Im Schatten des Galgens. Ein Kommentar.

Die Uhr tickt, der Schatten des Galgens wird immer länger. Die Regierungen des Irak und der USA haben entschieden, dass Saddam Hussein mit Beginn des neuen Jahres gehenkt werden soll. In diesen Tagen werden die neun Mitglieder des Berufungsgerichtes entscheiden: Der Prozess gegen den ehemaligen Diktator war fehlerlos. Das Staatspräsidium

Die Uhr tickt, der Schatten des Galgens wird immer länger. Die Regierungen des Irak und der USA haben entschieden, dass Saddam Hussein mit Beginn des neuen Jahres gehenkt werden soll.

In diesen Tagen werden die neun Mitglieder des Berufungsgerichtes entscheiden: Der Prozess gegen den ehemaligen Diktator war fehlerlos. Das Staatspräsidium wird unterschreiben. Der kurdische, all-irakische Präsident Jalal Talabani hat seine Signatur an einen Sekretär delegiert. Sein schiitischer Stellvertreter Adil Abdul Mahdi und der sunnitische Vize Tariq Al Hashimi wollen sich nicht verweigern. Innerhalb von 30 Tagen nach den Unterschriften muss Saddam nach dem von den USA diktierten Strafrecht gehenkt werden. Die Forderungen schiitischer Radikaler, wonach Saddam öffentlich und in einer Live-Übertragung des Fernsehens zu exekutieren sei, wurden ebenso abgelehnt wie der Wunsch Saddams, als Militärangehöriger erschossen zu werden. Saddam Hussein mag dieses Urteil verdient haben, doch der Prozess war die arrangierte Farce einer Siegerjustiz.

Schon vor der Ergreifung Saddams im Dezember 2003 hatten die USA beschlossen, den Diktator vor ein irakisches Sondergericht zu stellen. Die USA haben dann rund 70 Millionen Dollar aufgewandt, um dieses Tribunal einzurichten. Potentielle Richter wurden nach Den Haag geflogen, um dort zu lernen. Eine Expertengruppe des US-Justizministeriums nahm in der geschützten Grünen Zone Bagdads Platz, um das schwierige Unternehmen zu steuern: Saddam an den Galgen zu führen, ohne ihm Gelegenheit zu geben, über die Unterstützung seines Regimes durch die USA, aber auch durch Frankreich, England und Deutschland referieren zu können. Fachleute des FBI sind hierbei eingesetzt worden. Einem sterbenden Saddam-Anhänger hat man mit dem letzten Röcheln Details entrissen. Viele Zeugen wurden nur über Video vorgeführt und konnten von der Verteidigung nicht befragt werden. Die Verteidiger Saddams wurden eingeschüchtert und ihrer Rechte beraubt. Ein Richter und drei Verteidiger Saddams sind im Laufe des Verfahren ermordet worden. Bei den vielfältigen Verbrechen Saddams war ein bestimmtes System notwendig. Man ergriff einen Vorfall aus dem Jahr 1982. Auf Saddams Wagenkolonne war im schiitischen Dorf Dujail ein Attentat verübt worden. Saddams Geheimdienst hat in einer Racheaktion rund 150 Einwohner ergriffen, die alle hingerichtet wurden. Dem Fall Dujail wurden etwa ein Dutzend anderer Fälle angehängt. Nr.2 ist unter dem Kodewort “Anfal” Saddams Offensive gegen die Kurden, der 1988 insgesamt 120 000 Menschen zu Opfer gefallen sind. Es ist auch sofort nach dem Todesurteil im Fall Dujail offiziell die Anklage für Anfal vorgebracht worden. Doch informierte Kreise in Bagdad und Washington wissen, dass es kein zweites und keine zwölf Todesurteile geben wird, da schon für Dujail der Galgen winkt. Die anderen Fälle, in denen Saddam eine Unterstützung durch die USA ansprechen, beschwören oder gar beweisen könnte, würden dann eingestellt werden.

Saddam hat versucht, im bisherigen Verfahren die Unterstützung durch die USA anzusprechen, doch hat ihm der Vorsitzende immer wieder das Mikrophon abgedreht. Dujail war eines der vielen Massaker,mit denen Saddam seine Herrschaft gefestigt hatte. Die offiziellen Argumente, Dujail zuerst zu behandeln, sind dürftig, doch genügte der Fall für ein Todesurteil. Die schaurigen Verbrechen im Fall Anfal sollen vor Gericht nur in Version der Anklage erzählt werden. Die Verteidigung soll durch Vollstreckung des Urteils keine Chance mehr erhalten, in diesem, wie allen anderen nachhängenden Fällen die USA und ihre Unterstützung für Saddam anzusprechen.

Da Saddam als Angeklagter Dujail immer wieder erweitern wollte, kam es zu turbulenten bis gespenstischen Szenen. Saddam schrie mehrmals mit dem Koran in der Hand: “Gott ist groß!” Er wollte sich vor diesem Gericht nicht vom Sitz erheben. Er rief mehrmals: “Ich bin und bleibe Präsident! Es lebe der Irak! Nieder mit den Verrätern!” Sein Mitangeklagter und Verwandter Ali Hassan Al Mahdschid rief: “Ich will jetzt das Urteil! Erschiesst mich!” Saddam trat in Hungerstreik und wurde in einem Krankenhaus zwangsernährt. Der frühere US-Justizminister Ramsey Clark wurde als Nebenverteidiger wegen peinlicher Fragen aus dem Saal gewiesen. Der Prozess im Fall Dujail hatte am 19.10.2005 begonnen. Das Urteil erfolgte am 5.11.2006, das waren zwei Tage vor dem amerikanischen Kongresswahlen. Das Timing war geplant, hat aber eine Niederlage der Republikaner nicht verhindert.

Das Schicksal Saddams spielt für die täglichen Kämpfe im Irak kaum mehr eine Rolle. Hierbei geht es um den Zerfall des Landes in drei Staaten. Kurdistan im Norden ist ethnisch relativ klar definiert und seit 1992 eine eigene von den USA geschützte Entwicklung genommen. Die Stadt Kirkuk mit einer Mehrheit an Turkmenen und sunnitischen Arabern könnte Grund für künftige Kämpfe auch im Norden des Iraks sein. In großen Gebieten Zentraliraks und vor allem in Bagdad geht es um die Trennung von Schiiten und Sunniten. Die Sunniten wehren sich nicht wegen Saddam, sondern wegen ihrer drohenden Reduzierung auf einige Wüstenprovinzen ohne Öl gegen die mit dem US-Abzug wahrscheinliche Teilung des Landes. Die vom Iran unterstützten Schiiten sind auf dem Vormarsch. Die Kurden haben ihr Militär, die Peschmergas, mit US-Hilfe modernisiert. Es könnten nach dem amerikanischen Rückzug alle Konflikte ausbrechen, die Saddam mit eiserner Hand niedergehalten hatte.

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  1. Da sieht man wieder welches Ziel die USA verfolgt, die gute stilechte Weltpolizei.
    Ich glaube seit der Bush die Regierung führt heißt deren Credo “Wild Wild Westen” oder Auge um Auge, Zahn um Zahn. Klar will die Bush-Administration und nicht, dass die Welt erfährt welche Fäden die USA da gezogen haben in den Kriegen und Massenvernichtungen. Aber wie immer gilt, keine Verbrechen bleibt ungesühnt auch nicht für die USA. Was hat das bitte mit dem 09.11. zu tun? Wieso wandert die USA von Afganistan nach Irak dann evtl. nach Iran und so weiter so wirds kommen…Hauptsache man bekommt das Schwarze Gold “Öl”, denn nur darum geht es den USA. Naja wenn die sich da nicht verkalkulieren die Amerikaner *es klopft an meiner Tür vielleicht die CIA oder FBI oder gleich das Erschießungskommando oder werde ich noch gefoltert oder vergewaltigt..dann mit einem Kopfschoss gerichtet?!*