Robert Mugabe sollte sich freuen können: Seine politischen Gegner werden einfach mit roher Gewalt niedergewalzt und seine Wiederwahl im nächsten Jahr ist so gut wie gesichert. Konsequenzen? Die sind nicht zu befürchten.
Die fehlenden Konsequenzen demonstrieren kein Desinteresse der westlichen Nationen gegenüber dem Land im südlichen Afrika. Bloß die Isolation und die Sanktionen, welche in Kraft treten könnten, verlieren aufgrund der Lage Simbabwes an Gewicht. Und dafür sorgt eine helfende Hand ausgerechnet aus China, also aus dem anderen Ende der Welt.
Tief sind die historischen Verwurzelungen zwischen Schwarzafrika und China nicht. Allenfalls gab es zu Zeit der großen chinesischen Seefahrerei das wahnwitzige Unterfangen von einigen afrikanischen Stämmen,durch große und großzügige Geschenke ein loses Lippenbekenntnis zur chinesischen Kaiserkrone zu erhaschen. Einen Kaiser hat China schon lange nicht mehr, und die politische Situation in Afrika hat sich geändert, aber auch unsere neuen Zeiten weisen auch diese ungewöhnliche Konstellation auf.
China braucht aufgrund seines riesigen wirtschaftlichen Wachstums eine immense Menge an Rohstoffen. Die afrikanischen Nationen haben die Rohstoffe, aber kein Geld und keine Infrastruktur. Daher bietet die chinesische Regierung billige Kredite und Geld im Austausch gegen billige Ressourcen. Es wäre also ein Wunder, wenn sich diese Interessen dieser beiden Parteien nicht miteinander kombinieren lassen würden. Nur: Beim kleinsten gemeinsamen Nenner fehlt es – zumindest für den Europäer – an gewissen „Kleinigkeiten“ wie zum Beispiel den Menschenrechten.
Da werden Staatschefs aus über 40 verschieden afrikanischen Ländern vom chinesischen Ministerpräsidenten empfangen, darunter auch Robert Mugabe oder auch das Regierungsoberhaupt des Sudans, Omar Hassan Ahmad al-Bashir – und die Befürchtungen für die westlichen Länder scheinen sich zu bestätigen: China gewinnt in ganz Afrika an Sympathie, und die Europäer, die ja sowieso schon in der Demokratischen Republik Kongo unerwünscht sind, stehen mit ihren Entwicklungsmodellen für Afrika alleine dar – und mit ihrer kolonialen Vergangenheit. Dies wird sich in der Zukunft als diplomatischer GAU erweisen. Denn: Zwar wird auf den afrikanischen Kontinent in absehbarer Zeit eine weltpolitische Supermacht entstehen, mit der es zusammen zu arbeiten gilt. Doch es sind Konflikte im Begriff zu entstehen, die in ihrem Ausmaß eine historische Zäsur bedeuten könnten. Wenn man denen nicht entschieden entgegenwirkt, wird jede Debatte über ein Weltbürgertum oder über weltumspannende Interdependenzen und der Globalisierung im Allgemeinen zur Farce verkommen.
Die europäischen Nationen müssen nun Wunden lecken: Sollte man nun eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit anstreben, nur um einen Versuch zu unternehmen, Menschenrechte in Gesellschaften zu etablieren, in denen die jeweilige politische Führung ungeliebte ethnische Minderheiten ausrotten will? Oder ist das Sendungsbewusstsein dieser Errungenschaft der Aufklärung nicht stark genug, womit man dem Wunsch nach diplomatischem Gewicht eine höhere Priorität beimisst?
Dabei muss man beachten, dass die jetzige politische Situation sich als sehr negativ erweist, aber dass diese, egal welche Maßnahme ergriffen wird, sich eigentlich nur verschlechtern kann. Dass China auf dem Weg ist, eine Großmacht zu werden, kann heutzutage kein ernst zunehmender Experte mehr bestreiten. Und die Idee, dass man China zur Einhaltung der Bürger- und Menschenrechte bewegen kann, gehört ins Reich der Phantasie, denn schließlich muss sich China aufgrund seiner Postion nicht an die Spielregeln seiner Konkurrenten halten.
Wenn Europa etwas gegen den erstarkenden Einfluss von China unternehmen will, dann muss dies im Einklang nicht nur mit Afrika, sondern auch mit China geschehen, um zukünftigen diplomatischen Problemen und Unstimmigkeiten aus dem Weg zu gehen.
Natürlich wird das Entwicklungswachstum in China nicht für alle Ewigkeit das heutige Niveau halten. Auch das Verlangen nach Öl, Kupfer und anderen Ressourcen wird abnehmen, mit der Konsequenz, dass die Zweckehe Afrika-China nach und nach zerbrechen wird. Die Frage ist dann jedoch, wie es weiter geht. Werden demokratische Strömungen entstehen, nachdem afrikanische Autokraten mit chinesischen Geld voll gestopft worden sind?
Dass ein unverhoffter Geldsegen auch sehr negative Auswirkungen haben kann, hat schon Nigeria ab den 60er-Jahren auf dramatische Weise demonstriert. Zwar investiert China in die Infrastruktur der Länder, deren Ressourcen es abbaut, jedoch stellt sich die Fragen, ob diese Investitionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, ob Raffinerien oder sonstige Einrichtungen nur von dem chinesischen Fachpersonal bedient werden oder ob die Flut von chinesischen Billigprodukten auf den afrikanischen Markt jegliche Form von Industrie vernichten kann. Diese Fragen vermag erst die Zukunft endgültig zu beantworten.
Ein Punkt jedenfalls scheint klar zu sein: Wenn man in Zukunft in Afrika an wirtschaftlichen Aufbau denkt, dann wird man sich nicht mehr an den Norden oder an die USA mit ihren ungeliebten Forderungen orientieren. Zudem ist die Doppelmoral der wirtschaftlichen Hilfeleistungen und der hohen Zölle auch kein Grund, weiter Zeit an diesen Gedanken zu verschwenden.
Robert Mugabe jedenfalls kann sich mit dem neuen Geld jedenfalls einen neuen Mercedes kaufen. Vielleicht wird es als besondere Geste an die neuen chinesischen Freunde ein chinesisches Mercedes-Plagiat sein.
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