Gestern kam es zu einer Serie von Bombenanschlägen, die sich auf verschiedene Stadtteile in Bangkok konzentrierten.[1] Nach aktuellen Meldungen sind dabei drei Menschen getötet und zwanzig verletzt worden. [2] Die Regierung sagte daraufhin alle öffentlichen Feierlichkeiten zum Jahreswechsel ab, um nicht weitere Opfer zu riskieren. Gleichzeitig haben die Regierungen von Australien, Neuseeland, Kanada und Großbritannien Reisewarnungen für Thailand ausgesprochen.[3]
Die Anschläge in Bangkok kommen zu einer Zeit, da Thailand bereits eine schwierige Periode erlebt. Der Sturz der Regierung von Thaksin durch das thailändische Militär und die Einsetzung einer zivilen Übergangsregierung haben das Land weiterhin in einer fragilen politischen Lage belassen.
Hinzu kommt, dass aufgrund einer stetigen Aufwertung des thailändischen Bhat über das Jahr 2006 gegenüber dem US Dollar, die thailändische Wirtschaft an internationaler Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat. Insbesondere das Festhalten anderer asiatischer Länder an einem Dollarkurs-Peg [4]insbesondere der VR China wirkt sich hier negativ aus.
Der Versuch der Zentralbank durch Kapitalverkehrskontrollen einen massiven spekulativen Kapitalzustrom nach Thailand zu stoppen[5], musste aufgrund der scharfen Reaktion der Kapitalmärkte – an der thailändischen Börse fielen die Kurse innerhalb eines Tages um 15% – wieder rückgängig gemacht werden.[6] Zwar sind die Umstände mit denen der Asienkrise von 1998 derzeit nicht vergleichbar, aber auch damals führten eine spekulative Kreditexpansion maßgeblich mitfinanziert durch ausländische Kreditgeber dazu, dass die thailändische Zentralbank die Kontrolle über den Wechselkurs des Bhat verlor, als es zu panikartigen Kapitalabflüssen kam.[7]
Der Boom- und Bust-Zyklus der thailändischen Wirtschaft stürzte sie danach in eine schwere Rezession, die nur durch massive Schuldenausweitung des thailändischen Staates sowie eine Restrukturierung des thailändischen Bankensystems überwunden werden konnte. Dieser Schock steckt dem Land immer noch in den Knochen und bestimmt die aktuelle Wirtschaftspolitik.
Die Tsunami-Katastrophe vor zwei Jahren schwächte die thailändische Wirtschaft erneut, die sich gerade zu erholen begann. Hinzu kommt das Wiederaufflammen des Konflikts mit der muslimischen Minderheit im Süden des Landes, der mit brutaler Gewalt von Thaksin und den Militärs bekämpft wird. Es zeigte sich in diesem Zusammenhang auch, dass Bangkok ein Zentrum auch für islamische Extremisten geworden ist, die sich dort eine Operationsbasis für ihre Aktionen z.B. in Indonesien[8] – man denke hier an den Fall Hambali – aufgebaut haben.
Who done it?
Es gibt daher mindestens drei mögliche Gruppen, die für die jetzigen Anschläge verantwortlich sein könnten.
Erstens, könnten Anhänger von Thaksin versuchen, die politische Lage in Thailand weiter zu destabilisieren, um erneut an die Macht zu kommen. Die Anschläge zielten in ihrer breiten Streuung auf verschiedene soziale Gruppen drauf, sowohl die thailändische Bevölkerung einschließlich der ärmeren Stadtbewohner als auch die städtische Mittelschicht sowie ausländische Touristen zu treffen. Die Tourismusindustrie, die bereits in den zurückliegenden Jahren durch den Tsunami von 2004 schwer getroffen worden ist, muss daher einen weiteren Rückgang der zahlungskräftigen ausländischen Touristenströme befürchten.
Es könnten aber auch muslimische Terroristen aus den südlichen Provinzen dafür verantwortlich sein, die den Konflikt aus dem Süden in die Hauptstadt und den Norden – Chiang Mai soll auch von Anschlägen betroffen worden sein – tragen wollen.
Last but not least könnten auch islamische Terroristen die Anschläge als Mittel des symbolischen Protests gegen die Hinrichtung Saddams Husseins durchgeführt haben, die Täter sein.
Die thailändische Regierung wird daher alle Hände voll zu tun haben, die Hintergründe der Anschläge aufzudecken und die Täter sowie möglichen Drahtzieher dingfest zu machen.
Kein Happy New Year in Thailan.
Die Idee, daß Thaksin-Anhänger neun Bomben legen, ist hirnrissig.