Erfolgreicher Wiederaufbau in Kivumu/Ruanda – Teil 1

Unter dem Motto “Wir bauen Häuser in Ruanda” gestalteten die Rotarier Jens Bomke als Sternekoch und Dr. Götz Alsmann als Entertainer eine gelungene Benefiz-Gala im Hotel Bomke in Wadersloh. Als Erlös des Abends konnten jetzt 20.000 Euro an die Franziskaner Mission und 2.500 Euro an die Hospizbewegung in Münster überreicht

Unter dem Motto “Wir bauen Häuser in Ruanda” gestalteten die Rotarier Jens Bomke als Sternekoch und Dr. Götz Alsmann als Entertainer eine gelungene Benefiz-Gala im Hotel Bomke in Wadersloh. Als Erlös des Abends konnten jetzt 20.000 Euro an die Franziskaner Mission und 2.500 Euro an die Hospizbewegung in Münster überreicht werden.

Als rührige Organisatoren des Missionsprojekts “Hausbau in Kivumu” brachten die Wadersloher Gabriele Schembecker und Wolf Rüdiger Eßmann diese erneute Spende persönlich zu den Franziskaner Patres nach Kivumu / Ruanda. Aufgrund des erfreulich hohen Spendenaufkommens der Rotarier aus der hiesigen Region konnte der Oberkümmerer des Projektes, Bruder Innocent, einmal Bilanz ziehen und mit den beiden Waderslohern im Einzelnen das Projekt in Augenschein nehmen.

Neue Familienbildung
1994 nach dem Bürgerkrieg hatte die Gemeinde Kivumu ca. 30.000 Einwohner mit ca. 5000 Anwesen, angelegt als Streusiedlung in fruchtbarem Hügelland. Aufgrund von Zerstörung und Vertreibung gab es ca. 1800 Menschen (Witwen, Kinder, Waisenkinder, Alte und Kranke) in absoluter Not bezüglich Unterkunft und Existenzgrundlage. In der ausschließlich ländlichen Struktur von Kivumu benötigt jede Familie ein eigenes Dach über dem Kopf und mindestens 1 Hektar Ackerland zum Überleben.

Mit unübertroffenem Fingerspitzengefühl bildeten die Franziskaner Patres ca. 300 neue “Familien” aus dem Kreis der Alleinstehenden und Bedürftigen. Diese Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen, da die Entscheidungen von vor zwölf Jahren heute noch akzeptiert und praktiziert werden. Im gleichen Stil wurden die notwendigen Grundstücksfragen verbindlich geklärt. In Verbindung mit der Klärung der Eigentumsverhältnisse wurde mit der Anlage von Terrassenfeldern (wie in deutschen Weinbergen) in dem fruchtbaren Hügelland begonnen.

Ausbildung in der Berufsschule
Bevor das Hausbau-Projekt gestartet wurde, gründeten die Franziskaner eine Berufsschule für das Bauhandwerk, die Holzverarbeitung und das Schneidergewerbe. Bei der Besichtigung der Schneiderei der franziskanischen Berufsschule in Butare
berichtete Pater Paul von jährlich 15 Absolventinnen, die sich grundsätzlich alle erfolgreich selbstständig machen können, wenn sie € 100,- für eine gediegene deutsche Singer-Tretnähmaschine aufbringen. Spontan spendeten wir für die jahrgangsbeste Absolventin das erforderliche Geld. Binnen kürzester Zeit, so wurde uns gemeldet, hatte die junge Frau auf dem Markt einen festen Standplatz, eine kaum zu bewältigende Anzahl von Aufträgen und damit regelmäßige Einkünfte über dem Überlebensniveau.

Unterteilt in drei Jahrgänge werden heute ständig 50 Jugendliche je Sparte ausgebildet. Mit diesen Fachkräften wurde ein vollkommen neues Bausystem entwickelt. Mit selbst sonnengebackenen Tonkalksteinen konnte von der sehr holzintensiven Ständerbauweise abgewichen werden. Dadurch werden im holzarmen Ruanda ca. 80% des früheren Holzbedarfes beim Hausbau eingespart. Die Häuser erhalten ein Fundamentbankett aus Bruchsteinen, so dass sie auch von unten isoliert werden können.

Leben in Kivumu
Mit dieser neuen Technik begaben sich die ersten ausgebildeten Fachkräfte in die Nachbarschaftshilfe. Pro Haus wurden € 66,- Löhne für die Handwerker kalkuliert. Die normale Größe eines Hauses, das jetzt den Namen wirklich verdient, ist 6 x 8 m, sie hängt aber im Einzelnen immer von der Kopfzahl der Familie ab. Die Wohnfläche ist in drei Ruheräume und einen Aufenthaltsraum aufgeteilt. Gekocht wird unter freiem Himmel über einem offenen Holzfeuer. Am späten Nachmittag steigen die Rauchsäulen an den Häusern auf, dann wird gekocht. Die notwendigen Vorräte werden in den Ruheräumen gelagert. Toiletten und Duschzellen sind in einem separaten Häuschen untergebracht. Vielfach werden diese Anlagen, um Land zu sparen, mit den Nachbarn gemeinsam genutzt. Gewaschen wird in Zubern hinter den Häusern oder die Frauen gehen an einen der zahlreichen Bäche. Fließendes Wasser und Strom gibt es noch nicht. Das Wasser muss von zentralen Wasserstellen in die Häuser transportiert werden. In Kivumu muss nicht geheizt werden. Nachts ist es zwar kühl, aber ab 8 Uhr scheint täglich die Sonne, es wird 27 – 30° C warm und es kühlt ab 17 Uhr wieder ab. Es ist eine angenehme, trockene Wärme. Bei Sonnenuntergang – gegen 18 Uhr – klingt der Tag in Kivumu aus. Die Menschen ziehen sich in ihre Häuser zurück und gehen früh schlafen. Für die Innenbeleuchtung stehen nur Petroleum-Lampen zur Verfügung. Sukzessive wird auf Dynamo-Taschenlampen umgerüstet, die ersten Exemplare (€ 4,99) haben wir mitgebracht. Die Frauen und Mädchen sind Frühaufsteher, um Wasser für den Morgentee von den Zapfstellen zu holen und um Ernteerträge des Vortages auf dem lokalen Markt zu tauschen bzw. zu verkaufen. Ab 4 Uhr in der Frühe bewegen sich die Menschenkarawanen, hauptsächlich Frauen, mit schweren und sperrigen Lasten auf den Köpfen über die Seitenstreifen der gut ausgebauten Hauptstraßen zu den vielfach weit entfernten Märkten. Die Kinder verlassen gegen 7 Uhr das Haus, um die nächste Primary School zu besuchen. Sie haben oft Schulwege von mehr als einer Stunde.

Spenden
Finanzielle Hilfe kann unter dem Stichwort “Secondary School Kivumu” über folgende Konten geleistet werden:

Konto 5100, Volksbank Hellweg eG, BLZ 41 460 116

Konto 34, Sparkasse Werl, BLZ 41 451 750

Über jede Spende wird bei vollständiger Adressenangabe des Spenders eine steuerlich anerkannte Spendenquittung ausgestellt.
Wir versichern, dass sämtliche zweckgebundenen Spenden, die der Franziskaner-Mission anvertraut werden, ohne jeglichen Abzug oder Verwaltungsaufwand direkt und ausschließlich dem bezeichneten Projekt zugeführt werden. Die Franziskaner vor Ort, die wir persönlich kennen, sind der Garant dafür, dass die Spendengelder punktgenau eingesetzt werden.

Hier geht es zu Teil 2 der Reportage: Frauen: der Wirtschaftsfaktor in Ruanda

Hier geht es zu Teil 3 der Reportage: Ruanda – was ist noch zu tun in Kivumu?

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