Somalia – Hintergründe eines Konflikts

Mit dem am 28.12.2006 stattgefundenen Einmarsch von Regierungsmilizen in die Hauptstadt Mogadischu hat der seit dem Sturz des Diktators Siad Barre im Jahr 1991 andauernde Somalische Bürgerkrieg eine erneute Wende genommen. Die chaotische Situation des Landes am Horn von Afrika geht aber auf Ursachen zurück, die weitaus tiefer in die

SomaliaMit dem am 28.12.2006 stattgefundenen Einmarsch von Regierungsmilizen in die Hauptstadt Mogadischu hat der seit dem Sturz des Diktators Siad Barre im Jahr 1991 andauernde Somalische Bürgerkrieg eine erneute Wende genommen. Die chaotische Situation des Landes am Horn von Afrika geht aber auf Ursachen zurück, die weitaus tiefer in die Vergangenheit zurückreichen und ohne deren Kenntnis die Situation nur schwer zu verstehen ist. Die wichtigsten unter ihnen sind folgende:

1. Die Stammeskonflikte

Die Bevölkerung Somalias erscheint zunächst homogen. Über 90 % der Bevölkerung gehören dem Volk der Somalis an und sind sunnitische Muslime. Dennoch ist die Bevölkerung in verschiedene Gruppen gespalten, die sich in Stämmen (Clans) zusammengeschlossen haben. Somalia2Die wichtigsten unter ihnen sind die Hawiye (die 25 % der Bevölkerung stellen), die Isaaq (22 %), die Darod (20 %), die Rahanweyn (17 %), die Dir (7 %) und die Digil (3 %). In der jüngeren Geschichte Somalias wurde die Politik von zwei Gruppen dominiert: den Darod und den miteinander verbündeten Hawiye und Isaaq. Auch aktuell ist diese Zugehörigkeit von Bedeutung – Abdullahi Yussuf Ahmed (Präsident der Übergangsregierung) ist Darod, der Islamistenführer Hassan Dahir Aweys ist Hawiye.

2. Die kolonialen Grenzziehungen

Die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert festgelegten Grenzen Somalias (der damaligen Kolonien Britisch-Somaliland und Italienisch Somaliland) umfasst nur einen Teil des somalischen Siedlungsgebietes. Weitere Gebiete sind heute Teile von Kenia, Äthiopien und Djibouti (ehemaliges Französisch-Somaliland). Diese Teilung führte wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen vor allem mit Äthiopien, in dessen somalisch besiedelter Ogaden-Provinz es bereits zweimal (1963/64 und 1975/84) zu Invasionen aus Somalia kam. Die gegenwärtige Invasion Somalias durch äthiopische Truppen muss vor diesem Hintergrund gesehen werden. Eine weitere Folge der Kolonialzeit ist das Unabhängigkeitsstreben des ehemals britischen Landesteils im Norden, der sich mittlerweile als Somaliland vom ehemals italienischen Teil für unabhängig erklärt hat.

3. Die gescheiterte Friedensmission

Nachdem das Land während des Kalten Krieges eine Periode der relativen Ruhe unter dem kurz nach der Unabhängigkeit an die Macht gekommenen Diktator Siad Barre erlebte, brach unmittelbar nach seinem Sturz der Bürgerkrieg aus, dessen Ende bis heute nicht absehbar ist. Die UNO versuchte die Ordnung durch militärische Missionen (UNITAF und UNOSOM) wieder herzustellen (an der auch die Bundeswehr beteiligt war), zog sich aber zurück, nachdem in den Nachrichten Schockbilder misshandelter Soldatenleichen zu sehen waren. Inwiefern ein nicht abgebrochener Einsatz den Bürgerkrieg hätte beenden können bleibt Spekulation, gesichert ist nur, dass er seit dem Abzug der Uno-Truppen andauert und Somalia in vier Teile zerfallen ließ: Die Sezessionistischen Regionen Somaliland (Nordwesten) und Puntland (Nordosten) sowie die Gebiete der Übergangsregierung und der “Union der islamischen Gerichtshöfe” im Süden.

Ausblick:

Mit der äthiopischen Invasion hat sich der Kriegsverlauf geändert. Die am Rande der Niederlage stehende Übergangsregierung ist auf dem Vormarsch, die zuvor siegreichen Islamisten ziehen sich zurück. Gleichzeitig ist aber auch das Risiko weiterer Kampfhandlungen größer geworden, da ein Eingreifen des mit Äthiopien verfeindeten Eritrea angesichts der äthiopischen Erfolge wahrscheinlicher wird. Entsprechende Befürchtungen wurden bereits vom französischen Aussenminister Douste-Blazy geäussert.

Kommentare

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  1. Super recherchiert, klasse geschrieben – nur eins fehlt mir ein wenig – die Meinung des Autors zur zukünftigen Entwicklung.

    Das ist natürlich Spekulation und daher kritikanfällig – würde aber den Rahmen für eine Diskussion eröffnen.