Tag der Abrechnung für eine Sekretärin aus dem Vorzimmer. Endlich kann sie ihren jahrelang aufgestauten Frust ablassen. Mit ihrem unter dem Pseudonym Katharina Münk veröffentlichten Buch lässt sie kein gutes Haar an ihren ehemaligen Vorgesetzten.
“Und morgen bringe ich ihn um! Als Chefsekretärin im Top-Management”, so lautet der vollständige Titel der Beurteilung der Manager aus Deutschlands Führungsebene. Sie beantwortet erst auf den letzten Seiten den Grund ihres Schreibens: “Ab und zu gibt es Grenzen. Und wenn diese überschritten werden, schreiben wir das einfach alles auf. Möge es einem guten Zweck dienen.”
Ein erster Zweck scheint bereits erfüllt. Denn die Verkaufszahlen des Buches dürften der Vorzimmerdame das (schmale) Gehalt ein wenig aufbessern helfen. Andererseits hofft sie auf ein wenig Gefühlsregungen seitens des Chefs von nebenan. Dies müsste eigentlich das Mindeste sein, denn auf 173 Seiten stellt sie Persönlichkeitsprofile von diversen Cheftypen auf, die jeder – ob im Vorzimmer oder nicht – bereits einmal im Berufsleben angetroffen haben muss.
Von Narzisten, Cavemen, rollengezwungenen Wirtschaftslenkern und Ehemännern spannt sie den Neurosenbogen über den Vollstreckern und Clubmitgliedern bis hin zu den Scheinheiligen. Genau das ist die Skala,w elche die Autorin in ihrem Beruf bisher kennen gelernt hat. Natürlich geht sie auf der anderen Seite auch auf ihresgleichen ein, die sie ebenfalls in ironischer Manier kritisiert.
Dabei kommt sie zu folgendem Schluss für ihre Gilde: “Die wahre Kunst ist es, im Vorzimmer die goldene Mitte zu finden zwischen Nagellackfläschchen und Makro-Programmierung der Joint- Venture- Kostenanalyse.”
Es stellt sich nun die Frage, wann denn Bücher von Lehrern über ihre Schüler erscheinen. Mögliche Titel: “Mein Leben mit den Quälgeistern.” Andersrum wäre es natürlich auch möglich. “Der Penner vor der Tafel.”
Seien wir gespannt auf Folgeerscheinungen.
Mein Lieblingstitel wäre immer noch “Fragen Sie gar nicht erst Ihren Arzt, erschießen Sie gleich den Apotheker”
)))