Der Öl- und Gaskonzern Shell baut im Westen Irlands eine Erdgas-Raffinierungsanlage. Lokale Gemeinden kämpfen seit Jahren gegen den Bau der Raffinerie, die auch den Bau einer Gaspipeline beinhaltet.
Nach langen friedlichen Protesten, hat der Kampf gegen Shell leider gänzlich neue Entwicklungen genommen, nicht zuletzt deshalb, weil Shell von der irischen Regierung gefordert hat, den Zutritt zur Baustelle unter Einsatz aller zur Verfügung stehender Mittel zu ermöglichen.
170 Polizisten wurden in die Ortschaft Bellanaboy abkommandiert, die mit zum Teil drastischen Maßnahmen, sprich mit verbaler und körperlicher Gewalt, gegen die Protestierenden vorgehen. Auch kam es zum ersten Mal zu Festnahmen, die Aktivisten werden nahezu permanent gefilmt. Aktivisten werden von der Polizei an den Ohren und am Hals hochgehoben und von der Bausstellenzufahrt entfernt. Ferner gibt es verbale Drohungen von Polizisten, die Aktivisten nach Kneipenbesuchen „aufzumischen“. Die körperlichen Verletzungen (Prellungen, Blutergüsse usw.) sind fotografiert worden, es gibt einen Beschwerde-Ordner, in dem sämtliche Vorfälle dokumentiert werden.
Eine Beschwerde bei der Polizeistation in Belmullet ist nur unter großen Schwierigkeiten durchsetzbar, da die zuständigen Beamten keine Kooperation zeigen. Die ebenfalls zuständige Polizeiwache in Glenamoy wurde zu Beginn des Polizeieinsatzes geschlossen. Die Kosten des Polizeieinsatzes betragen pro Tag mehr als 200.000 Euro. Eine Besserung der Situation ist leider nicht in Sicht, da es laut Aussage der irischen Regierung keinerlei Gründe gibt, das geplante Bauvorhaben zu stoppen.
Die Fakten, wie sie sich aus Sicht der Kritiker des Projektes darstellen:
Die Gasraffinerie, das erste Offshore-Projekt dieser Art, wurde in der Planungsphase zweimal abgelehnt. Am Ende hat die zuständige Behörde An Bord Pleanà la (The Irish Planning Appeals Board) doch grünes Licht gegeben und damit ihren eigenen Hauptkontrolleur überstimmt, der das Projekt aus mehreren Gründen abgelehnt hatte.
Die Pipeline soll einen Betriebsdruck von 345 Bar aushalten. Weder der Entwurf noch der Umfang des Corrib-Gasfelds (englisch), um das es geht, haben sich geändert, dennoch ist die offizielle Druckangabe von Shell kontinuierlich verringert worden, zur Zeit wird sie mit 100-110 bar angegeben. Die Zahl, welche die Aspekte der Pipeline kritisch kalkulieren soll (die sogenannte MAOP, Maximal Allowable Operating Pressure) wurde nie offiziell genannt. Der Design-Code der Pipeline, die nur eine Dicke von 21,1 mm hat, ist der englische BS8010-Code, welcher inzwischen veraltet ist. Dies ist auch die dünnste Pipeline, die unter diesem Code möglich ist, wobei die vorgeschriebene Dicke von 62 Millimeter, die für Straßenkreuzungen vorgeschrieben ist, völlig ignoriert wurde. Der Sicherheitsabstand wird nicht eingehalten, bei einem Druck von 150 Bar (MAOP) müsste der Sicherheitsabstand zum nächsten Haus 84 Meter betragen (unter dem Code BS8010). Der aktuelle Druck, der erreicht wird und aus Sicherheitsgründen erreicht werden muss, beträgt 345 Bar. Der Sicherheitsbereich würde damit 170 Meter betragen müssen. Die sicherere Vorschrift aus den USA und Kanada schreibt sogar ein Minimum von 295 Meter vor. Die Häuser in Rossport sind gerade mal 70 Meter entfernt, die nächste öffentliche Straße ist 30 Meter entfernt und in etlichen Fällen müssen Leute die Pipeline überqueeren, die nur 1,2 Meter unter der Erde liegt, um zu ihren Häusern zu gelangen. Shell bezeichnet das Projekt dennoch als „..geplant mit den höchstmöglichen Sicherheitsstandards“. Es wurden 2 angeblich unabhängige Sicherheitsgutachten erstellt – von Firmen, die eng mit Shell verbunden sind.
Die Abwässer, die bei der Raffinerie anfallen, werden in einer Pipeline in die 12,5 km entfernte Broadhaven Bay zur Entsorgung transportiert. Broadhaven Bay wird von neun bestätigten Spezies von Delphinen und Walen bewohnt, darunter die schwarz-weißen Orcas. Der Abfall wir unter anderem die folgenden Stoffe beinhalten:Chloride, Sulfate, Methanol, Öle, Calciumsulfat, Rostschutzmittel und bis zu drei Tonnen Nickel, Quecksilber und Blei pro Jahr. Weitere Stoffe wären: Barium, Boron, Phosphor, Chrom, Mangan, Zink, Kupfer, Arsenik, Selen und Silber. Keine Zutaten für Trinkwasser. Luftverschmutzung stellt ein weiteres Problem dar, die Luft über der Raffinerie wird wie folgt belastet: Methan, Sulfurdioxid, POCB-Emissionen einschl. Ethan, Propan, I-Buthan, Methanol und andere Emissionen.
Den Bürgerprotest gegen das umstrittene Projekt (englisch) organisiert das Kampagnenbündnis Shell to Sea (englisch). Seine Sicht über das Projekt teilt Shell auf seiner irischen Website mit.
Wann nimmt man endlich offiziell zur Kenntnis, dass das ständige Umweltschutzgetue
von Shell nur eine Maske ist, um in weniger frequentierten Gebieten und weit entfernt von der breiten Masse der potentiellen Kunden rücksichtslos auf Kosten der Natur und unter inkaufnahme von Menschenleben seine Profitgier durchzusetzen.
Wenn Shell aufrichtig seine Unternehmensgrundsätze ernst nehmen würde, müssten alle damit befassten Manager entlassen werden.
Hier hilft nur ein Mittel: weltweiter Boykott!