Ältere Herren lieben nichts mehr als Orden und Ehrungen. Beglückt glänzen ihre Gesichter, wenn ihnen ein neues Verdienstkreuz an die geschwellte Brust geheftet wird. Es sei ihnen vergönnt, denn in den meisten Fällen haben sie konkrete Verdienste vorzuweisen. Auch der ehemalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist im Laufe der Zeit von einer Lawine aus Orden, Medaillen und Verdienstkreuzen überhäuft worden. Dies erscheint seiner Partei, der FDP, zu wenig der Ehre. Das sei zu dürftig, wenn die Verdienste immer nur auf einer Frackbrust glänzen dürfen. Da müsse man schon in eine Schublade höher greifen, zumal am 21.3.2007 Genschers 80.Geburtstag drohend herannaht.
Da hat sich FDP-Vizechefin Cornelia Pieper Gedanken über ein passendes Geschenk gemacht. Sie will das verfallene und seit langem leerstehende Geburtshaus Genschers in Halle restaurieren und zu einer Gedenkstätte umbauen lassen. Damit würde sich Hans Dietrich in die Reihe von Diktatoren wie Stalin, Mao oder Kim Il Sung einreihen, die noch zu Lebzeiten vom jubelnden Volk ihre Geburtshäuser zu Gedenkstätten umgebaut erhielten. Auch Zaires Mobutu oder der Präsident der Elfenbeinküste, Felix Hou-phouet-Boigny, haben ihre Geburtsdörfer im Dschungel zu Stätten der Huldigung entwickeln lassen. Saddam Hussein hat seine Geburtstadt Takrit mit Neubauten verwöhnt usw.
Dabei ist Hans-Dietrich schon bisher jenseits der Frackbrust hoch geehrt worden. Im kroatischen Trogir trägt eine Straße den Namen “Ulica Kohl-Genscher”. Der kroatische Präsident Franjo Tudjman hatte diese Namensgebung wegen der Verdienste beider Politiker um die Staatswerdung Kroatiens verfügt. Die serbische Seite war von der Diplomatie Genschers 1991/92 nicht so begeistert. Die deutsche Anerkennungspolitik für Kroatien sei verfrüht gewesen und hätte den Ausbruch der Kämpfe in den serbischen Gebieten Kroatiens ausgelöst: Eine Sicht, die mittlerweile auch von Historikern bestätigt wird. Wegen seiner vielen krisenfördernden Flügen mit dem Regierungsjet erhielt Hans-Dietrich damals den Ehrennamen “Genschman”, da er wie Supermann am Balkan ein- und auszuschweben schien. Hektisches Hin- und Herfliegen sollte Lösungskompetenz signalisieren, die bei Genschers einseitiger Parteiname für Zagreb und seiner dem Balkan nicht angepassten Eildiplomatie nicht vorhanden sein konnte. Ein “Cafe Genscher” an der Adria musste bald schließen, doch die Szenekneipe “Genschman” in Halle besteht bis heute. Halle hallt vor Ruhm des Genschmans. Im Stadtbild erscheint des öfteren sein Porträt. Genscher wurde bereits die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen. Er ist auch widerspruchslos zum “Schokoladenbotschafter” einer dort ansässigen Pralinenfirma ernannt worden. Außerdem gibt es in Halle eine Genscher-Strasse, leider eine Sackgasse. In einer Sackgasse werden wohl auch die Pläne für Hans-Dietrichs Ruhmeshalle landen. Die FDP will die Umbau- und Sanierungskosten von 600 000 Euro nicht alleine übernehmen. Frau Pieper sucht im Internet nach Spenden für den hallensischen Perso-nenkult. Ihre Pläne verhindern vorerst die Errichtung von Wohngebäuden auf dem Gelände um die Geburtsruine. Genschers Walhall ist ein wichtiges Thema bei den Wahlen zum Oberbürgermeister von Halle am 12.11.2006 geworden. Warum sich die FDP-Vizechefin derart engagiert, ist mittlerweile klar: Auch Frau Pieper ist in Halle geboren.
Ob der Ehrungen zuviel oder nicht, auf jeden Fall gings nach ihm bergab – bis hin zur nichts hinterlassenden Nullnummer Fischer……….