Siemens: Ein dicker Hund - Ein Kommentar

- Polizei bei Siemens (Foto: dpa)
Die Aufdeckung einer Schwarzgeldkasse bei Siemens von vermutlich 200 Mill. € ist schon ein dicker Hund. Dass es offensichtlich über Jahre hinweg ohne Auffallen zu erregen gelungen sein kann, derartige Summen zu veruntreuen, ist unglaublich. Die Vorstände der Siemens AG sowie die Buchprüfer, die die Korrektheit der Bilanzen testiert haben, werden einiges gegenüber der Staatsanwaltschaft zu erklären haben.
Ein solches Versagen des Controlling innerhalb eines Unternehmens sagt viel über die Qualität der Corporate Governance aus, da es offenbar Insidern im Management immer wieder gelingt, Vermögenswerte des Unternehmens sich anzueignen bzw. der Kontrolle der Eigentümer und der Aufsichtsräte zu entziehen.
Zwar wird viel über die Kontrollfunktion von Finanzmärkten aufgrund des Shareholder Values als Mittel zur Verhinderung von redistributiven Umleitungen von Kapitalerträgen in die Taschen der Managereliten gesprochen. Die Realität sieht jedoch offensichtlich anders aus. Durch mehr oder weniger trickreiche Transaktionen innerhalb der immer weniger überschaubaren multinationalen Konzerne lassen sich nicht nur Gelder vor dem Zugriff des Fiskus via Transfer Pricing (engl.) oder andere Bilanzmanipulationen verstecken, es gelingt mit vergleichbaren Techniken, die Kapitaleigner zu prellen und Erträge in die eigenen Taschen des Managements zu überführen, oder, wie hier zunächst vermutet durch schwarze Kassen im Korruptionswettbewerb um Aufträge in entsprechenden dem Korruptionsindex von Transparency International [1] führenden Ländern, mithalten zu können. Kick-backs größtem Umfangs scheinen in der Amigo-Republik Bayern besonders häufig anzutreffen zu sein, denkt man an die zahlreichen Affären in der Vergangenheit.
Was an diesem Fall erneut deutlich wird, ist dass der moderne Kapitalismus in einer globalen Welt, zahllose Möglichkeiten schafft, insbesondere bei multinationalen Unternehmen Erlössteigerungen nicht nur durch drastische Kostensenkungen und Vermeidung von Soziallasten (siehe hier den Fall Siemens-BenQ [2]) zu steigern, sondern den externen Shareholdern einen Teil ihrer Erträge durch interne Seilschaften durch Transfers in schwarze Kassen vorzuenthalten. Weder Arbeitnehmer noch Kapitaleigner als klassische Stakeholder des Unternehmens sind Gewinner der Globalisierung, sondern die Managereliten, die sich zu Lasten der anderen massiv bereichern.
Man könnte als absurden Slogan à la Marx verkünden: „Arbeiter und Kapitaleigner vereinigt Euch gegen die parasitären Managereliten, die euch ausplündern.“
Weitere Informationen:
[1] Global Corruption Report 2006
[2] Vgl. hierzu auch meinen Kommentar in der Readers Edition vom 4. Oktober 2006, Quo Vadis BenQ? - Quo Vadis Siemens?











noname
man sollte sich mal in Braunschweig umsehen ;)