Analyse: Ölpreis unter 60 US Dollar gefallen

Das Jahr der Ölpreisexzesse mit Preisen von über 80 US Dollar scheint glücklicherweise vorbei zu sein. Zum ersten Mal seit über einem Jahr ist der Ölpreis für das Light Sweet Crude Öl auf 59,68 Dollar gefallen. Das milde Wetter insbesondere auch in den USA soll dies herbeigeführt haben. Allerdings ist

opecDas Jahr der Ölpreisexzesse mit Preisen von über 80 US Dollar scheint glücklicherweise vorbei zu sein. Zum ersten Mal seit über einem Jahr ist der Ölpreis für das Light Sweet Crude Öl auf 59,68 Dollar gefallen.

Das milde Wetter insbesondere auch in den USA soll dies herbeigeführt haben. Allerdings ist auch zu bedenken, dass es nicht nur aufgrund der günstigen Witterung ein vorübergehender Effekt sein könnte.

Mittelfristige Perspektiven

Betrachtet man die US Konjunkturentwicklung, dann wird deutlich, dass sie deutlich auf einen Abschwung hin weist. Die Zinserhöhungen Die Fed hievte innerhalb der letzten achtzehn Monate die Zinssätze von 1 Prozent für die Federal Funds Rate auf 5 ¼ Prozent. Dies hat nicht zuletzt dem bereits völlig überhitzten Immobilienmarkt in den USA und der Konsumneigung der amerikanischen Verbraucher einen deutlichen Dämpfer versetzt; auf dem amerikanischen Immobilienmarkt waren in den großen Ballungsgebieten jährliche Preissteigerungen von 8 bis 10 Prozent über die letzte Dekade hinweg Gang und Gäbe.

Zwar ist noch nicht klar, ob es eine weiche oder harte Landung der US Wirtschaft nach Jahren der schuldenfinanzierten Hochkonjunktur geben wird, aber grundsätzlich herrscht ein breiter Konsens, dass es zu einer deutlichen Wachstumsverlangsamung kommen wird. Erst jetzt wird der Zinseffekt aufgrund der erreichten Höhe in vollem Umfang spürbar, der nach den zurückliegenden Zinssteigerungen des letzten Dreivierteljahres inzwischen seine Wirkung entfaltet – solange dauert im Durchschnitt die Zinsanpassung der Wirtschaft an die aktuelle Zinsentwicklung.

Da die USA aber rund ein Drittel der Weltwirtschaft hinsichtlich des Sozialprodukts repräsentieren und in den zurückliegenden Jahren ihr Außenhandelsdefizit kräftig auf über 6% des Bruttoinlandsprodukts ausgeweitet haben, wird der sinkenden Importsog der US-Wirtschaft die Weltkonjunktur nicht nur in den Kommenden Monaten aufgrund der Witterungseinflüsse eintrüben.

Damit ist zu erwarten, dass der Ölpreis weiter in den kommenden Monaten rückläufig sein wird. Hierfür spricht auch, dass die OPEC bereits Fördermengenbeschränkungen für ihre Mitgliedsländer vereinbart hat, d.h. es bestehen derzeit keinerlei Förderengpässe, sondern die Öllager der erdölproduzierenden Länder sind randvoll. Solche Marktlagen begünstigen einen weiteren Preisverfall, der zuletzt sehr stark von spekulativen Auswüchsen an den Rohstoffterminmärkten geprägt war.

Günstige Perspektiven für die Eurozone

Dies sind frohe Botschaften für die Bundesregierung und die EZB, da die Rohstoffpreishausse insbesondere auch beim Rohöl, die Inflationsentwicklung innerhalb der Eurozone als importierte Inflation anheizte, so dass die Inflationsrate innerhalb der Eurozone über den von der EZB gesetzten Referenzwert von 2% hinaus anstieg. Lässt dieser Preisdruck von den Rohstoffmärkten insbesondere dem Rohöl nach – ein tendenziell unter Aufwertungsdruck gegenüber dem US-Dollar stehender Euro trägt zusätzlich dazu mit bei – dann könnte die EZB von weiteren Zinserhöhungen und damit der Dämpfung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone absehen. Niedrige Zinsen, eine Stärkung des Binnenwachstums der Euroländer, falls die Einkommensentwicklung sich an dem gestiegenen Wirtschaftswachstum orientiert, sollte den wirtschaftlichen Aufschwung mehr Nachhaltigkeit verleihen können.

Bleiben größere weltwirtschaftliche Turbulenzen in den kommenden Monaten aus, dann sollte ein virtuous circle aus mehr Wachstum, mehr Beschäftigung, steigenden Einkommen und daraus zusätzlich resultierender Konsumnachfrage einen Exportrückgang insbesondere gegenüber den USA abfangen können.

Da sich der Rohstoffverbrauch in der Eurozone aufgrund der fortlaufenden Schrumpfung des Verarbeitenden Gewerbes und des Anstiegs des Dienstleistungssektors unterproportional zum Wirtschaftswachstum entwickeln dürfte, sollte ein stärkeres Wirtschaftswachstum nicht auf die Rohstoffpreise insbesondere auch beim Rohöl durchschlagen.

Rohölpreise bis zum Jahresende 2007 von deutlich unter 50 US Dollar rücken daher durchaus in den Bereich des Möglichen. Das sind gute Nachrichten auch für Deutschland und insbesondere die Arbeitslosen, deren Beschäftigungschancen sich in den kommenden Monaten verbessern sollte.

Also könnte alles im allem ein Gutes Neues Jahr vor uns liegen.

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