Terrorangst vor “American Hiroshima”

Eine alarmistische Subkultur beunruhigt die USA. Der moslemische Fastenmonat Ramadan ist vorbei, und es ist nichts geschehen. Zuvor hatte man in den USA eine wachsende Zahl von Hinweisen registriert, wonach es während des Ramadan zu Terroranschlägen möglicherweise sogar mit einem nuklearen Sprengsatz kommen könnte. In den USA hat sich eine

TerroralarmEine alarmistische Subkultur beunruhigt die USA. Der moslemische Fastenmonat Ramadan ist vorbei, und es ist nichts geschehen. Zuvor hatte man in den USA eine wachsende Zahl von Hinweisen registriert, wonach es während des Ramadan zu Terroranschlägen möglicherweise sogar mit einem nuklearen Sprengsatz kommen könnte. In den USA hat sich eine alarmistische Subkultur entwickelt, die Drohungen und Warnungen in gewissen Abständen immer wieder neu aufleben lässt.

Mit der weit verbreitete Angst vor neuen Terroranschlägen werden Geschäfte gemacht. Das tut vor allem eine Gruppe Neokonservativer, die in Büchern, Zeitschriften, Bulletins und in der Internet-Agentur WorldNetDaily hartnäckig behauptet, die Al Kaida könne jeden Tag in amerikanischen Großtädten Atomladungen zünden. In der Abwehr tätige Beamte hätten bei Belauschen der Al Kaida gehört, so heißt es, dass für den Ramadan 2006 größere Anschläge geplant seien. Solche Meldungen führen dann auch dazu, dass sich zahllose Personen Späße erlauben und die Terrorabwehr mit falschem Alarm beunruhigen. Im Internet sind unter „Homeland Security National Terror Alert“ die schlimmsten Fälle nachzulesen.

Lieblingsthema der Alarmisten ist ein „American Hiroshima“. Hierbei wird in schaurigen Untergangsbilder die Zündung nuklearer Sprengsätzen in US-Städten durch Terroristen geschildert. Solche Anschläge sollen nun schon seit zwei Jahren unmittelbar bevorstehen. Hierbei werden fragwürdige Quellen zitiert und wie in einem Karussell weiterzitiert. So etwa interviewte der polnische Journalist David Dastych den pakistanischen Journalisten Hamid Mir. Der wiederum will in Kabul den neuen Chef der Al Kaida für Afghanistan, Abu Dawood, interviewt haben. Abu Dawood wiederum gab mehrere Details zu „American Hiroshima“ bekannt. Es werde „Bruder Adnan Shukrijumah den Angriff anführen.“ Adnan, auch Jaffer Tayyat genannt, habe zusammen mit Mohammed Atta amerikanische Flugschulen besucht, hätte aber an den Attentaten des 11.9. nicht teilgenommen. Abu Dawood nannte als Mitkämpfer weitere Namen: Anas Al Liby, Jaber Elmaneh und Amer El Maati. Die USA würden das Komplott nicht entdecken, weil die „meisten unserer Brüder schon länger mit christlichen oder jüdischen Namen in den USA leben.“ Diesmal würde es kein Mohammed Atta den Angriff führen, sondern irgendein David, Richard oder Peter. Angesichts der nahen Katastrophe forderte Abu Dawood alle Moslems auf, die USA zu verlassen.

Die angebliche Nr. 3 der Al Kaida, Al Asuquf, soll dem Sender Al Jazeera gegenüber erklärt haben, fünf Bomben würden aus der ehemaligen UdSSR stammen, während zwei Sprengsätze aus Pakistan kämen. Man habe sie mit Schiffskargo und als Kühlschränke in die USA geschmuggelt und so installiert, dass sie bei einer Entdeckung selbst zünden würden. Al Jazeera stellte fest, dass keiner seiner Reporter dieses Interview gemacht habe. Ein Abu Dawood ist den US-Fahndern unbekannt. Und die journalistischen Errungenschaften Hamid Mirs sind umstritten.

Der aus dem Libanon stammende Publizist Joseph Farah spinnt in den USA die Fäden in seinem G2-Bulletin weiter. Farah hatte sich als Israel freundlich gesinnter Araber einen Namen gemacht. Er nennt als Zielorte der Atomanschläge Städte mit relativ hoher jüdischer Bevölkerung wie New York, San Francisco, Los Angeles, Chicago oder Las Vegas. Die Anschläge würden zu bestimmten Zeiten oder an bestimmten Tagen verübt werden. Der Fastenmonat Ramadan sei ein solcher Termin. Aber auch der 14.5. könnte gewählt werden, da im Jahr 1948 an diesem Tag der Staat Israel proklamiert worden war. Al Kaida könnte aber auch am 11.9. zuschlagen, dem Jahrestag der Flugattentate in New York. Als weiteres Datum komme der 6.8. in Betracht, der Jahrestag des Atombombenabwurfes über Hiroshima. Mit diesem Kalender kann die terroristische Bedrohung über das ganze Jahr hinweg immer wieder aktualisiert und neu angeheizt werden.

Mit viel Fantasie werden die Auswirkungen einer Atomexplosion im Zentrum von New York ausgemalt. Ebenso viel Fantasie wird aufgewandt, um die Herkunft der atomaren Sprengsätze zu beschreiben. Hierbei taucht immer wieder die gleiche Person auf: Es ist Paul L. Williams, der als ehemaliger Berater des FBI vorgestellt wird. Williams will wissen, dass der Konstrukteur der pakistanischen Atombombe Abdul Quader Khan Al Kaida-Chef Osama Bin Laden in Kabul getroffen habe. Dabei hätte Quader Khan dem Terrorchef Materialien zum Bau einer Bombe verkauft. Andere Quellen behaupten, die Al Kaida hätte das Material für ihre Bomben aus Usbekistan bezogen. Außerdem würden abgeworbene Atomphsyiker aus der Ukraine für die Al Kaida arbeiten. Ein sudanesischer Minister hätte der Al Kaida das Uran aus Südafrika beschafft. Wieder andere Quellen bezeichnen die tschetschenischen Rebellen als Lieferanten. Hierbei seien drei Bomben in Koffern über Georgien, Italien und Mexiko in die USA gelangt.

Ganz allgemein sehen die Panikmacher den Islam in Lateinamerika auf dem Vormarsch. So seien Teile des indigenen Maya-Volkes in Südmexiko und Guatemala zum Islam übergetreten. Das Dreiländereck zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay würde sich zu einem Nest moslemischer Terroristen verwandeln. Dort hätten in letzter Zeit auffallend viele arabische Firmen Geschäfte eröffnet. Die Alarmisten machen gute Geschäfte, da sie von der US-Regierung in keiner Weise behindert werden. Bücher über das Thema erreichen hohe Auflagen: Graham Allison: „Nuclear Terrorism“, David Dionisi: „American Hiroshima“ Paul L. Williams: „The Dunces of Doomsday“. Und in zahllosen Blogs werden Ratschläge gegeben, was zu tun sei, wenn nebenan eine Atombombe explodiert. Obwohl die Al Kaida weitere Attentate planten dürfte, sehen europäische Experten für moslemische Terroristen kaum eine Möglichkeit, in amerikanischen Städten einen nuklearen Sprengsatz zu zünden.

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  1. Man könnte annehmen, dass gläubige Christen den Scham der hunderttausendfachen Mord an Zivilisten mit gleich mehr als nur einer Atombombe relativieren zu versuchen. Aber nur so eine Gedanke der Unterstellung interessierter Propaganda, was weiß ich schoooo