Nach dem Wechsel der Projektleitung steht das im Juni 2006 mit großem Applaus gestartete Projekt Readers Edition der Netzeitung am Scheideweg.
Wie kann es gelingen, »20 Millionen Mitarbeiter« zu gewinnen, wenn nach einem halben Jahr kaum 150 Autoren jeweils mehr als vier Artikel veröffentlicht haben? Sollen professionelle Autoren angesprochen und motiviert werden, um die wenigen aktiven Moderatoren, die sich zeitaufwändig mit Schreibversuchen von Laien abmühen, zu entlasten? Soll es redaktionsähnliche Strukturen geben mit Zuständigkeitsbereichen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten? Wo liegen die Schmerzgrenzen beim Qualitätsbegriff? Wer ist die Zielgruppe der Online-Publikation, und wie ist ihr Verhältnis zu Blogs?
Diese und andere wichtige Fragen wollte der zweite Berliner Stammtisch der Readers Edition am gestrigen Freitag Abend ansprechen. Treffpunkt der Veranstaltung war das »St. Oberholz« in Berlin-Mitte, das sich rühmt, Stammkneipe der »digitalen Boheme« zu sein. Aufgrund des enormen Lärmpegels der Einrichtung verlor sich die Runde schnell, um sich in Kleingruppen über die Entwicklung auszutauschen. Dabei wurde deutlich, dass dem Projekt trotz seines enormen Potentials eine visionäre Konzeption fehlt.
Im Auftrag des Eigentümers nahm Hugo E. Martin an der Veranstaltung teil. Er soll das Projekt unabhängig von der Netzeitung auf eine zweite Stufe stellen und hat dazu ein Weblog unter dem einprägsamen Namen »HEM on C-Journalismus & Social Media« gestartet.
Martin bietet »Könnern und Interessenten mit Eignung und Neigung, die sich diesem anspruchsvollen Projekt bereits in der Vorbereitungsphase einbringen wollen«, fünf Volontär- bzw. Praxisstellen, die in Vollzeitstellen aufgehen sollen, »wenn beide Seiten voneinander überzeugt und zufrieden sind«. Gesucht wird gleichzeitig nach dem »einzigartigem Nutzenversprechen« der Readers Edition in Abgrenzung zum vielfältigen Wettbewerb.
Siehe auch: “Phase zwei” von Jan Michael Ihl im Blog der Readers Edition.
Lieber W. Ruprecht,
Zunächts ein Dankeschön für den Artikel, ich hatte neugierig und aus der Entfernung auf einen Bericht von dem Treffen gewartet – heute gab es dann gleich zwei dazu!
Bislang zeigt sich die RE als ein lesenwertes Projekt, die Beträge sind ausführlich genug und für mich das Salz in der Suppe des journalistischen Tagesgeschehens.
Die kaum ein halbes Jahr alte RE befindet sich jedoch m.E. , zumal als Beta-Version, kam in einer Krise, sondern besser im Prozess der (Weiter)Entwicklung, wie der Beitrag “Phase Zwei” von Jan Michael hervorhebt.
In Zuge dieses Prozesses, sollte die Vision der RE (vielleicht ausgerichtet auf drei bis fünf Jahre) und die Frage nach den Zielgruppen (einmal die der AutorInnen, zum andern die der LeserInnen) unbedingt geklärt werden können. Erst dann ist es eigentlich möglich, mit diesen für die Auslegung der Seite massgeblichen Zieldaten, darüber zu entscheiden, wie, also mit welchen Mitteln, Instrumenten oder auch Anreizen, die RE zur “führenden deutschsprachigen CJ-Plattform” werden kann (was ja schon beinahe die Vision darstellt).
Ob sportlastig oder nicht, kann ich nicht beurteilen, ich lese auch vieles anderes; allerdings wird RE auch oft auch als Medium benutzt, um Kommentare zum Welt- oder anderem Geschehen abzugeben. Wenn diese gehäuft erscheinen, gehen dadurch die Nachrichten unter. Vielleicht könnten ein oder zwei Kommentare des Tages auf die Hauptseite wandern und für die andern ein Sub-Ressort eingerichtet werden?
Von meiner Seite werde ich, wenn auch als “Laie”, gerne weiterhin mit dem einen oder anderen Beitrag dazu beisteuern, dass auch “die etwas andere Nachricht” einer Leserschaft dargeboten wird – vielleicht ist es nicht die Vision an sich, RE bietet sich aber auch dafür an.