Mehr Anforderungen an Auszubildende

“Du gehst auf’s Gymnasium[...]” höre ich noch heute meinen Vater zu mir sagen, als die Frage anstand:”Was willst du später einmal werden?”. Keinesfalls eine Antwort auf die Frage, hat sich der Anteil der Gymnasiasten drastisch erhöht. Weshalb aber, fragt man sich in Zeiten von Arbeitslosen, die neuerdings auch unter diplomierten

azubi“Du gehst auf’s Gymnasium[...]” höre ich noch heute meinen Vater zu mir sagen, als die Frage anstand:”Was willst du später einmal werden?”. Keinesfalls eine Antwort auf die Frage, hat sich der Anteil der Gymnasiasten drastisch erhöht. Weshalb aber, fragt man sich in Zeiten von Arbeitslosen, die neuerdings auch unter diplomierten Menschen gehäuft vorkommen, und Ausbildungsplätze, die bei Weitem nicht langen.

Die Antwort findet sich in fast jeder Tageszeitung bei den Jobangeboten. Gesucht werden Einzelhandelskaufmänner/-frauen mit Abitur und, wenn möglich, fließend in mindestens einer Fremdsprache, Kommunikationselektroniker mit Abitur und 10 Berufserfahrung jedoch nicht älter als 25, Führungsassistentinnen mit Abitur und möglichst vielen Zusatzqualifikationen u.ä. Das Bild des klassisch Auszubildenden, der nach der Realschule/Hauptschule seine Lehre anfängt minimiert sich zusehends. Oft ist es unverständlich und auch fraglich, inwieweit dies Sinn macht, da überqualifizierte Leute auch als überqualifiziert bezahlt werden müssen. Diese Entwicklung am Markt wirkt sich natürlich auch auf Eltern, und ihre Sorge um ihre Kinder aus, bzw. denkt man darüber nach, welche Chancen ohne genügend Vorbildung und passende Abschlüsse am deutschen Markt bestehen. Die Anforderung an eine Ausreichende Vorbildung wird von den Eltern erkannt und auf die Kinder umgelegt, egal ob diese ein Interesse für eine weiterqualifizierende Schule haben oder nicht. Das endgültige Scheitern ist somit bei manchen vorausbestimmt.

Das “Recht auf Bildung”, eines der sozialen Menschenrechte in der Bundesrepublik Deutschland, wird uns wohl nie jemand entreißen können. Schaut man etwas genauer hin, so muss der Kostenfaktor, welcher, wenn auch in geringen Umfang, an der Mittelschule und am Gymnasium gegeben ist, berücksichtigt werden. Kosten entstehen bei Fachliteratur, Klassenfahrten und gemeinschaftlichen Ausflügen. Zieht man nun noch in Erwägung, dass man seine Kinder auch auf private Schulen schicken kann, die, so sagt man gemeinhin, einen besseren Abschluss vermitteln können und mit dem man später bessere Chancen auf einen Job hat, erhöhen sich die schulischen Kosten um ein Vielfaches. Die Zukunft entscheidet sich also schon in den Kinderschuhen, indem man auswählt auf welche Schule man gehen soll bzw. wie prall gefüllt das Geldsäckl der Eltern ist.

In Zeiten des Präkariats, unserer neuen Unterschicht, ist das ein heikles Thema. Der Kreis der Zukunft beginnt somit mit Geld und endet bei Geld oder er beginnt ohne Geld und endet ohne Geld. Selbstverständlich kann man dies nicht pauschalisieren, doch beobachten kann man es bei den erhobenen Studiengebühren. Finanzierungsmodelle hin oder her, was übrig bleibt sind Kosten, welche früher oder später anfallen und nicht von jedem getragen werden können/wollen. Werden dadurch sozial schlechter gestellte Familien benachteiligt, da sie nicht die nötigen Mittel aufbringen können, um ihren Kindern eine gute Ausbildung und Vorausbildung zu sichern?

Doch halte man sich nur kurz vor Augen, dass es keine Garantien mehr gibt. Schon gar nicht am Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Es ist nicht sicher, dass der- oder diejenige, welche aus Sicht des Ausbildungsbetriebes das bessere Vorwissen hat, nach abgeschlossener Ausbildung auch erfolgreich vermittelt werden kann.

So stellt sich die Frage: Was sind die Folgen von steigenden Anforderungen an Auszubildende und weniger Geld in den Taschen der Azubis. Begründen Firmen bald die recht hohe Arbeitslosenquote (unter Jugendlichen) damit, dass zu wenig Auszubildende mit genügend Vorwissen verfügbar sind? Hoffentlich nicht. Jeder sei sich bewusst, dass ohne qualifizierten Schulabschluss und anerkannten Abschluss einer Ausbildung/eines Studiums in dieser globalisierten, gewinn- und leistungsorientierten Gesellschaft, der Markt wohl kaum mit offenen Armen wartet.

Weiteres zum Stand der angebotenen Ausbildungsplätze

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar.

  1. Schulabschlüsse sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Schade, ich dachte, dieser Artikel würde die Auszubildenden in die Pflicht nehmen, oder die Ausbilder, umgekehrt auch die Schüler und/oder Lehrer, Studenten und/oder Profs.

    Es ist lachhaft, wie wenig manche Leute mit auf den Weg bekommen, während ihrer Schulzeit, es ist traumhaft, wenn z. B. eine Firma aus der Textilbranche fast vor die Hunde geht, Investoren sich einkaufen, “outgesourct” wird und auf dem Fabrikgelände auf ein Mal auswärtige Firmen sich ansiedeln. Dass das offensichtlich nicht gut geplant wird, zeigt sich dann, wenn Auszubildende in einem Arbeitsraum auf sich allein gestellt werden, nachdem sie intruiert wurden, wie sie die nächsten Stunden zu verbringen hätten. Der zuständige Ausbildungsleiter weilt in seinem Büro… das allerdings, es findet sich am anderen Ende des Fabrikgeländes. Immerhin musste man den Investoren ja geographische Freiheit bieten, und hat hinterher geguckt, was dann noch davon übrig bleibt. Einen Ausbilder mit den Auszubildenden einzupferchen will niemand, deshalb muss man sie eben in der Luft zerreißen. *G* Falls die BILD-Zeitung das drucken möchte, es handelt sich um die Barmag-Saurer AG, die wahrscheinlich nur als ein Beispiel von vielen herhalten kann. Es ist aber doch nicht wichtig, oder? Nun, man kann schließlich auch im Anwaltsbüro zur Ausbildung sein und Kaffee kochen, Akten kopieren und Archivarbeit leisten, oder man kann als Kellnerlehrling oder Konditorlehrling die zusätzlichen Schichten des ausgefallenen Personals auszugleichen haben, indem man in die Bresche geworfen wird. So fordern, aber fördern Ausbildungsbetriebe ihre Auszubildenden nicht. Nur, gewünscht hätte ich mir schon, dass dieser Artikel dann doch den Titel auch umsetzt, nämlich, die Anforderungen an Auszubildende höher stellen. Anstatt nämlich, dass jene von oben zum Chef gehen und sich beschweren, legen sie lieber, lokal getrennt vom Ausbildungsleiter ihre Beine hoch und drehen Däumchen. Erzielter Lerneffekt: Er geht gegen Null. Dass das nicht überall so ist, ist mir auch bewusst, aber man kann nicht einseitig meckern, wenn beide Seiten menschlich sind. Wenn der Roboter es nicht so tut, dann ist meist sowieso der Mensch dran Schuld, aber in diesem Fall trifft es beide Seiten.