Hype um Kunst oder Kommerz

Am Freitag den 28.Oktober öffnete in der Berliner Traditions- und Szenelocation Café Moskau ein Galerieprojekt der besonderen Art die Pforten. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Ausstellung – untermalt von trendigen Electrobeats – wirkt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Produktionswerkstatt. Ein paar riesige A-0-Printer der Firma

HP HypegalleryAm Freitag den 28.Oktober öffnete in der Berliner Traditions- und Szenelocation Café Moskau ein Galerieprojekt der besonderen Art die Pforten. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Ausstellung – untermalt von trendigen Electrobeats – wirkt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Produktionswerkstatt.

Ein paar riesige A-0-Printer der Firma HP rattern leise vor sich hin. Dazwischen ein paar aufgeregte Kunstschaffende mit CDs oder USB-Sticks in den Händen. Sie dürfen hier in der Hypegallery ihre Werke zum ersten Mal als A-0-Print, auf hochwertigen Papiersorten ausgedruckt, bewundern. Gleichzeitig wandern die erstellten Bilder auf die Ausstellungsflächen in den zwei Etagen des Café Moskau. Dort hängen sie solange, bis nach dem First-In-First-Out-Prinzip neue Bilder nachrutschen und die ersten hinten rausfallen und von den Künstlern abgeholt werden können.

„Zensur oder Bewertung wird hier nicht geübt“, beteuert Guido Häussler, der Product Manager für Großformat-Printer bei HP, „außer natürlich die üblichen ethischen Restriktionen.“ Sind denn außer den selbstverständlichen Kategorien Pornografie, Rassismus und Gewalt auch konzernkritische Kunstwerke verboten? „Eine interessante Frage, aber mit diesem Thema sind wir noch nicht konfrontiert worden. Unsere einzige Auflage bei den Bildern ist es, dass die Buchstaben H und P im Bildtitel vorkommen müssen. Einige Künstler haben die Buchstaben sogar in ihr Kunstwerk eingebaut.“ Noch bis zum 18. November kann jeder mit seinen Bildern im Café Moskau vorbeikommen.

Hewlett-Packard begibt sich mit dem Konzept der Hypegallery, das in ähnlicher Form schon in London, Paris, Moskau, Singapur und Mailand eine „Kunst-Revolution“ auslöste, auf das strategische Feld des Guerilla-Marketings. Die vermeintlich altruistische Kunstaktion ist auf den zweiten Blick natürlich eine Werbeaktion für die Drucker der Firma. Junge Kreative sollen auf die Möglichkeiten des Großformat-Druckens in Profiqualität aufmerksam gemacht werden. Dabei erhalten sie gleichzeitig die Möglichkeit sich einem größerem Publikum zu präsentieren. Die Bilder erhalten ein Tag mit Email-Adresse, Titel und Künstlernamen und wandern gleichzeitig in die virtuelle Ausstellung auf www.hypegallery.de. „Und die allerbesten Werke werden vom Verlag The Art Group ausgewählt und dessen Kunden und Galerien aus ganz Europa in einem speziellen Katalog angeboten“, berichtet Guido Häussler.

So bleibt bei allem Misstrauen gegenüber dem „Corporate Kunstsponsoring“ eine nette und recht großzügige Aktion, auch wenn die Verantwortlichen sich der Bedeutung des Wortes „Hype“ nicht so ganz bewusst zu sein scheinen: „meist kurzlebige, in den Medien aufgebauschte oder übertriebene Nachrichten, die gezielt von Interessenträgern zur Werbung für bestimmte Ideen oder Produkte lanciert werden,“ so erklärt es die Wikipedia. Oder will man sich doch nicht ausschliesslich auf die unterschwellige Wirkung der Aktion verlassen und stößt so den Kunden quasi mit der Nase drauf?

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*