Readers Edition bei Blogform Verlags GmbH

- Readers Edition - über das Projekt
Die Netzeitung bekommt eine neue Führung. Der bisherige Chefredakteur und Geschäftsführer Michael Maier übernimmt ein neues Unternehmen, die Blogform Verlags GmbH, und verlässt die Netzeitung. Gleichzeitig erwirbt Michael Maier die Readers Edition.
“2007 beginnt für die Netzeitung mit einem Wechsel in der Chefredaktion. Michael Angele und Matthias Ehlert führen das Blatt künftig als Doppelspitze. Der bisherige Chefredakteur Maier kauft die «Readers Edition».”
(Netzeitung: Neue Chefredaktion in der Netzeitung)
Die Readers Edition war bisher ein Projekt der Netzeitung, im Rahmen seiner Widmung für Web 2.0 Projekte erwirbt Michael Maier über die Blogform Verlags GmbH jetzt die Readers Edition. Weiterhin wird Michael Maier ab nächstem Februar ein mehrmonatiges Fellowship an der Harvard University antreten.










onlinejournalismus.de - Das Magazin zum Thema » Blog Archive » Maier setzt ganz auf die Bürger
[…] Nachtrag: Bei der Readers Edition selbst gibt es noch eine Informationen mehr: “Weiterhin wird Michael Maier ab nächstem Februar ein mehrmonatiges Fellowship an der Harvard University antreten.” . Und dann nebenher aus einer College-Garage die Readers Edition auf Trab bringen? […]
Peter Schink
Ich wünsche dem Projekt auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg.
U. Wilmers
also trennt sich die Netzeitung von der Idee, einen Bürgerjournalismus im Schlepptau zu ziehen. Vermutlich auch aufgrund der schlechten Qaulität eine gute Entscheidung.
sebastian
Das finde ich jetzt viiiel zu wenig Information. Was sagt die Netzeitung dazu? Warum passiert das? …
M. Maier
Ein wenig mehr Information kann ich gerne geben: Die Readers Edition ist ein ganz außergewöhnlich spannendes Projekt. Das kann man nicht nebenher betreiben, auch nicht im Schlepptau einer großen “Marke”. Wir werden uns der Readers Edition jetzt sehr intensiv widmen und wollen sie ausbauen. Als Portal für Bürgerjournalismus, aber auch als ein publizistisches Unterfangen, in dem Stimmen zu Wort kommen können, die etwas zu sagen haben.
Der Netzeitung werden wir weiter sehr freundschaftlich verbunden bleiben. Ich bin sicher, dass auch die Netzeitung das Thema Bürgerjournalismus weiter auf der Agenda hat.
Mich hat übrigens die Qualität vieler (sicher nicht aller) Artikel überzeugt, das Projekt zu kaufen. Hier ist nicht der gefürchtete Trash anzufinden, sondern ernsthafte und informative Auseinandersetzung mit interessanten Themen.
Vielen Dank für alle, die hier mitgewirkt haben - und eine herzliche Einladung an alle anderen mitzumachen. Hier wird etwa Neues entstehen!
Michael Maier
Vanity Care » Blog Archiv » Netzeitung und Readers Edition lockern Verbindung
[…] Dass ein Schnitt zwischen Profi-Journalismus-Seiten und Laien-Plattform erfolgt, wird durch einen Kommentar von Maier deutlich, den er zu einem Text zu diesem Thema in der “Readers Edition” geschrieben hat. Dieses Projekt könne man “nicht nebenher betreiben, auch nicht im Schlepptau einer großen ‘Marke’.” Der Netzeitung werde man “weiter sehr freundschaftlich verbunden” bleiben. […]
U. Wilmers
Gut, aber Bürgerjournalismus gibt es doch in Millionen von Blogs auch schon.
U. Wilmers
wenn ich das einmal anmerken darf: So einfach verkaufen lässt sich doch RE nicht inklusive aller Artikel. Die AUtoren haben zwar die Artikel kostenlos hier zur Verfügung gestellt, aber diese Nutzung RE als Anhängsel der Netzeitung übertragen und nicht irgend einem anderen Verlag. Auch ist mit der Zuverfügungstelung der Artikel auf speziell dieser Plattorm keine automatische Erlaubnis der Autoren ergangen, diese als Projekt dann an andere Verlage verkaufen zu können.
Im Prinzip kann nur der Name und die Idee verkauft werden, alle Autoren MÜSSEN bei einer solchen Transaktion die Möglichkeit erhalten, ihre Artikel zu löschen, wenn sie einen Übertrag nicht wollen.
Das sollten Sie schon in Ihre Verkaufsüberlegungen einbeziehen.
Es ist auch verwunderlich, dass ein Projekt, dass auf honoraloser Basis ein Gesamtprojekt aller hier Schreibenden ist und bei dem auch die Moderatoren ja vermeintlich ehrenamtlich agieren, plötzlich zu einem Vermarktungsobjekt mutiert.
Führungswechsel bei der Netzeitung » sunblogger - notizen aus einer norddeutschen werbeagentur
[…] » Original-Meldung » Via onlinejournalismus.de , hem-social media, injeala « Most popular: construktive Web2.0-Services […]
recipient
Also, als Autor käme ich mir auch verscheißert vor …
Und ich würde mich vor allem fragen, auf welche Weise denn zukünftig Einnahmen generiert werden sollen. Denn nur zum Vergnügen wird Herr Maier die Plattform, deren Wert im wesentlichen ja von dem unentgeltlich bereitgestellten Content bestimmt wird, wohl nicht gekauft haben.
@ U. Wilmers: Juristisch ist eine solche Übertragung vermutlich nicht zu beanstanden (Stichwort Rechtsnachfolge). Allerdings lassen sich Nutzungsrechte auch widerrufen. Deshalb wird wahrscheinlich hinter den Kulissen schon kräftig gebauchpinselt.
paule
“Das finde ich jetzt viiiel zu wenig Information. Was sagt die Netzeitung dazu? Warum passiert das? …”
Schreibt ein Kommentator und zeigt damit auf ein grundsätzliches Problem unserer Zeit.
Politiker wie Bürger betrachten Unternehmen als ob es eine Person wäre. Diese Entpersonifizierung ist unerlässliche Basis für die Verschleierung der Verantwortungslosigkeit der durchaus vorhandenen real handelnden Personen. (wobei ich dies nicht auf den hier behandelten konkreten Fall der netzzeitung und Readers Edition beziehe)
Nicht die Netzzeitung kann antworten sondern nur die Kapitaleigner und die Manager dort. Aus leidvoller Erfahrung wissen wir, dass Kapitalgesellschaften keine Charaktereigenschaften haben (Bosch ist sozial) sondern höchstens Führungspersonal, das keinen Bock hat nach Osteuropa oder noch weiter weg zu ziehen (Osram) und dann alle Mittel einsetzt die Kapitaleigner zur Beibehaltung des deutschen Standorts zu “zwingen”. Wie das überleben der Entwicklungsabteilung des ehemalgien Siemenswerkes am Standort Witten zeigt gibt es sogar seltene Fälle in denen Mitarbeiter so etwas erzwingen können.
Uli Starke
Also ich habe als kaotixx und als David schon mitgearbeitet.
Wie sieht es denn aus mit BILD-Reportagen.Da habt ihr ja noch nicht viel.M.E. fehlt das was Wichtiges siehe STERN und Co.
Euer kaotixx
Heinz-Peter Tjaden
…hoffentlich gibt es nun weniger aktuelle artikel auf halde. wenn aktuelle berichte einfach nicht veröffentlicht werden, verdirbt einem das irgendwann den spaß.
Fritz
Es kann nur im gemeinsamen Interesse der Leser, Autoren und wohl auch Moderatoren sein, wenn nun die Sache konsequenter und professioneller umgesezt wird.
Entscheidend ist doch nur folgendes:
1. Jeder der sich an den Richtlinien für Artikel orientiert
- http://www.readers-edition.de/wiki/artikel -, soll auch
weiterhin eine kostenlose öffentliche Plattform geboten bekommen.
2. Es wird verstärkt auf die Qualität geachtet, damit schludrig hingeschriebene, schlecht recherchierte Spaß- und Meinungsartikel den “sauber” arbeitenden Autoren nicht die Lust am Schreiben verleiden.
Dann werden sich auch zahlreich Leser und Autoren einfinden. Ob damit dann irgendwann Geld verdient wird kann Lesern und Autoren herzlich egal sein, solange die Sicht auf Artikel nicht durch Werbebanner versperrt wird.
recipient
“Ob damit dann irgendwann Geld verdient wird kann Lesern und Autoren herzlich egal sein […]”
Kann, muss aber nicht. Mir zum Beispiel ist es definitiv nicht egal, ob mit meinen Texten Geld verdient wird. Und wenn, dann verdiene ich immer mit. Womit wir wieder beim Thema Qualität wären. Ein Teufelskreis …
U. Wilmers
mit all diesen Kommentaren ist aber immer noch nicht geklärt, ob die Autoren-Artikel einfach so mitgeschleppt werden dürfen. Meines Erachtens muss hier eine Möglichkeit eingeräumt werden, die zur Verfügung gestellten Artikel zu löschen, bevor verkauft wird.
Limited
Zitat: “Meines Erachtens muss hier eine Möglichkeit eingeräumt werden, die zur Verfügung gestellten Artikel zu löschen, bevor verkauft wird”
Nun, wahrscheinlich habe ich weniger Anspruch als andere an die hier veröffentlichten Artikel - die ich in der Mehrzahl gelungen finde - aber warum sollen diese nicht weiter hier eingestellt werden - wer hier veröffentlicht/e hat doch zugestimmt dass dies unter dieser creative-commons-Lizenz geschieht.
Was natürlich bedeutet, dass egal wer Besitzer der RE ist, diese Artikel weiter verwenden kann.
Mir persönlich ist relativ egal, wer Besitzer der RE ist, wenn ich den Support weiter genießen darf (Lob an die Moderatoren - schleim;-)) und weiter meine Hobbyartikel veröffentlich kann. Aber ich bin ja auch nur Amateurautor, kein Journalist und will mit meinen Beiträgen ja auch kein Geld verdienen.
Wilhelm Ruprecht Frieling
Dem Kollegen Wilmers ist zuzustimmen: die Frage der Nutzungsrechte muss mit den Autoren zweifelsfrei besprochen werden, zumal jetzt offenbar die Kommerzialisierung des Projekts angegangen werden soll.
In der Sache selbst gibt es für die Autoren und sonstigen Mitwirkenden bis dato keinerlei Information.
Ein geeigneter Träger für die ReadersEdition wäre eine von wirtschaftlichen Einzelinteressen unabhängige Stiftung.
Prinz Rupi
[…] Wie der »Blogsdorfer Anzeiger« aus dem Kreis der bislang ehrenamtlich als Redakteure tätigen Moderatoren erfährt, wurden diese von der Transaktion zuvor nicht informiert und hängen jetzt in der Luft. Sie erhielten lediglich kurz zuvor den Text der Pressemeldung per E-Mail an »Dear all«. Die Moderatoren werden nun zu Mitarbeitern einer GmbH und fragen sich nach ihrer künftigen Entlohnung. Auch aus Kreisen der Autoren wird die Frage nach einer Entlohnung laut. […]
GeorgSeibt
Ja, klar muss den Autoren für gute Artikel gutes Geld bezahlt werden. Aber ich glaube, es wird von vielen Projektbeteiligen inklusive Autoren etwas wichtiges übersehen: Außer Readers Edition gibt es - wenn wir es als Community richtig weiter machen - keine einzige Plattform auf der bei gesicherter Qualität jeder Mensch Artikel veröffentlichen kann und mit Lesern oder als Leser selbst andere Artikel diskutieren kann. Das ist ein Riesenanreiz von übrigens ungeheurer langfristiger gesellschaftlicher und politischer Reichweite. Auch letzteres wird von der Mehrzahl der RE-Beteiligten aber auch der Blogger allgemein nicht beachtet. Es geht um mehr als um Geld. Wer Michael Maier kennt, weiß dass er nicht so naiv sein wird, zu glauben er müsse weder Moderatoren noch Autoren Geld bezahlen, obwohl er sich in der Gewinnzone befindet.
Aber für die Idee der Readers Edition darf durchaus zuerst Idealismus und Engagement von allen erwartet werden - bis vielleicht mal Gewinne sprudeln, was nicht mein Ziel sein muss; wer nur in erster Linie an Geld denkt und die gesellschaftlichen Tragweite des Projektes nicht erkennt, wird sich nicht überdurchschnittlich für eine Community einsetzen.
GeorgSeibt
Nachtrag
Meinen Beobachtungen nach, waren bei meinen früheren Projekten immer die am kreativsten, denen in erster Linie die Sache, nicht der Verdienst am Herzen lag; danach haben sie auch materiell davon profitiert.
U. Wilmers
@GeorgSeibt
daas kann doch jeder Autor halten wie er will. Also, wer meint, er soll schreiben ohne Bezahlung, okay! Umgekehrt ebne auch.
Hier geht es aber um eine Nutzung von Inhalten, die von den Autoren für RE als Bestandteil der Netzeitung zur Verfügung gestellt wurden. Wenn jetzt ein Wechsel stattfindet (es darf der Hinweis erlaubt sein, dass Herr Maier das Projekt sicher nicht nur aus reinem Idealismus macht), müssen die Autoren ein Recht erhalten, ihre Beiträge zu stornieren. Theoretisch könnte man sich ja ansonsten auf auch Plattformen widerfinden, die alles ander eal seriös sind, wenn das so einfach gehen könnte. Das ist siche rso nicht erlaubt, wie es hier gehandhabt wird.
Ich denke, die meisten Autoren belassen die Artikel doch ohnehin, insofern wirds kaum Verluste geben. Aber die Möglichkeit zum löschen muss schon sein. Und auch ein wesentlich deutlicherer Hinweis auf den Wechsel ist durchaus angebracht. Meines Erachtens hätten die Autoren einzeln angeschrieben werden müssen.
Also ich probiers mal mit direkter Ansprache:
Liebe RE,
bitte stellen Sie vor dem Verkauf der RE-Plattform den hier tätigen Autoren eine Möglichkeit zur Löschung ihrer Artikel zur Verfügung, wenn sie mit einr Vermarktung ihres geistigen Eigentums nicht einverstanden sind!
MfG
U. Wilmers
Sebastian Olényi
Also, generelle Diskussionen über Personifizierung von Unternehmen finde ich hier fehl am Platze und lenken nur vom Thema ab. Ein Unternehmen kann natürlich eine Meinung haben und sie durch seinen Pressesprecher kund tun…
Zur Löschung: Ein Text der unter eine freie Lizenz gestellt wurde kann dieser auch nicht mehr entzogen werden, denke ich.
Und Geld verdienen: Es war immer klar dass sich die RE durch Werbeeinnahmen und ähnliches einmal wird refinanzieren müssen. Gewinn ist da erst einmal nicht zu erwarten.
Schade, dass Okla - oder die Netzeitung zumindest in meiner Wahrnehmung nicht mehr hinter RE stehen bzw. nicht mehr bereit sind, die Entwicklungskosten weiterzutragen.
Zum Stiftungsgedanken: Selber machen. Oder einen Verein gründen.
Die Jugendpresse Deutschland würde sich an einer langfristigen Entwicklung eine Plattform besonders für jungen Journalismus beteiligen.
Teddykrieger
Wenn es da also keine Veröffentlichungserklärung, bzw. Rechteverwertungsabsprachen gibt, dann Gute Nacht… Es ist ja mal schon etwas anderes, ob jemand in einem Blog kommentiert oder für ein solches Projekt Artikel einreicht. Auch hier greift, so es eben solche o.g. Absprachen und kalsueln im Vorfeld nicht gegeben hat, ein Urheberschutz am Text, über den man sich mal Gedanken machen sollte.
Limited
Nun, die creative-commons Lizenz greift ja zumindes solange wie RE kein kommerzielles Projekt geworden ist.
Andererseits werden durch die fehlende Unterstützung der Netzeitung Mittel nötig, um den Support und die technische Infrastruktur zu gewährleisten und eine wie auch immer geartete Aussenpräsenz zu erreichen, die bislang durch die Anbindung an die Seiten der Netzeitung erreicht wurde.
Wäre mal ne Frage an einen Juristen, ob durch etwaige Werbeeinnahmen zum Erhalt der Infrastruktur aus der RE automatisch ein kommerzielles Projekt wird - dann erlischt wohl auch die cc Lizenz und die Autoren können eine Löschung/Bezahlung verlangen. Oder ob dies erst der Fall ist, wenn die Gewinnerzielungsabsicht vorrangig wird - inklusive Gewinnausschüttung an die Gesellschafter der GmbH.
Mir wäre das aber egal - sollte jemand versuchen mir für meine etwas unbedarften Artikel Geld auszuhändigen, reiche ich die gerne an eine Einrichtung wie die Jugendpresse Deutschland weiter. Kommerz sucks.
Limited
Da gab es doch vor kurzem einen Vorstoß von einem Typen namens Martin, der bereits nach Volontären für die RE gesucht hat.
Gerade mal gegoogelt - auf http://hemartin.blogspot.com/
findet sich z.B. Disclaimer: “In den letzten Monaten haben wir Michael Maier und Readers Edition bei der Planung und Vorbereitung der Readers Edition beraten”.
So ein wenig mehr an Aufklärung würde ich mir daher auch wünschen, da offenbar ein wie auch immer gerartetes Konzept dahintersteht und dies nicht nur eine “einfache” eigentümerfrage ist, sondern eine Strategie etwas neues zu probieren.
U. Wilmers
man fragt sich, warum auf die Reaktionen hier, abr auch meiner Aufforderung oben seitens der Redaktion nicht reagiert wird.
Maier
Lieber Herr Wilmers,
aus unserer Sicht ist ein solcher Übergang durch die creative commons Lizenz ziemlich klar gedeckt - wie ja zuvor auch schon in der Debatte erwähnt. Im übrigen ist meine Absicht, der Readers Edition eine Plattform zu geben, die den Betrieb wirtschaftlich sicherstellt. Das können die einzelnen nicht, dafür braucht es ein Medienumfeld (kostet Geld). Die Diskussion über die Honorierung einzelner Leistungen führen wir ja schon seit einiger Zeit - im übrigen auch ziemlich offen und transparent.
Für mich stellt sich jedoch zuerst die Frage: Wohin wollen wir mit Readers Edition publizistisch? Was können und wollen wir gesellschaftlich bewirken? Wenn wir gemeinsam ein Profil gefunden haben, können wir die Frage klären: Wer macht was und wer wird in welcher Form honoriert? Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass wir da einen Weg finden werden, der allen gerecht wird.
Michael Maier
PS: Die Frage wie die creative commons hier juristisch gelten, lassen wir gerade von Juristen prüfen. Sollten Sie die Löschung Ihrer Artikel wollen, bitte informieren Sie uns, dann werden wir das veranlassen.
Peter Schink
habe auch nochmal was dazu geschrieben :)
http://www.blogh.de/682
recipient
@ GEORGSEIBT
Im Zuge der Kurzmitteilung über den Verkauf und die Kommerzialisierung einer an sich nichtkommerziellen Publikation Idealismus und gesellschaftliches Engagement von den Autoren einzufordern, ohne diesen auch nur die geringste Information über die mit dem Betreiberwechsel verbundenen Pläne und Absichten zu geben, halte ich für ausgesprochen zynisch.
Ich habe in meinem Leben schon sehr viel aus idealistischen Beweggründen getan. Aber ich wusste immer, wofür! Der Hinweis, Herr Maier, Müller oder Schulze sei doch schließlich ein netter Kerl und meine es bestimmt gut, hätte mir nicht genügt.
Wobei ich die Idee an sich, eine solche Plattform unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu betreiben, nicht verwerflich finde. Kommt halt darauf an …
Was mich aber wirklich erschüttert, ist die armselige Kommunikation nach dem Motto “Friss oder stirb”, die ich als Respektlosigkeit denjenigen gegenüber empfinde, die das “Kaufobjekt” mit ihren Beiträgen überhaupt erst zum Leben erweckt haben.
Und das von Leuten, die Kommunikation doch als ihr Geschäft betrachten und die eigentlich wissen müssten, wie sich mangelhafte Informationspolitik auswirken kann.
Wenn ich hier Beiträge veröffentlicht hätte, dann würde ich sie bis auf weiteres zurückziehen und erst mal vernünftige Informationen über deren zukünftige Nutzung einfordern. Die umgekehrte Variante “Engagiert euch mal schön, wir sagen euch dann vielleicht irgendwann, wofür” fände ich höchst unbefriedigend.
Ich habe das Projekt “Readers Edition” von Anfang an mit großem Interesse verfolgt, kritisch zwar, aber im Kern durchaus wohlwollend. Beobachten werde ich es auch weiterhin, aber die Perspektive wird eine etwas andere sein.
Wagner
GerogSeibt, Pressesprecher des Herrn Maier, schleimst Du Dich hier in eine Volontärsstelle bei der RE ein?
Die ganze Sache ist nicht nur schlecht vorbereitet und amateurhaft kommuniziert: sie stinkt zum Himmel!
U. Wilmers
@ Maier:
Mit einer creative commons Lizenz erlaubt zwar, die Inhalt nutzen, damit handeln oder vervielfältigen dürfen Sie damit nicht, um „vertraglich geschuldete geldwerte Vergütungen“ oder finanziellen Gewinn zu erzielen. Es sei denn, s wird eine ausrückliche Erlaubnis hierzu erteilt.Diese ist aber nicht zwangsläufig mit einer creative commons Lizenz erteilt.
Diue RE wurde verkauft (Ihre Worte), damit hat das Projekt einen Geldwert bereits erzielt. Das Projekt wiederum wäre nichts ohne die Inhalte.
Insofern muss wohl jeder Autor tatsächlich zunächst gefragt werden, ob dr diee Lizenz auf einen neuen Eigentümer übertragen will.
Limited
Folgende Nachricht hat mich erreicht- ich hoffe damit keinen Vertrauensbruch zu begehen, aber weitgehend ist die Email sehr unverbindlich und referiert eher die schon bekannten Gedanken:
Zitat: “die Readers Editions sorgt zu Weihnachten für eine Überraschung: Sie wechselt den Träger und ist nun nicht mehr ein Beiboot der Netzeitung (meiner alten company), sondern das Flaggschiff meiner neuen company: Der Blogform Verlags GmbH.
Warum dies? Ich denke, dass die Readers Edition ein großartiges Potenzial hat. Leser, Bürger, melden sich zu Wort; mischen sich ein in die Gesellschaft; brauchen nicht mehr zu hoffen, dass irgendwer ihr Anliegen druckt, sendet oder online stellt. Diese Entwicklung verändert den Journalismus fundamental, und sie verändert die Gesellschaft fundamental.
Für alle Beteiligten kann dies positiv sein: Für die Bürgerinnen und Bürger, für die Journalisten und am Ende vor allem für die Gesellschaft.
Allerdings kann eine ernsthafte Entwicklung zur “fünften Gewalt” nicht auf dem Level der Hobbygärtnerei erfolgen. Mir schwebt eine Verschränkung von Bürgerjournalismus und professionellem Journalismus vor. Die Readers Edition muss interessant, spannend, korrekt sein - und immer an den Leser denken!
Viele gute Artikel und die engagierte ehrenamtliche Mitarbeit von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen hat die Readers Edition auf einen guten Weg gebracht. Vielen Dank an alle, die bisher mitgemacht haben.
Mit der neuen Struktur möchte ich die Readers Edition stärken und gemeinsam mit Ihnen weiterentwickeln. Ich würde mioch freuen, wenn Sie uns Ihre Ideen, Anregungen und Vorstellungen in den kommenden Wochen mitteilen - gerne auch als Beitrag in der Readers Edition.” Zitat Ende
Für mich sieht das so aus, als wenn es noch kein klares Konzept gibt und ich aufgefordert werde eigene Gedanken zu entwickeln und mitzuteilen.
Als erst Konzept und dann Detailfragen zu etwaiger Vergütung etc.
Also so direkt gefragt zu einem zukünftigen Konzept muss ich passen ;o) - aber vielleicht hat ja jemand schon Überlegungen in petto - aber natürlich würde ich auch gerne noch wissen, welche konkreteren Gedanken über die doch sehr vage gehalten Aussage der Verschränkung von Profi -und Bürgerjounalismus von Seiten der neuen Eigentümer vorliegen.
Wilhelm Ruprecht Frieling
@ Limited:
Es gibt eine Vielzahl von konkreten Vorschlägen, die Blog-öffentlich wie auch auf den Stammtischen gemacht wurden. Davon wurde nahezu nichts umgesetzt. Allerdings kam von wechselndem Personal das Versprechen, es werde sich bald alles ändern. Diskussionen über die RE wurden bislang stets von aussen, ich erinnere an meinen Beitrag “Readers Edition in der Krise” initiert. Wer jetzt nach ideen, Anregungen und Vorstellungen fragt, scheint die bisherigen Vorschläge nicht zu kennen und möchte wieder bei Null beginnen.
UPLOAD » “Readers Edition”: Diskussion um weitere Ausrichtung
[…] So mancher Autor scheint über den Besitzerwechsel der Leserzeitung “Readers Edition” nicht gerade begeistert. Hintergrund: Der Chefredakteur der Netzeitung, Michael Meier, gibt diesen Posten zum Jahresende auf und kauft das ehemalige Nebenprojekt Readers Edition. Gemeinsam mit Hugo E. Martin und anderen wird an einer Neuausrichtung des Projekts gearbeitet. In der Diskussion zu einer entsprechenden Meldung geht es vor allem um die Fragen: Dürfen die Artikel einfach übernommen werden? Wird die Readers Edition nun ein kommerzielles Produkt? Und warum sollten die Autoren dann weiterhin kostenlos arbeiten? Michael Maier antwortet direkt vor Ort. Wer seine Artikel gelöscht haben möchte, könne sich melden. Über die Zukunft des Projekts werde beraten und um eine Plattform, die “den Betrieb wirtschaftlich sicherstellt”, werde es auch gehen. Details verriet Michael Maier allerdings noch nicht. Siehe dazu auch Michael Maiers E-Mail an die Autoren. Hintergründe zu Michael Maiers Wechsel zur Readers Edition. […]
Limited
@ Frieling
Zitat: “Wer jetzt nach ideen, Anregungen und Vorstellungen fragt, scheint die bisherigen Vorschläge nicht zu kennen und möchte wieder bei Null beginnen”
Sie mögen es mir verzeihen, aber mir sind zwar wolkige Ideen bekannt, aber keine konkreten praktikablen Ansätze, etwa zur o.g. Verschränkung von Profi- und Amateurjournalismus im Rahmen der RE - vielleicht helfen Sie mir etwas auf die Sprünge?
Limited
Ich habe mir die Aufforderung zur konstruktiven Mitarbeit und den Hinweis auf Anregungen und Vorstellungen zu Herzen genommen.
Da die Veröffentlichung in der RE mitunter doch etwas länger dauert, möchte ich auf den Beitrag in meinem Blog hinweisen:
http://limited.blog.de/
Vielleicht enthält mein Brainstorming ja Punkte, zu der jemand einen Kommentar hinterlassen möchte.
Readers Edition » Readers Edition - ein bunter Strauß virtueller Federn
Hier der Artikel von Limited auf Readers Edition
[…] Kommentare dazu bitte hier beim Artikel von Frank Hamm zu Readers Edition veröffentlichen, damit die Diskussion besser nachverfolgt werden kann und sich nicht unnötig auf verschiedene Seiten verteilt. […]
Obiges wurde hier aufgrund technischer Gründe eingeblendet.
Das heißt, Kommentare zum verlinkten Artikel sollten aus oben angeführten Gründen hier unten eingetragen werden.
Heinz-Peter Tjaden
Das Wichtigste ist mir: Hier sollte sich nicht die “Schweigespirale” drehen. In Zeitungs-, Zeitschriften-, Radio- und TV-Stationen funktioniert die so: Ein “Neuer” verfasst Beiträge und stellt fest, dass sie nicht gedruckt bzw. nicht gesendet werden. Also übelegt er, woran das liegt. An der Qualität seiner Beiträge? Der Neue liest, hört, sieht und vergleicht: An der Qualität kann es nicht liegen. Eines Tages stellt er fest: Es liegt am Inhalt, an Themen und Meinungen, von denen an der Redaktionsspitze niemand etwas hören will. Danach schreibt der “Neue” den anderen nach dem Mund und nach den von ihnen vertretenen Interessen - und schon werden seine Beiträge gedruckt bzw. gesendet. Wichtig ist natürlich auch die finanzielle Basis und von allen hier immer das redaktionell Beste ohne jede Bezahlung erwarten, kann auf Dauer nicht funktionieren…
Bernhard Fütterer
@ Heinz-Peter Tjaden
seit ich als Moderator engagiert bin (Anfang August) und wohl auch vorher wurde kein Artikel wegen einer unliebsamen Meinung vom Moderatorendesk gelöscht. Wenn Artikel nicht veröffentlicht werden, liegt das in erster Linie daran, dass sich Autoren nicht an diesen Regeln orientieren: http://www.readers-edition.de/wiki/artikel
Bei sehr aktuellen Artikeln bleibt manchmal nicht die Zeit, in oftmals mühevoller Abstimmung mit Autoren Artikel den gewünschten Qualitätstandarts anzupassen.
In absolut wenigen Ausnahmefällen hatten die ehrenamtlichen Moderatoren wohl aufgrund anderer Arbeits- und Studienbelastung nicht rechtzeitig auf Artikeleingaben reagiert und diese Artikel mangels Aktualität dann nicht mehr veröffentlicht.
Diese Fälle kann man jedoch an einer Hand abzählen.
Grundsätzlich zeigt meine Erfahrung als Moderator bisher:
In erster Linie werden Artikel abgelehnt, weil Autoren sich beim Verfassen ihrer Artikeln entweder sehr weit von unseren Qualitätsanforderungen entfernt haben (hier ist der Arbeitsaufwand für unbezahlte Moderatoren unverhältnismäßig hoch und die Freude an der und die Motivation zur Redigierarbeit entsprechend niedrig) oder nicht auf unsere Veränderungsvorschläge eingehen.
Insgesamt überlegen wir gerade, wie wir den Moderationsablauf verbessern können.
Dazu gehört dann auch ein entsprechendes redaktionelles Konzept.
Dies ist meine persönliche Sichtweise und Erfahrung und muss nicht identisch sein mit der Ansicht anderer Moderatoren und Beteiligten an Readers Edition.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir für alle “Bereiche mit Optimierungsbedarf” gemeinsam - auch durch Anregungen der Leser und Autoren - die richtigen Lösungen finden werden.
Bernhard Fütterer
Moderator
Thomas Brackmann
Meiner Meinung nach stellt der sogenannte Bürgerjournalismus eher die 6. Gewalt dar. Denn die immer stärker dominierende PR ist die eigentliche 5. Gewalt im Staat.
Wie in einem Artikel des Spiegel zu lesen war, werden z.b. in den USA derzeit bereits 40 Prozent aller veröffentlichten Artikel durch PR Agenturen geschrieben und über die klassischen Medien lanciert. Tendenz zunehmend.
Limited
@ Thomas Brackmann
Mir ist aus dem politikwissenschaftlichen Umfeld bekannt, dass dort dem Lobbyismus die Stellung als 5.ter Gewalt zugesprochen wird - da wäre PR wohl zu subsumieren.
Generell halte ich aber Bürgerjournalismus und Blogs für Anzeichen, die auf eine gewisse Unzufriedenheit mit den Mechanismen der 4.te Gewalt - der etablierten Presse - hindeuten. Offenbar sind viele Menschen zunehmend nicht mehr mit der an sich zu erwartenden Korrektur - und Aufklärungsfunktion professioneller Journalisen zufrieden.
Hinzukommt mit Sicherheit auch noch Geltungsbedürfnis, Eitelkeit und das Bedürfnis “randständige” Themen besser repräsentiert zu sehen.
Aber ein Projekt, das die Stärken von Profi- und Bürgerjournalismus verbindet, wäre m.E. sehr spannend.
Es irritiert mich allerdings ein wenig, dass so wenig konstruktive Ideen dazu vorgebracht werden.
paule
Sebastian
eine generelle Diskussionen über Personifizierung von Unternehmen finde ich hier sehr wichtig. Ein Unternehmen kann natürlich eine Meinung veröffentlichen, aber Autoren der Meinung bleiben Menschen mit persönlichen Interessen, die es zu hinterfragen gilt.
Im vorliegenden Fall hat ein Mensch seine Firmenanteile an der einen Firma verkauft und einen Teil dieser Firma vollständig gekauft. Warum weiß bisher kein Mensch, noch weniger wo die Reise hingeht.
Statt dessen werden Statement von einem Gebilde, dass nur aus wenigen Bytes in eines Gewerberegisters besteht, so zitiert als hätte ein Mensch gesprochen.
randa
“Gegenüber dem Bürgerjournalisten hat der “Profi” jedoch auch einige zusätzliche Pfeile im Köcher.
Er kennt die Regeln einer eingängigen, interessanten und interessierenden Argumentation in der Regel besser”
-> der aus dieser Weisheit generierte Einheitsbrei ist doch gerade die Schwäche des traditionellen Journalismus.
“Eine weitere Stärke ist es, die Relevanz und Seriosität von Quellen bei Themen von allgemeinen Belang, etwa aus dem Bereich Politik und Sport besser einschätzen zu können. ”
-> Wenn Profireporter tatsächlich das Gespinst begreifen, so verschweigen sie es ihren Lesern, Zuhörern und Zuschauern aber ganz konsequent.
Dieter Petereit
Meine Meinung direkt zum Thema: Michael maier und die Readers Edition
Meine Meinung zum Bürgerjournalismus: A Devil Called Bürgerjournalismus
Dieter Petereit
Sorry, ersten Link nicht richtig gesetzt…
Meine Meinung direkt zum Thema: Michael Maier und die Readers Edition
recipient
@ LIMITED
Ich habe mir erlaubt, Ihren Beitrag auch Ihrem Blog zu kommentieren, da eine Diskussion ÜBER die Readers Edition m. E. dort mehr Sinn macht:
http://limited.blog.de/2006/12/21/readers_edition_ein_bunter_straus_virtue~1465535
Eine Diskussion MIT der Readers Edition würde ja deren aktive Beteiligung voraussetzen, was in diesem Fall hieße, als Grundlage einer möglichen Auseinandersetzung erst mal Input zu den eigenen Vorstellungen zu geben.
Limited
@ Recipient
Danke für ihre sehr interessanten Ausführung. Ich habe mir die Freiheit genommen, dann auch dort zu antworten.
GeorgSeibt
@Recipient
Was oder wer ist die Readers Edition denn?
Als Autor verstehe ich wie viele andere Beteiligten die Readers Edition als Community aller Autoren, Leser, Moderatoren und Kommentatoren.
Sie wissen doch gar nicht wer sich hinter irgendwelchen Namen hier verbirgt, wenn Sie sagen, es gebe keinen Input seitens Readers Edition. Vielleicht wird das zukünftige Konzept von Readers Edition unter Einbindung einiger hier gesammelten Anregungen erst dann vorgestellt, wenn vorher die Kapazitäten zum sofortigen Beginn der Umsetzung organisiert sind.
recipient
“Was oder wer ist die Readers Edition denn?”
Gute Frage …
In diesem Zusammenhang sind aber natürlich erst mal “Funktionäre” und vor allem Entscheidungsträger gemeint. Also die Personen, die die Zügel in der Hand halten und letztlich den Kurs bestimmen (werden).
Ich sehe oben einen Artikel, der kurz und knapp über den Verkauf der Readers Edition informiert. Und ich erinnere mich an einen etwas länger zurück liegenden Beitrag, in dem von der konzeptionellen Überarbeitung unter Mitwirkung eines gewissen Herrn Martin berichtet wurde.
Es ist wirklich nicht so, dass ich persönlich beleidigt wäre - ich beobachte das aus einer eher professioneller Perspektive -, aber gestatten Sie mir die (ernsthafte!) Frage, wie Sie denn eigentlich darauf kommen, dass externe Meinungen bei diesem Prozess wirklich ernsthaft gefragt wären? ;-)
Sebastian Olényi
Also kommunikativ ist der Umgang der Autoren wirklich noch immer nicht ideal. Ich würde mir wünschen, dass hier - auch Herr Maier - einen professionelerer Umgang stattfinden würde.
Abschweifungen wie Fragen zur Personifzierung von Unternehmen und andere Themen sind fehl am Platze. Diese Kommentarfunktion hier ist auch keine richtige Diskussionskultur, ein Forum wäre wünschenswert.
Außerdem fehlen mir Informationen zu den Themen:
- Kommerzialisierung - welche Dimension ist für die RE geplant, hauptamtliche Angestellte, …?
- Zeitplan - wann wird es mehr Informationen geben, wie kann man konkret an der Weiterentwicklung mitwirken, was bedeutet der Verkauf personell? Wird Grothe Solveig bleiben?
- Was war der Beweggrund der Netzeitung die RE zu verkaufen - zu kostspielig, kein Glaube mehr an das Potential, oder eine Gefälligkeit/Abfindung an Herrn Maier?
Intransparenz und Unsicherheit erstickt genau das ehrenamtliches Engagement schnell wie es Bürgerjournalismus erfordert. Mehr Energie auch jetzt über die Feiertage in Kommunikation stecken - und meiner Meinung nach auch die Möglichkeit einer konstruktiven Diskussion außerhalb von Blogkommentaren bieten, die dafür wahrlich keine gute technische Möglichkeit sind. Ein Forum wäre ideal, da kann man auch mehrere Diskussionsstränge aufmachen, zur Kommerzialisierung, zu inhaltlicher Weiterentwicklung, zu Kritik und Lösungsvorschlägen und meinetwegen auch zum Thema Personifizierung von Unternehmen…
GeorgSeibt
Wann wollen wir hier überhaupt von Kommerzialisierung sprechen?
Wenn der Aufwand für die technische Plattform, Workshops der Moderatoren, usw. durch welche Einnahmen auch gegenfinanziert wird, weil es niemand gibt, der Lust hat Jahr für Jahr Geld zuzuschießen?
Wenn einige der Autoren und Moderatoren nicht ewig zum Teil erheblichen Aufwand für die Readers Edition aufbringen wollen, und daher ab einer bestimmten Grenze eine Entschädigung für ihre mitunter hochwertige Arbeit bekommen?
Wenn ein Projektleiter ordentlich bezahlt wird, der alles koordiniert und zusammenhält?
Peter Schink und Grothe Solveig wurden offenbar mit interessanten Angeboten abgeworben?
Wenn jemand, z.B. Michael Maier, „unternehmerisches“ und finanzielles Risiko eingeht, eine 60-70 Stundenwoche für dieses Projekt auf sich nimmt, anstatt in der gleichen Arbeitszeit woanders gutes Geld zu verdienen und dafür aber eben auch eine „Aufwandsentschädigung“ und Risikoprämie erwartet?
Erwartet Michael Maier das überhaupt?
Es werden den handelnden Personen von einigen Seiten selbstverständlich „kapitalistische“ Motive unterstellt, ohne überhaupt zu reflektieren, ob diese nicht in erster Linie Freude an der Realisierung eines absolut innovativen Medienprojektes haben könnten, das langfristig weitreichende gesellschaftliche und politische Folgen haben kann – positiver Art. Auch wenn schon jetzt ein Konzept veröffentlicht wäre, würden – wie ich meine Pappenheimer kenne – einige wieder Zweifel anmelden, ob nicht noch anderes dahinter steckt.
Sind beispielsweise Pharmazieunternehmen deshalb verwerfliche Organisationen, weil sie mit lebensrettenden Medikamenten Geld verdienen möchten, anstatt sie zu verschenken oder zum Sebstkostenpreis abzugeben?
Einige scheinen einen – nicht besonders reflektierten – „antikommerziellen“ Reflex (Reflexe könnten zumindest im Nachhinein überdacht werden) in ihrem Inneren mitzuschleppen und anzunehmen, nichts, das mit Geldflüssen – mit oder ohne Rendite – verbunden ist, könne einen immateriellen Wert haben.
Vielleicht finden diese über die Feiertage mal Zeit, zu überlegen, ob man dann nicht, logisch weitergedacht, so gut wie alle Kirchen, Hilfsorganisationen und sonstige Initiativen einschließlich Greenpeace abschaffen müsste.
Dieter Petereit
@Georgseibt: Krude Ansichten haben Sie, das kann ich Ihnen bescheinigen. Weiterbringen diese die Diskussion jedenfalls nicht.
Im Falle RE dürften sich in finanzieller Hinsicht nämlich ganz schnell tatsächliche Probleme zeigen, die mit dem Philosophieren über den Begriff der Kommerzialisierung nicht gelöst werden können. Wir werden sehen, wer dann wie lange bereit ist, immer weiter Geld da rein zu pumpen. Projekte wie RE sind in Vereinen oder Stiftungen besser aufgehoben. Da ist auch das Fundraising leichter.
Ich wage mal eine Prognose: Die RE ist so gut wie tot!
GeorgSeibt
@Dieter Petereit
Ist das die Prognose eines Medienexperten oder haben Sie tief in die Glaskugel geschaut? Argumente kann ich dabei keine erkennen, warum es sich nicht lohnt in Readers Edition ideell zu investieren oder es zu einem sich selbst tragenden Projekt zu machen.
Dieter Petereit
Medienexperte klingt so überheblich. Ich habe allerdings zur Jahrtausendwende auch selber schon einige große und erfolgreiche Internetprojekte in die Kommerzialisierung überführen müssen und kenne die Probleme sehr genau.
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[…] Dr. Michael Maier, founder of Netzeitung, the 7-year-old online-only newspaper serving Germany, is leaving to come over here for a Shorenstein fellowship at Harvard, I’m glad to report (for our sake). On the way out, Maier is buying the networked journalism project he started there, Readers-Edition.de, as a platform for German-language citizen journalism (Bürgerjournalismus) and the flagship for a new venture, Blogform Publishing, bringing Web 2.0 to journalism. Maier is a accomplished journalist — former editor of the Berliner Zeitung, Stern, and Vienna’s Presse — and an experienced entrepreneur, so I look forward to seeing what evolves. (Here’s my Guardian column about Maier, Netzeitung, and Readers-Edition.) He sent an email to Readers-Edition writers (if I get the translation right) saying: “I believe that Readers Edition has great potential. . . . This changes the journalism fundamentally and it changes the society fundamentally.” Interesting that in the comments on the announcement at Readers-Edition, there was much discussion of payments. Which leads me to this. . . . […]
Readers Edition » Bürgerjournalismus goes Netzwerkjournalismus?
[…] Dahingehend müssten diese Wünsche aber noch detaillierter ermittelt werden - etwa quantitativ, wenn man die oben genannten Themenvorschläge aus Ausgangsbasis für ein quantitatives Sampling nimmt oder man müsste qualitativ, etwa über narrative Interviews mit ausgewählten Lesern deren Interessen an ein Projekt des Netzwerkjournalismus erfragen. ——— Auch an der Stelle würde ich vorschlagen, die Kommentare hier beim Artikel von Frank Hamm zu Readers Edition veröffentlichen, damit die Diskussion besser nachverfolgt werden kann und sich nicht unnötig auf verschiedene Seiten verteilt. […]
Alexander Trust
Stichwort Aktualität: Wenn es darum geht, Aktualität als Primat zu sehen, dann wird sich daraus kein gemütlicher Bürgerjournalismus ergeben. So sehr man dieses Projekt zu kapitalisieren versucht, es ist nicht gerade der Weg.
Stichwort Trägheit: Wie zäh die Verhandlungen sind, und dass davor nicht passierte und dafür dann jetzt alles anders werden soll, was ich nicht glaube - es hängt, so denke ich, damit zusammen, das hier zwei Lager aufeinander stoßen. Journalisten “ticken” anders, als manche derjenigen, die sich in der Vergangenheit für das Projekt engagiert haben. So zumindest denke ich.
@Georg Seibt: Da Herr Maier in USA weilt und dort Gastvorträge hält, wird er wohl schwerlich die von Ihnen angemerkte Zeit für das Projekt investieren können.
XiongShui
Da mir das Thema von allgemeingültigem Interesse schien und ich doch etwas ausführlicher Stellung beziehen wollte, habe ich es auf meiner Seite kommentiert.
: XiongShui
paule
@Georgseibt völlig richtig was sie sagen. Mich hat auch sehr gewundert warum jemand für RE, das keine erkennbaren Einnahmen erzielt auch noch Geld zahlt.
Da wäre ich schon sehr an der Lebensgeschichte des Käufers und an einen Einblick in die Bücher interessiert.
Es ist schon spannend zu beobachten, dass über eine Internetseite für Bürgerjournalismus so wenig Interna bekannt sind. Insbesondere das auch nach dieser heftigen Diskussion hier der Besitzer keinen anständigen Artikel aufsetzt aus dem für alle beteiligten ersichtlich ist wer hinter RE steckt und was die Ziele sind.
Wie immer wenn reale Personen sich hinter entpersonifizierten Gebilden verstecken, ist Vorsicht angesagt.
Vielleicht dient RE nur irgendeinem Propagandainstitut als Frühwarnsystem um so rechtzeitig in traditionellen Medien von vorhinein schon die “richtigen” Antworten auf Themen zu geben, bevor sie traditionellen Journalisten auffallen.
Es könnte natürlich auch arabische Terroristen dahinterstecken, die erkunden wollen, wo Propaganda ansetzen muss, damit zumindest Teile der westlichen Bevölkerung auf ihre Seite gezogen werden.
E
paule
Aber lassen wir mal die Verschwörungstheorien beiseite, und glauben wir die Verantwortlichen von RE wollen wirklich einen neuen Weg finden, der wieder mehr unabhängigen Journalismus möglich macht.
Dann ist RE als Marke und mit seiner Autorenschaft dazu gut geeignet.
Aber dann ist natürlich auch klar, es muss Geld her für den technischen Betrieb, die Administration und die Haftungsrisiken. Ist das gegeben, kann und muss eine Autorenvergütung her. Dabei sollte man aber, anders als traditionelle Verwertungsgesellschaften, auf ein Qualitätskonzept setzen. Also nicht eine Bezahlung nach Views oder durch pauschale Abgaben die von Drucker und PC-Besitzern erbracht werden.
Es sollte Bezahlung nach der Bewertung durch die Leser erfolgen.
U. Wilmers
Zitat Paule: “Es könnte natürlich auch arabische Terroristen dahinterstecken, die erkunden wollen, wo Propaganda ansetzen muss, damit zumindest Teile der westlichen Bevölkerung auf ihre Seite gezogen werden.”
Ein solches Dummgeschwafel sollte verboten werden. Was geht in manchen Köpfen nur vor? Einfach mal im Impressum nachsehen, wer hinter dieseem Projekt steht und im Zweiflesfall die Klappe halten.
Rolf Ehlers
@Limited schreibt:
“Dies referiert zum einen auf den Vertrauensverlust, den nahezu alle gesellschaftlichen Institutionen, wie z.B. die etablierte Presse, Parteien und Politiker, Wissenschaft und Religion erfahren haben.”
Wie wahr! Und warum ist das so? Weil die abgewirtschaften verbürokratisierten Werteverwalter in Staat und Gesellschaft gerade noch so viel Macht haben, dass sie mit Hilfe der gleichgeschalteten Medien ihre Unterwerfung unter die wirtschaftlich Mächtigen notdürftig verbergen können.
Es hängt vom Menschenbild ab, sich eine wesentliche Verbesserung vorzustellen.
Die Initiatoren der RE sind ganz offensichtlich davon überzeugt, dass in den Menschen viel Gutes und Interessantes schlummert, was zu wecken sich lohnt.
Auf dieser Basis lohnt es wirklich, Bürgerjournalismus und professionelle Schreibkunst miteinander zu verbünden. Ich sehe weit und breit keinen besseren
Ausgangspunkt für die lange Reise in die Wissensgesellschaft. Kreativität, Wissen
und Können braucht auch Publizität um sich entwickeln und verbreiten zu können!
Der unerlässliche Katalysator hierfür ist ein offener engagierter Journalismus, der
seinerseits durch die Vielfalt der Themen der schreibenden Öffentlichkeit angeregt
immer wieder tieferen Zugang zu Sachthemen erhält.
Rolf Ehlers
Eine Juristenmeinung zum “Verkauf” der RE:
Wir Außenstehenden kennen nicht die Absprachen unter den bishgerigen Betreibern
der RE. Wir haben uns dafür auch nicht interessiert, haben uns vielmehr gefreut, dass da eine Riesenlücke gefüllt wurde - Blogs mit dem ewigen Hin und Her von Statements sind dazu nicht geeignet.
Alle die in der RE geschrieben haben, haben der Nutzung ihrer Beiträge in dieser offenen Zeitung zugestimmt. Das gilt ohne Frage ohne Rücksicht darauf, wer Betreiber ist. Niemand hat das Recht, einen Beitrag zurückzuziehen, weil die bisherigen Inhaber sich geeinigt haben, dass einer von ihnen als alleiniger Inhaber weiter macht.
Die Beiträge sind übrigens nicht mitverkauft worden, sondern nur das Recht, sie in
der vorliegenden Zeitung abzudrucken (ichhabe allerdings nicht die AGB der RE
geprüft; wenn da etwas Verständliches Anderes bestimmt ist, mag auchdas gelten).
Die RE hat auch im Verhältnis zu ihren Autoren das Recht, einen Betriebsgewinn
anzustreben. Wenn ihre Betreiber einen Weg finden, mit der Zeitung auch Geld zu
verdienen - warum denn nicht? Schwer genug ist das ohnehin! Argentum non olet.
paule
U. Wilmers gerade weil ich im Bewustsein um die Reaktionen, die medial geächteten Verschwörungstheorien als Beispiel für die Folgen von Intransparenz gewählt habe, ist das kein Dummgeschwafel.
Da ist die Schäfchenmentalität gefährlich, die glaubt aus einem Impressum, dass letztendlich nur Adressdaten enthält, etwas über die Motivation der Beteiligten sagen zu können.
Eben weil Rolf Ehlers Recht hat, dass mit RE bisher kein Geld verdient wurde, ist eine Antwort auf die Frage warum kauft ein Mensch eine Onlinezeitung mit freiwilligen Autoren mehr als berechtigt.
Gibt es externe Unterstützung gleich welcher Art ? Reicht seine Schatulle um das Projekt dauerhaft zu sichern ? Wie verhindert er Frustreaktionen, falls er eine geniale Idee hat, durch die er mit der freiwilligen und unbezahlten Arbeit etlicher Autoren ein Vermögen macht ? Ist es ihm vielleicht sogar egal, das RE-Autoren die Arbeit einstellen, wenn er RE beispielsweise an einen Großverleger verkauft ?
Warum äußert sich der neue Besitzer nicht offiziell und detailliert ?
Eigentlich könnten doch gerade unbezahlte Journalisten, kritischer den Titel hinterfragen, der von ihrer Arbeit lebt. Warum haben die Angst davor ?
recipient
@ Rolf Ehlers
Herr Maier hat gut daran getan, sich nicht auf formaljuristische Positionen zu berufen (und damit möglichwerweise schlafende Hunde zu wecken), sondern von sich aus anzubieten, Beiträge entfernen zu lassen, sollten die jeweiligen Autoren es wünschen.
Mit Ihrer Argumentation hätte er sich wahrscheinlich viele zusätzliche Probleme eingehandelt.
Ich bin zwar kein Jurist, als Produzent urheberrechtlich geschützter Werke aber (gezwungenermaßen) immer wieder mit dem Thema konfrontiert. Deshalb würde mich sehr interessieren, wie Sie Ihre Aussage, niemand habe das Recht, einen Beitrag zurückzuziehen, begründen.
In den “Teilnahmebedingungen”, die Sie ja sicher geprüft haben, heißt es:
“2. Das [Die] Rechte an sämtlichen Inhalten der ‘Readers Edition’ sind durch eine Creative-Commons-Lizenz geregelt (siehe auch Creative Commons). Demnach ist die Weiterverwendung der Texte und Fotos zu NICHT-KOMMERZIELLEN Zwecken erlaubt.”
Sie selbst schreiben im letzten Absatz: “Die RE hat auch im Verhältnis zu ihren Autoren das Recht, einen Betriebsgewinn anzustreben.”
Die Readers Edition selbst nutzt die Texte also augenscheinlich nicht CC-konform. Zumal sie ja weitere Rechte beansprucht, die nicht durch die CC-Lizenz gedeckt sind. Denn dort wird lediglich die namentliche Nennung des Autors bei einer Nutzung verlangt, während die RE in ihren Lizenzbedingungen schreibt: “[…] Sie müssen den Autor des jeweiligen Textes und den ursprünglichen Veröffentlichungsort “Readers Edition” nennen. […]”
Ich kann mir Ihre Juristenmeinung deshalb nur so erklären, dass es weitere Vereinbarungen zwischen der Readers Edition und den Autoren geben muss, von denen ich als Außenstehender nichts weiß. Denn meiner Laienmeinung nach gäbe es nach den für mich zugänglichen Informationen gleich mehrere Gründe für das Recht, einen Beitrag zurückzuziehen (sprich: das Nutzungsrecht zu widerrufen). Wobei das natürlich nur die Readers Edition direkt betreffen würde, nicht etwaige weitere Nutzer, solange diese sich an die Bedingungen der CC halten.
Übrigens war die Problematik der Nutzungsrechte für mich der entscheidende Grund, keinen Beitrag bei der Readers Edition zu veröffentlichen, wie ich in einem früheren Kommentar schon mal bemerkt habe. Das ist keine Frage des Geldes, sondern der Kontrolle. Ich möchte selbst bestimmen können, wer meine Texte wann zu welchen Zwecken nutzt. Erst recht, wenn er Einnahmen damit erzielen will.
Aber das nur nebenbei. Denn Herr Maier hat wie gesagt mit seinem Statement ja in weiser Voraussicht dafür gesorgt, dass Fragen zum Nutzungsrecht in der aktuellen Diskussion keine entscheidene Rolle mehr spielen. Es gibt ja auch wirklich genug andere Baustellen.
XiongShui
Herr Ehlers,
Ihre “Juristenmeinung” ist in mehrfacher Hinsicht falsch:
Die Autoren haben nicht der Nutzung in “dieser Online- Zeitung” zugestimmt, sondern ihre Artikel unter der CC- Lizenz zur Verfügung gestellt. Die CC- Lizenz gestattet ausdrücklich nur die NICHT- kommerzielle Nutzung.
Wenn sich nun die Grundlage der Zurverfügungstellung ändert, bleibt davon die Genehmigung zum Druck- resp. Onlinestellung nicht unberührt (dem hat Herr Maier, wie von “Rezepient” schon erwähnt Rechnung getragen).
Unter diesen Bedingungen hat ein Autor sehr wohl das Recht, seine Beiträge zurückzufordern (bzw. deren Löschung zu verlangen).
Die RE hat nur dann “das Recht, einen Betriebsgewinn (mit der Arbeit ihrer Autoren) anzustreben”, wenn ihr dieses Recht durch eine Verwertungsrechteabtretung eingeräumt wurde. Dies ist bei der CC- Linzenz regelmäßig nicht der Fall.
: XiongShui
ach ja, das Zitat lautet richtig: “pecunia non olet”.
Limited
@ Paule
Ziat: “Eigentlich könnten doch gerade unbezahlte Journalisten, kritischer den Titel hinterfragen, der von ihrer Arbeit lebt. Warum haben die Angst davor ?”
Ich kann ja nur für mich sprechen - aber ich halte die RE für ein spannendes Projekt und daher haben diejenigen, die es weiterführen wollen von mir einen Vertrauensbonus (der jdoch auch einmal aufgebraucht sein wird). Angst hat damit nichts zu tun. Und ich denke auch meine und anderer Statements waren nicht in allen Teilen unkritisch.
Zu den Rechtsdingen:
Uh - ich denke eine abschließende Beurteiltung der Verwertungsfragen sollte doch lieber wirklich versierten Juristen überlassen bleiben, die sich im Medienrecht auskennen.
Mir schwirrt da etwas der Kopf, aber ich spekuliere ja auch mal ganz gerne.
Einerlei ob CC Lizenz oder Urheberrecht behält der Autor das Eigentum an seinen Artikeln.
Fall 1. Die CC Lizenz regelt das Innenverhältnis zwischen Netzeitung als Eigentümer und den Autoren.
1.1. In diesem Fall ist die Frage, ob nicht durch die Präsentation von Artikeln auf der Startseite der Netzeitung eine Lizenzverletzung vorliegt, da Inhalte zu kommerziellen Zwecken genutzt werden - Erhöhung des Traffic, Werbemaßnahme die zu höheren Anzeigegewinnen führt u.a.
1.2. In diesem Fall ist eine rückwrikender Vergütungsanspruch der Autoren gegenüber der Netzeitung entstanden, da keine expliziten Verwertungsabsprachen vorliegen und die Regeln des Urheberschutzes greifen.
1.3. Es besteht der Anspruch der Autoren Artikel löschen zu lassen.
Fall 2. Der Eigentumsübergang an die neue GmbH begründet eine neue Rechtsposition, da eine GmbH eine Rechtsform ist die im Wirtschaftsleben i.d.R. eine Gewinnerzielungsabsicht als Unternehmenszweck hat.
2.1. Eine CC Lizenz ist hier aus “natürlichen” Günden nicht einschlägig (Ausschluß kommerzieller Nutzung).
2.2. Sollte von Seiten der neuen Eigentümer keine individuellen Verwertungsabsprachen geschlossen werden, greifen die Regeln des Urheberschutzes, inklusive des Rechtes die ältere Artikel löschen zu lassen und eine Vergütung für aktuellen Content zu verlangen.
Fall 3. Der Eigentumsübergang an die neue GmbH begründet keine neue Rechtsposition, da von der GmbH eine Gewinnerzielungsabsicht ausgeschlossen wird.
3.1. Eine CC Lizenz greift und ist i.S. einer Rechtsnachfolge auch auf ältere Artikel anzuwenden.
3.2. Ungeachtet der Rechtsnachfolge tritt ein neuer Vertragspartner in das Lizenzverhältnis (das ist ein zweites Rechtsgeschäft) ein und die Autoren haben das Recht ihre Artikel löschen zu lassen.
Fall 4. Die CC Lizenz regelt nur das Aussenverhältnis von Nutzern die die Inhalte der Readers Edition weiterverwenden möchten.
4.1. Die Autoren haben unter den Bedingungen von Fall 1 und 2 einen Vergütungsanspruch, in jedem Fall jedoch das Recht ihre Artikel löschen zu lassen.
So und jetzt warte ich mal ab, was bis zum 31.12.2006 passiert ;-)
Limited
Ups, unter Fall 1. muss es natürlich heißen “Startseite der RE”
U. Wilmers
Es gab hier nur wenige Artikel, die eine Vergütung überhaupt wert wären. Davon abgesehen war der Deal doch klar: Bürger durften ihre Artikel einreichen und zumeist wurden sie tatsächlich veröffentlicht. Auch, wenn sie wirklich nicht gut waren. Die Initiatoren hier haben doch angeboten, dass auf Wunsch gelöscht wird, wenn ich das richtig gelesen habe. Damit ist eigentlich alles von deren Seite getan, was Autoren hier überhaupt angehen könnte. Auch im professionellen Journalismus können Autoren sicher nicht in die betriebswirtschaftlichen Geschicke der Eigentümer der Verlage eingreifen.
Insofern wundert es schon, wie einige hier glauben, sie hätten dahingehend weiterführende Rechte. Ich vermute mal, dass auch zukünftig der Deal so aussieht, dass der Autor schreibt und das Honorar darin besteht, dass der Artikel mit hoher Wahrscheinlichkeit veröffentlicht wird. Soll Bürgerjournalismus nicht auch genau das erfüllen? Bürger zu Wort kommen zu lassen, während es sonst ungehört bleibt?
Man kann den Bürgerjournalismus nicht mit professionellem Journalismus vergleichen, weil Lezteres aus den Komponenten Handwerk, Wissen und viel Talent und Begabung zum Schreiben besteht.
Bürgerjournalismus kann aber die Rechte der Bürger insofern stärken, als eine solche Plattform eine Lobby bietet. Und es kann im besten Fall zu einer gigantischen Wissensplattform werden und Wissen ist bekanntlich Macht. Allerdings auch nur mit Profis im Rücken, die die professionellen Zügel in der Hand halten. Und die werden auf Dauer ein Honorar erhalten müssen, denn es ist sicher harte Arbeit, Artikel in Form zu biegen. Insofern muss der zukünftige Verlag auch auf Gewinne hin arbeiten, da er Kosten ausgleichen muss.
Man sollte also die Dinge nicht vermischen, sondern den Gedanken des Bürgerjournalismus im Auge behalten. Den gilt es, voran zu treiben und es bleibt jedem selbst überlasen, ob er kostenlos Artikel zur Verügung stellt oder nicht – mit anderen Worten: sich an einer gesellschaftlichen Aufgabe beteiligt im Sinne von Open Source, oder eben nicht.
Alexander Trust
@U. Wilmers: Eine GmbH, ein kommerzielles Produkt, ist keine gesellschaftliche Aufgabe im Sinne von Open Source, es ist eine Sache, die ein Unternehmer und seine Angestellten auf die Beine stellen und dafür auch verantwortlich sind. Eine gesellschaftliche Aufgabe ist z. B. die Wikipedia und der Verein, der dahinter steht. Zumindest meinem Empfinden nach. Unternehmer können durchaus gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, z. B. ihren Mitarbeitern gegenüber, oder aber der Gesellschaft, indem sie danach schauen, dass das Produkt, das sie anbieten, der Gesellschaft zugute kommt. Ob hier jemand für seine Arbeit bezahlt wird oder nicht, ist für mich von Anfang an kein Thema gewesen, weil ich mich aus eigenem Interesse heraus engagiert habe. Aber Ehre, wem Ehre gebührt, und deshalb kann man eine GmbH auch als solche betrachten. Eine GmbH ist dazu gedacht, Gewinne abzuwerfen. Ich denke nicht, dass gesellschaftliche Aufgaben und Verantwortung kapitalisiert werden müssen, vielmehr finde ich es grundfalsch. Das allerdings nur nebenbei, es spricht ja nicht gegen die RE, denn von dieser ist ja noch gar nicht klar, was mal aus ihr werden wird/soll.
U. Wilmers
@Alexander Trust:
Sie haben meine Zeilen nicht richtig gelesen. Es wird eine Plattform FÜR ein gesellschaftliches Anliegen, Engagement oder wie immer man das nennt, angeboten und die Beiträge können auch kostenlos gelsen (also verkonsumiert) werden.
Die Plattform verursacht Kosten, die doch irgendwo eingefahren werden müssen!
Auch wollte ich daran erinnern, dass doch auf RE nie die Rede von einer Honorierung der Artikel war, oder doch? Viele Kommentare zielen aber gerade darauf hin ab, womit der gesamte Sinn eines Bürgerjournalismus ad absurdum geführt wird. Denn dann wären wir wieder beim kommerziellen Journalismus, was ja zum einen genau nicht sein sollte, zum anderen aber geben die Artikel das qualitativ gar nicht her. Die Betrieber werden viel professionelle Arbeit in das Projekt stecken müssen, damit es eine Chance hat. Bisher wird so getan, als würden das die Beiträge hier schon richten. Doch gerade die letzten Wochen haben bewiesen, dass das siche rnicht so ist, denn die Qualität wurde immer schlechter.
Möglicherweise hat sich der Eigentümer der Netzeitung auch deshalb von dem Projekt getrennt, weil es weil es der Zeitung an sich im jetzigen Zustand eher schadet denn nützt.
Außerdem wollte ich darauf hinweisen, dass die Rechte der Autoren bei der erteilten Lizenz zu finden sind, nicht bei einem aktiven Mitmischungen in betriebswirtschaftlichen Entscheidungen, die einzig dem zukünftigen Eigentümer obliegen.
Na, mal sehen, was kommt.
Alexander Trust
@U. Wilmers: Ihre subjektiv empfundenen Qualitätskriterien in allen Ehren - (vielleicht) stimme ich sogar mit Ihnen darin überein, aber das ist nicht das Thema. Schauen Sie, als eine Grundkonstante in den Sozialwissenschaften gilt der “subjektive Sinn”, den Akteure hinter ihrem Treiben sehen. Es gibt Blogs im Internet, die nun wahrlich keine qualitativ hochwertigen Beiträge abliefern, jedoch einen unheimlich hohen Zulauf haben.
Als ich für eine Weile bei TVBlogger schrieb, musste ich schnell feststellen, dass die Klientel dort damit zufrieden ist, wenn ein paar Couchpotatoes Pressemeldungen mehr oder weniger aufpolieren. Meinen Zynismus haben die wenigsten RTL2-Gucker dort verstanden. Das macht aber das Projekt ja nicht “schlechter”, denn offensichtlich hat es genügend Zulauf. Eine ähnliche Diskussion könnte man über die BILD-Zeitung führen. Ich stelle meine Meinung nicht über die von anderen Leuten, und somit bin ich keiner, der, wenn er selbst die Informationen in der BILD dürftig findet, nicht auch versteht, dass es genug Leute gibt, die mit der Art der Information dort und auch mit dem Umfang vollends zufrieden sein können.
Schauen Sie, Herr Wilmers, wenn Sie die Beiträge für die RE als qualitativ zu schlecht sehen, dann würde ich die RE bitten, eine Umfrage auf der Eingangsseite zu starten, in der sie die LeserInnen nach ihrem Eindruck fragt. Ich habe hier bei der RE durchaus Leute aus TVBlogger-Zeiten wieder getroffen, nur um latent anzudeuten, wie ich denke, dass die Abstimmung ausfallen könnte. Angenommen, ich mache dasselbe Kreuzchen wie Sie, was haben wir zwei davon? - Sie sehen doch alleine schon an der Diskussion zu diesem Beitrag, wie wenig Leute sich effektiv daran beteiligen. Dieses Thema ist nicht en vogue, nicht hipp, nicht in. Und en vogue würden einige Leute gar nie dazu sagen.
Jede Printausgabe hat doch einen Onlineauftritt, ob FAZ, Taz, usf. - Dort kriegt man weitaus bessere Qualität, wenn “Sie” so wollen. Oder auch Spiegel, Stern, Focus, usf. - An dieser Stelle die mangelnde Qualität der Beiträge immer so hervor zu heben, finde ich kontraproduktiv. Die RE würde am Ende nur ein Organ von vielen.
Bürgerjournalismus bedeutet für mich auch von Bürgern für Bürger, und dann kann ich prima damit leben, wenn ich “ehrliche” Texte kriege. Qualität ist, wie Schönheit oder Arroganz, ein sehr subjektives Etikett. Natürlich gibt es Kriterien, die manche Leute als Qualitätsmaßstab ansehen, ein TÜV-GS-Zeichen und dergleichen. Aber wenn es um Kunst, um Texte, um Musik geht, da werden sie die Leser von Groschenromanen und hochsolvente Konsumenten von Cicero niemals mit denselben Maßstäben gerecht werden können.
Wenn man sich für die Leser interessiert, muss man die Leser fragen. So wie Sie Bürgerjournalismus in Ihrem vorhergehenden Beitrag skizzierten, hat es einen pejorativen Charakter. Das finde ich nicht gut. Geschmäcker sind eben verschieden.
In nuce stimme ich mit Ihnen überein. Und auch haben sich bei anderen Projekten dieser Art die Nutzer nie in die betriebswirtschaftlichen Belange einmischen können. Eines würde mich interessieren, aber dazu bedürfte es einer offeneren Informationspolitik seitens der RE. Das Problem ist wahrscheinlich, dass diese kontraproduktiv für die wirtschaftlichen Belange wären. Man hat z. B. die monatlichen Besucherzahlen, über die nicht berichtet wird. Man weiß außerdem, wieviele Personen Beiträge bewertet haben, und man wird wohl wissen, wieviele Personen einzelne Beiträge gelesen haben. Ich bin mir nämlich nicht ganz so sicher, dass per se die Leute immer auch einen Artikel bewerten, den sie lesen. Sie haben das Recht, aber nicht die Pflicht, und trotzdem verzerrt das das Bild, wenn es darum geht, zu sehen, wie “angesagt” die Inhalte der RE letzten Endes sind.
U. Wilmers
Herr Trust, ich denke, dann haben wir haben völlig unterschiedliche Vorstellungen von einem Bürgerjournalismus. Blogs sind für mich nicht vergleichbar mit einer professionell ausgestalteten Plattform für Bürgerjournalismus.
Ich glaube, dass sich viele Schreiber hier nicht bewusst sind, dass sie in der Tat weltweit veröffentlichen. Angehängt an beispielsweise die Netzeitung ist auch die Frequenz erheblich, was doch eigentlich die Sorgfalt (vor allem der Autoren) auf den Plan rufen sollte.
Was soll eine solche Plattform im besten Fall denn bieten? Dass gute Artikel garantiert veröffentlicht werden. Es bedeutet aber doch wohl kaum, dass allgemeine Qualitäts-Standards völlig ausgehebelt werden. Denn abgesehen von der administrativen Ausgestaltung (die kostspielig ist), entscheidet irgendwann der Content darüber, ob das Schiff kentert. Das ist aus meiner Sicht auch hier passiert.
Damals, als ich auf RE aufmerksam wurde, warb man damit, X-Millionen Redakteure zu suchen. Die Ausbeute ist mager, soweit ich das durch meine Besuche auf dieser Seite erkennen kann. Die Ausbeute GUTER Schreiber ist dabei noch magerer. Manchmal weiß man am Ende eines Artikels nicht, was das alles sollte und zweifelt auch erheblich an tüchtig recherchierten Daten und Fakten. Abgesehen von Texten, die einfach nicht mitreißen wollen und eher an Tagebücher oder Poesiealben erinnern, als sonst etwas. (Es gibt m. E. nur wenige Ausnahmen).
Ich denke aber, dass der Käufer des Projekts Potenziale sieht, wenn er das Ganze professioneller angeht und einerseits die Hürden für eine Passage guter Artikel flach setzt und andererseits Hürden für schlechte Artikel deutlich herauf setzt.
Aber zum Kernthema zurück, das hier ja zu heftigen Reaktionen führte. Wenn anlässlich eines Verkaufs angeboten wird, dass die Autoren ihre Beiträge zurück ziehen können, ist alles getan worden, was für die Autoren relevant ist. Mit mehr haben sie nichts zu tun.
Ansonsten bin ich wirklich gespannt, ob und wie es weitergehen wird.
Limited
@ U.Wilmers
Nun, ich teile ihr Mantra “die Qualität ist schlecht” nur bedingt - wie Herr Trust schreibt, ist Qualität mitunter doch etwas Subjektives, solange es nicht eindeutig quantifizierbare Standards gibt.
Aber vielleicht - auch um die Diskussionen in konstruktivere Bahnen zu bringen - schildern Sie doch einmal, was für Sie gute Beiträge wären (ev. auch mit Hinweisen von Ihnen was Sie davon hier in der RE gefunden haben) und auch was Sie für Erwartungen an qualitativ hochwertige und interessante Beiträge in einem Projekt der Netzwerkjournalismus haben.
Ich wage es ja gar nicht zu hoffen, aber vielleicht genehmigen Sie und andere, die als interessierte Beobachter die RE begleiten, das ja sogar in einem eigenen Beitrag - auch wenn die Nutzungsrechte ev. schwammig sind ;-)
U. Wilmers
Limited, die Diskussion war auch bisher durchaus konstruktiv.
Bewertet habe ich im dafür zur Verfügung stehenden System. Hier öffentlich eine Rangliste zu präsentieren, bringt nicht weiter.
Wenn subjektive Meinungen von Lesern der Artikeln nicht erwünscht sind, okay! Sollte ja nur etwas weiterhelfen auf dem Weg zu einem Bürgerjournalismus, der den Namen verdient. Wenn nur die wenigen Autoren der wenigen Artikel auf RE untereinander diskutieren, kommt am Ende immer ein “prima” heraus. Ob das zu REs Weiterleben hilfreich ist, wage ich dann doch zu bezweifeln. Dennoch wünsche ich viel Glück und Erfolg!
Limited
@ U.Wilmers
Zitat: “Hier öffentlich eine Rangliste zu präsentieren, bringt nicht weiter.”
Dies war auch keineswegs meine Intention. Ich wollte nach Ihrer häufig geäußerten Kritik, dass Sie die Qualität der meisten Beiträge für nicht sonderlich hoch halten einfach einmal fragen, was Ihnen denn positiv gefallen hat - daraus könnte ggf. ich als Autor ja auch lernen.
Und dies muss ja keineswegs in der direkten Benennung von Beiträgen/einem Ranking erfolgen, sondern kann ja indirekt formuliert werden - dass Ranking ist mit dem Punktesystem so abstrakt quantitativ, dass kaum Rückschlüsse möglich sind.
Und auch ich fand die Diskussion bislang überwiegend konstruktiv ;-)
Die Beobachter wie z.B. Sie oder Rezipient sind m.E. wichtig, wenn mir auch - rein subjektiv gesehen - die Betonung der negativen Aspekte etwas zu “apodiktisch” gerät- und auch daher die Frage, was denn bislang an positiven Aspekten zu protokollieren ist.
Dieter Petereit
Ja, allerdings stellt sich die Frage der Relevanz bei einer weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Diskussion unter einer Handvoll Leuten.
Aber lustig ist für Außenstehende die offenbare Selbstüberschätzung der Akteure schon anzusehen.
Alexander Trust
@Hr. Petereit: Mich würde interessieren, woran genau Sie das Stigma der Selbstüberschätzung aus dem Elfenbeinturm heraus festmachen? *G* Nichts für Ungut. Manchmal schlägt diese Saite in mir an.
Außenstehende stehen zumindest auch immer in einer Hinsicht zu der Sache und Objektivität wird es nicht geben, so sehr wir uns anstrengen. By the way, welche Akteure genau meinen Sie? Nur die hier diskutierenden? Alle Autoren der RE? Jene, die für Bürgerjournalismus plädieren und damit indirekt dem professionellen Journalismus das Wasser abgraben?
Was ich erstaunlich fand, wie man bislang unbeeindruckt voneinander Netzwerkjournalismus neben Bürgerjournalismus in dem Kommentarstrang hier verwendet hat.
Limited
Nun ich halte wenig davon eine Wettbewerb zu starten, wer die selbstgefälligste Einschätzung zum Stand und zur Zukunft der RE gemacht hat und wie dei Relevanz der hier stattfindenenden Diskussion einzuordnen ist.
Frei nach Karl Valentin - nichts ist schwieriger als ein Prognose - insbesondere wenn es um die Zukunft geht ;-)
Mir wäre es lieber, man würde möglichst konkret benennen, was ev. in der Vergangenheit falsch gelaufen ist, welche guten Beispiele es aus der Vergangenheit der RE gibt und was dies für ein wie auch immer gerartetes zukunftsträchtiges Projekt RE bedeutet.
Dieter Petereit
Ich meinte die hier diskutierenden Akteure, die die Diskussion auch noch für fruchtbar halten. Wenn am Rande des Krieges im Irak zehn Zivilisten ihre Meinungen niederschreiben würden und so in einen fruchtbaren Austausch miteinander gerieten, hätte das Auswirkungen auf das Thema?
Was anderes: Journalismus ist Journalismus. Die Unterscheidungen sind Marginalien. Witzig sogar fand ich die Aussage - Momentchen-
Man kann den Bürgerjournalismus nicht mit professionellem Journalismus vergleichen, weil Lezteres aus den Komponenten Handwerk, Wissen und viel Talent und Begabung zum Schreiben besteht.
Handwerk würde ich noch unterschreiben. Der Rest, pffffft.
dpetereit´s bloghütte · Readers Edition ohne nennenswertes Interesse
[…] In diesem Beitrag diskutiert man engagiert über die Veränderungen bei der Readers Edition (RE). Allerdings handelt es sich um lediglich zwei bis vier Handvoll Diskutanden, die durch häufige Kommentarfrequenz den Eindruck erwecken, das Thema wäre hot! […]
Limited
Zitat: “Wenn am Rande des Krieges im Irak zehn Zivilisten ihre Meinungen niederschreiben würden und so in einen fruchtbaren Austausch miteinander gerieten, hätte das Auswirkungen auf das Thema?”
Was ich nicht ändern kann, zu dem soll ich schweigen? Im übrigen wird hier wie anderenortens die Regel gelten, dass 95% passiv teilnehmen, 4 % den einen oder anderen Beitrag liefern und 1% die Diskussion vorantreiben - wären dann nach Ihrer Hochrechnung 120 - 1200 Teilnehmer - ;-)
Zudem ziemlich merkwürdig diese Argumentation - nach diesem Urteil wäre ca. 99% des Journalismus und die meisten Beiträge in Blogs u.a. nur Bullshit.
Wie wäre es den einmal mit etwas Konstruktivem Herr Petereit?
Was gefällt Ihnen an der RE? Was nicht? Und können Sie sich nach Ihrem vorab ausgestellten Totenschein vorstellen, dass es für die RE ein zukünftiges Leben gibt?
paule
“Man kann den Bürgerjournalismus nicht mit professionellem Journalismus vergleichen, weil Lezteres aus den Komponenten Handwerk, Wissen und viel Talent und Begabung zum Schreiben besteht.”
Immer wieder findet sich in den Diskussionsbeiträgen die Arroganz des professionellen Journalisten. Journalisten die offensichtlich nicht verstanden haben was eigentlich ihre Aufgabe ist. Der geschliffenste Text, der unangreifbar logisch durchkonstruierte Artikel, die alleinige Verwendung allgemein anerkannter seriöser Quellen, bedeutet noch lange nicht dass etwas Wesentliches in dem Artikel steckt, noch weniger ist es eine Garantie dafür, dass der Artikel auch eine Bedeutung hat. Seit einigen Jahren kann man in Deutschland wunderschön beobachten wie die regionale Ballung wirtschaftlicher, politischer und medialer Organisationen, Firmen und politischen Entscheidungsträgern zu einem geistigen Inzest führt der mit der Lebenswirklichkeit breiter Bevölkerungsschichten nichts mehr zu tun hat.
Diesen Teufelskreis sich selbst bestärkender Journalisten, die sich nur noch von PR-Meldungen diverser Firmen und Lobbyisten speisen lassen, kann nur der Bürgerjournalismus durchbrechen. Auch wenn die Artikel jegliche Qualitätsstandards klassischer Journalisten vermissen lassen, ist das kein Grund sie aus der Medienwelt ausgrenzen zu wollen.
Viel mehr wäre es wünschenswert, wenn sie sich dem Wettbewerb stellen, einer Konkurrenz vor der sich offensichtlich Profis fürchten.
RE-Eigner und Macher wären daher gut beraten, sich auf den Wettbewerbsgedanken zu besinnen. D.h. nach Abdeckung der sachlichen und personellen infrastrukturellen Kosten und Abführung einer Kapitalverzinsung an den Eigner, muss ein Topf gebildet werden aus dem die Autoren vergütet werden.
Über die Höhe der Vergütung muss der Leser entscheiden, das heißt der Leser gibt nach einem wie auch immer gearteten System dem Autor aktiv einen Bonus. So kann der Profi im Wettbewerb mit Amateuren oder auch im Wettbewerb mit Teams aus Laien und Berufsjournalisten feststellen ob seine Kunst gefragt ist. Und er kann, da Profi, natürlich auch evt. Schwächen seiner Arbeit ganz schnell beseitigen.
Aber sich der Herausforderung verweigern indem er unprofessionell aufbereitete Infos auf üble Weise diskreditiert - dass ist schlechter Stil. Konkurrenz belebt das Geschäft zum Vorteil Aller.
recipient
@ Dieter Petereit:
Gibt’s bei germanblogs Zulagen für Pöbeleien außer Haus? Oder machen Sie das ehrenamtlich?
Alexander Trust
Ich bezweifle, dass das “nur” ein Problem des Journalismus sein soll, und ich sehe es auch nicht als typisch deutsches Problem. Es hängt an der Arbeitsteilung. Ausdifferenzierung funktioniert über Abgrenzung. Man schaue sich die Hochschule an, und sehe, wie akribisch die Akademiker in ihren Fakultäten darauf bedacht sind, ihr eigenes Süppchen zu kochen. In Zeiten der Globalisierung wäre Interdisziplinarität wünschenswert, wird aber wenig praktiziert. Woran das liegt? Nun, die Leute stehen in Konkurrenz zueinander. Da ist es nur natürlich. Manche Fachbereiche müssen ihre Existenzberechtigung fürchten und deshalb schauen, dass sie möglichst dafür sorgen, dass sie als “eigenes” Fach anerkannt werden. Das erreicht man nicht - so denken viele - wenn man sich mit anderen zusammentut. Dann nämlich zeigen sich Synergieeffekte und am Ende würde man zumindest Teile des eigenen Aufgabenbereiches an andere abtreten, zumindest vor Augen führen, dass es so geht.
Das ist im Handwerk so… wo doch das Stichwort schon viel. Leute, die einen Meister gemacht haben, die eine Ausbildung genossen haben, die dachten, sie machen etwas, das kein anderer so kann, die müssen sich auch von anderen abgrenzen. Im Zuge der Europäisierung erleben wir doch, wie sehr viel Ungemach unter den Handwerkern aufkommt, die … und natürlich die … würden ihnen die Jobs wegnehmen und viel zu billig arbeiten und auch total schlampig und überhaupt nicht professionell arbeiten.
Dieser Unterschied zwischen Professionellen und Laien wird noch dadurch forciert, dass hier in Deutschland die späte Machtergreifung durch das Bürgertum irgendwann das Geburtsrecht (Adel), durch das Recht durch verbrieftes Wissen abgelöst hat. In Dtlnd. wie auf der Welt braucht man Zertifikate, und die kosten wohl oder übel Geld. Jemand der kein Geld hat, aber 10 Sprachen spricht, der bleibt mit dem Wissen allein. Ein Yuppie, der seine Sprachkurse aus der Portokasse bezahlt hat, er wird sich seine mittelprächtigen Sprachkenntnisse und seine furchtbare Aussprache verbriefen lassen und am Ende Vorträge halten und Firmen leiten. Man sehe mir die Überspitzung in der Darstellung nach. Pierre Bourdieu hat für Frankreich zu seiner Zeit immer wieder sehr schön viele gesellschaftliche Tatbestände entmystifiziert. Die kochen eben auch nur mit Wasser.
Sich distinguieren zu wollen, auf Teufel komm raus, ist in meinen Augen wenig hilfreich. Für die Literatur *hust* gibt es in diesem Lande “Schreibschulen”, die einem für teuer Geld beibringen wollen, wie man die Kunst des Schreibens erlernt. Massenwaren wird erzeugt und das soll Kunst sein? Die Argumente, Journalismus, Belletristik, oder was auch immer, sei besser als etwas anderes, die bräuchte es nicht, wenn die Journalisten oder Autoren sich darauf beschränkten, ihre Arbeit zu machen und wenn sie “gut” wäre, würde man sie entsprechend honorieren. Solche Argumente fallen von Betroffenen in einer Diskussion nur dann, wenn jene glauben, ihnen schwämmen die Fälle davon. Man konzentriere sich doch auf die eigenen Fähigkeiten, anstatt Luftnummer zu kreieren und andere madig machen zu wollen.
Man kann “alles” genießen, prinzipiell zumindest. Aber man kann auch im Genuss nur ein Distinktionskriterium sehen wollen. Dann allerdings muss ich sagen gilt dies: Ob man pausenlos in die Oper oder das Theater rennt, oder sich im Kino die Iris beflimmern lässt - ersteres ist “dann” und nur dann, nichts als “elaboriertere” Oberflächlichkeit, die sonst vielleicht den Cineasten oder dem Proletariat aus dem Elefenbeinturm heraus vorgeworfen wird. Unterhaltung ist Unterhaltung. Für jemanden, der sich unterhalten fühlt, hat sie seinen Zweck erfüllt.
Dieter Petereit
@recipient: Wo genau erkennen Sie Pöbeleien?
@limited: Meiner Meinung nach hat die RE nur in den Händen einer Stiftung oder eines Vereins oder einer wie auch immer gearteten nicht-kommerziellen Struktur eine Chance. Unter Umsatzdruck kann das Projekt nicht bestehen. Das sage ich aus (leidvoller) Erfahrung.
paule
Herr Trust Sie haben sehr recht, und es wäre einen eigenen Artikel wert, den Zertifikarismus zu beleuchten, der sich anschickt die mittelalterliche Ständeordnung zu beerben.
Bei Journalisten ist es noch etwas anders. Die haben die Autoren unserer Verfassung sehr bewusst gleichrangig neben die anderen Staatsgewalten gestellt. Dabei haben sie sicherlich nicht einen cut & paste Journalismus unter besonderer Berücksichtigung von Eigner und Anzeigenkunden verstanden.
Von daher muss eine neue Vergütungsform für Profi oder Laienreporter gefunden werden. Ein sinnvolles Modell ist dabei die Direktvergütung der Journalisten durch die Leser. Denn es ist durchaus vorstellbar dass Menschen Dankbarkeit dem gegenüber zeigen, der z.B. überhöhte Müllgebühren durch Aufdeckung von Bestechung oder Betrug verhindert oder zumindest eine Bestrafung ermöglicht.
Von daher die Frage an den neuen Eigner von RE will er nur ein Netzwerk billiger Autoren schaffen, das er dann an einen Verleger weiterreicht oder hat er den Mumm, die Chancen des Internetjournalismus konsequent zu nutzen und in vielen Bereichen sogar gestalten.
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