…und das erst seit 30 Jahren, ohne die Touristen und Badegäste zu informieren! Wilhelmshaven [G635] 19|10|2006
Wilhelmshaven hat ein Sche…Problem: Seit nunmehr 30 Jahren leitet man ungeklärte Abwässer in die Vorzeigebadezone von Wilhelmshaven, im “Filetstückstadtteil: Südstadt”.
Die Politiker verfallen mit ihren Wilhelmshavener Zukunftvisionen vor Begeisterung in helle Aufregung, wenn Sie von der Südstadt und dem Südstrand sprechen und vergessen währenddessen vor lauter Euphorie das 30jährige Fäkalieneinleitungsproblem zu lösen.
Dieses Jahr war dann “Showdown“, als Ende Juli einige Badegäste während des Badevorgangs mit Damenbinden und Windeln Bekanntschaft schlossen und das Meer um sie herum sich in eine dunkle stinkende Brühe verwandelte.
Die Badegäste verließen fluchtartig das Badewasser im Jadebusen und suchten Rettung unter der heimischen Dusche, nicht ohne ihre Kleidung vorher in der Waschmaschine gründlich neben dem eigenen Duschbad zu reinigen.
Die BASU [Bildung | Arbeit | Soziales | Umwelt], eine Bürgerbewegung, gründete inzwischen ein Weblog mit der Internetadresse www.basu-whv.de, das sie den Bürgern von Wilhelmshaven zur freien Verfügung stellen.
Dort soll sich ein Internetforum bilden, wo die Bürger mit den Politikern “Klartext” reden. Das Portal liefert aber auch wichtige Informationen rund um Wilhelmshaven.
Die “eindimensionale” Presse von Wilhelmshaven, die Wilhelmshavener Zeitung, deckt die Kommunalpolitiker, wo sie nur kann und “redet” ihnen nach dem Munde, so, wie es den herrschenden Machtverhältnissen in der Wilhelmshavener Kommune gerade passt, und so, dass es ihnen nicht schadet.
Die BASU hat auf ihrer Internetplattform dazu eine eigene Rubrik mit dem Namen “WZ-Blog” eingerichtet. Angelehnt an “bildblog.de” wird in dieser Rubrik die Spreu vom Weizen getrennt, d.h. der Inhalt eines Artikels der Wilhelmshavener Zeitung der Objektivität zugeführt, natürlich inklusive Verbesserung der Rechtschreibfehler.
Anstatt die Verantwortlichen zur Änderung der Situation der Fäkalieneinleitung in die Vorzeigebadezone zu bewegen, versucht man mit dieser Zeitung alles, das Problem schön zu reden und es langsam aber sicher wieder unter den Tisch zu kehren.
Echte Kritik kommt nur in Leserbriefen zum Ausdruck, was in unseren Augen ein Armutszeugnis und purer Lobbyismus ist, weil man keine Konkurrenz hat und sich seine ganz eigene Version von Pressefreiheit und Demokratie gestaltet .
Wir wissen, das ist ein echtes Problem, und nicht nur in der Kommune Wilhelmshaven; ist echte Recherche doch viel zu aufwendig und “ungesund für den eigenen Profit”, sobald Kritik auf einen großen Kunden der Zeitung trifft!
Kein Wunder, dass die Auflage dieser Zeitung bei diesem “output“ sinkt, bildet man doch nur noch Milliardenschwere Investitionsvorhaben und den virtuellen Bau eines geplanten Tiefwasserhafens ab [Gähn!].
Die Summe dieser Großprojekte soll Wilhelmshaven den absoluten Aufschwung bescheren, was schon bei der Opferung des Sielortes “Inhausersiel” für die Chemieunternehmenansiedlung von ICI [Industrial Chemical Industries heute INEOS] und einer Ölraffinerie 1979 nicht so geklappt hat, wie angepriesen.
Es ist faktisch unumstößlich, dass, wenn das Thema “Fäkalieneinleitung” in der Öffentlichkeit bleibt, den Südstrandhoteliers in der Saison 2007 der “Supergau”, das Wegbleiben von vielen Touristen und Badegästen, bevorsteht.
Das weitere Verschweigen allerdings würde das Problem erstens nicht lösen und zweitens würden die Verantwortlichen nie zur Verantwortung gezogen werden. Die Verantwortlichen aber halten sich bedeckt und erklären, dass sich das Einleitungsproblem in Zukunft nicht völlig beseitigen lässt.
Ein weiterer Artikel der Wilhelmshavener Zeitung belegt pseudowissenschaftlich, dass die Einleitung von Mischwasser in Vorzeigebadezonen, ein Gemisch aus Regenwasser, Haushaltsabwässern, Fäkalien und Industrieabwasser, der Stand der Technik sei.
Das ist natürlich der Rückfall in die Steinzeit, gemischt mit vorsätzlicher Bürgerverdummung, die uns wohl wieder bevorsteht, nimmt man diese Äußerungen und redaktionellen “Kommunalpolitikerpropagandaartikel” für “bare Münze”.
Den Einwohnern von Wilhelmshaven sind diese Äußerungen und Ausflüchte der Verantwortlichen inzwischen viel zu viel. Sie machten und machen soviel Öffentlichkeitsarbeit und verweisen auf die Recherchen des BASU-Portals, auf dem dieses Fäkalienproblem inzwischen sehr gut dokumentiert ist und auch mit Karikaturen kommentiert wird.
Der NDR Hörfunk nahm sich der Sache dann an. Bürger und Verantwortliche traten am 17. Oktober 2006 zu einer Sendung am Südstrand vor das Mikrofon. Anke Genius und Hans-Jürgen Schmidt moderierten die Sendung und das zeitweise mit eingebundene Publikum ließ so richtig Luft ab, was besonders den Initiatoren gefiel.
Die Verantwortlichen, der Kultur- und Umweltdezernent der Stadt Wilhelmshaven Dr. Jens Graul und der Geschäftsführer der WEB [Wilhelmshavener Entsorgungsbetriebe] Dipl. Ing. Franz Neugebauer versuchten sich zunächst in sachlichen, beschwichtigenden Klarstellungen.
Herr Neugebauer: “Man könne nichts dagegen machen, wenn der liebe Gott seine Schleusen öffnen würde. Man ist machtlos gegen diese Wassermassen. Am besagten Regentag hätte eine Fläche von vier Fußballfeldern, etwa 5 Meter tief ausgehoben werden müssen, um diese Wassermassen zwischenzuspeichern!”
Für Dr. Jens Graul, der diesen besagten Tag als Ausnahmeerscheinung deklarierte, ist wie immer kein Geld vorhanden und die Kosten müsste dann der Bürger über Gebührenerhöhungen übernehmen, wo uns doch nur folgender Satz einfällt: “Ich fühle mich von Politikern regelrecht verfolgt, die den Wählern ihr eigenes Versagen in Rechnung stellen.” [Zitat: Bruno Jonas, Scheibenwischer Extra, 3. Juni 2006].
Anke Genius stellte dann die Masterfrage des Tages an Dr. Jens Graul, ob er denn am Südstrand baden würde, worauf er antwortete, dass er überhaupt nicht mehr bade, es aber früher als Familienvater am Südstrand getan hätte. Der weiß wohl mehr und wahrscheinlich ganz genau, so schließen wir aus seiner Antwort, warum er dort nicht mehr badet und Frau, Mann, Kind Hund Katze Maus auch nicht mehr baden sollten?
Als Resümee bleibt jetzt nur noch dran zubleiben und das Thema über Weblogs in die Öffentlichkeit zu tragen, bis die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden.
Wenn Dr. Jens Graul nach 20jähriger Verantwortung für den jetzt auftretenden Imagegau für Wilhelmshavens Hoteliers und die kommenden Einnahmeverluste nichts anderes einfällt, als die beschriebenen Stereotypen, der hat er es nicht mehr verdient auf der Gehaltsliste der Wilhelmshavener Kommune zu stehen.
Dass Wilhelmshaven wie Bremen die Haushaltssperre droht und die Zwangsverwaltung durch das Land, spitzt die Situation dramatisch zu, aber dass der Bürger zum zahlenden Goldesel für politische Verfehlungen gemacht werden soll, setzt dem Ganzen die Krone auf.
Anstatt das Fäkalienproblem zu lösen baut man inzwischen ein Wellnesserlebnisbad für 15 Millionen Euro, mitten in der Stadt auf einer ehemaligen Mülldeponie, natürlich wieder alles völlig unbedenklich.
“Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott”, könnte der neue Werbeslogan von Wilhelmshaven werden.
…und wenn Sie einmal nach Wilhelmshaven kommen: Erst fragen, wo Sie baden möchten, denn warnen wird sie keiner!
Wilhelmshaven zum zweiten Mal auf readers-edition. Das finde ich gut