die miteinander um knappe Forschungsmittel konkurrieren, ja auch um strategische forschungspolitische Ausrichtungen. Es ist den südlichen Bundesländern gelungen, insbesondere in den Bereichen Bio- Nanotechnologie und Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. Im Bereich der Life Sciences sind die Kompetenzen breiter gestreut.[1]

Nun sind die 21 Mio. € auf fünf Jahre pro Spitzenuniversität keine Summe, die andere Konkurrenten aufgrund der finanziellen Zuwendungen aussichtslos zurückwerfen müsste, aber sie schafft doch eine nachhaltige Asymmetrie, wenn sie klug von den geförderten Einrichtungen genutzt werden, die bestehende Wettbewerbsvorteile auf diesen Forschungsfelder eher steigern sollte. Es geht daher im zukünftigen Ideenwettbewerb bei der Exzellenzinitiative vorrangig darum, neue attraktive Forschungsperspektiven für andere Universitätsstandorte zu entwickeln, die komplementär zu den jetzt gewählten eine erfolgversprechende Forschungsrichtung neu definieren.

Der Prozess einer fortschreitenden Ausdifferenzierung der Universitätslandschaft in Deutschland hat begonnen, in dem in zunehmendem Maße Forschungsuniversitäten mit weiteren zusätzlichen Merkmalen wie Entrepreneurship und internationale Forschungsverbundcluster sich deutlich von den Massenuniversitäten und Fachhochschulen abgrenzen werden.

In einer globalen Wissensgesellschaft ist dieser Prozess der wachsenden Ausdifferenzierung, wie er bereits in den meisten führenden OECD-Ländern seit langem existierte, auch in Deutschland unaufhaltsam.

Trotzdem sollte dies nicht bedeuten, dass die Massenuniversität, wie sie seit Beginn der 1970er Jahre entstanden ist, jetzt einen zunehmenden Rückstand gegenüber den neuen Eliten und sogar absoluten nachhaltigen Qualitätsverlust erleiden. Es muss auch weiterhin Ziel der Bildungs- und Forschungspolitik bleiben, die hochwertige Ausbildung eines wachsenden Anteils in der Bevölkerung für eine globale Wissensgesellschaft auszubauen. Ansonsten droht den Spitzenuniversitäten und Forschungseinrichtungen ein Verlust an demokratischer Legitimation insbesondere, wenn zusätzlich die Chancengleichheit beim Zugang zu diesen Institutionen für alle Bevölkerungsgruppen nicht gewährleistet werden kann.

Eliten können nur durch die Anerkennung externer Gruppen sich als solche legitimieren. Selbsternannten Eliten droht der Legitimationsverlust.

[1] DFG – Überblick der geförderten Universitäten, Exzellenzcluster und Graduiertenprogramme.

Kommentare

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  1. Die Politik aus dem Norden (Bildungssenator Willy Lemke), wie z. B. die NZ berichtete, ist mit dem Ergebnis vollkommen einverstanden, und das von mir, der ich aus NRW komme. Man darf nicht alles in einen Topf werfen. Davon abgesehen ist dieser neoliberale Quatsch mit Elitenförderung ein selbstgeschaufeltes Grab. Noch 50 Jahre und es wird zu spät sein, noch irgendwas zu retten.