Steve Jobs hat auf der Macworld[1] in San Francisco das lange erwartetes iPhone vorgestellt. Mit dem Slogan, “wir werden das Telefon neu erfinden”, will Apple den erfolgreichen Einstieg in den riesigen Mobilfunkmarkt von über einer Milliarde Endgeräten – 1% Weltmarktanteil ist bereits für dieses Jahr geplant – nach dem Erfolg mit dem iPod erneut in der Telekommunikation erreichen. Ob dies gelingt?
Revolutionäres Design
Bei den ersten Besprechungen des neuen Endgeräts wird besondere Aufmerksamkeit auf das revolutionäre Design des iPhone gelegt. Der Verzicht auf eine Tastatur und die fast komplette Steuerung des Geräts über eine Touchscreen – übrigens vom deutschen Hersteller Balda – räumt mit den immer kleiner werdenden Tasten auf den bisherigen Multimediaendgeräten bei Blackberry, HP, Nokia oder Sony-Ericsson auf. Ein großes Wagnis für Apple, denn es ist noch nicht sicher, ob diese Form eines Eingabe-Devices tatsächlich praktischer sein wird als andere Lösungen. Ähnlich wie beim erfolglosen Newton von Apple war die Stifteingabetechnik damals noch nicht ausgereift. Sollte es sich zeigen, dass die Touchscreen doch nicht so gut für die regelmäßige Eingabe von E-mails, Surfen im Internet, etc. ist, dann könnte sich diese Lösung rasch als Achillesferse für das iPhone erweisen.
Durch den Verzicht auf eine Tastatur ist die Fläche für einen großen Bildschirm deutlich gewachsen, so dass sich das iPhone trotz seines Namens eher als Video-Player mit eingebauten Mobilfunk sowie fixed Wireless Zugang (derzeit WiFi) hervorragend eignet, d.h. für IPTV ergeben sich deutliche Vorteile gegenüber den bisherigen Endgerätedesigns. Mithin wird es sehr stark davon abhängen, ob die Nutzer eher an einer Nutzung des iPhone als Streaming-Video und Musikplayer interessiert sind oder am texteingabeintensiven Surfen im Internet oder Kommunikation per E-mail. Für Business-User dürfte das iPhone nur als Ergänzung zu anderen tastenorientierten Endgeräten sinnvoll sein.
Besonders interessant erscheint jedoch, dass Apple nur auf eine Kombination von schmalbandiger Zugangstechnologie à la GSM setzt und nicht mobile Breitbandtechnologien wie UMTS/HSDPA unterstützen will.
Mobile Breitbandtechnologie
Da Cingular als zweitgrößter Mobilfunknetzbetreiber in den USA das iPhone als erster großer Mobilfunkanbieter zunächst exklusiv vertreiben wird, lässt dies einige Schlüsse bezüglich des Ausbaus einer mobilen Breitbandtechnologie von Cingular für die USA erwarten. Offensichtlich plant man nicht, wie andere Mobilfunkanbieter noch auf den UMTS/HSDPA-Zug aufzuspringen. Stattdessen wählt man eine Strategie, die über ubiquitous WiFi-Hotspots von Cingular, den fixed Wireless-Zugang zu Breitbanddiensten ermöglicht und ansonsten für das Telefonieren die klassischen Technologien eibehält. Zukünftig könnte jedoch mit dem raschen Ausbau von WiMax-Netzen, die Flächendeckung und Bandbreiten zu einem echten mobilen WiMax/WiFi-Netzinfrastruktur ausgebaut werden. Dies wäre eine völlig anderer Entwicklungspfad als er in Europa derzeit von den großen Mobilfunknetzbetreibern geplant ist.
Es verstärkt sich hiermit der Eindruck, dass die USA und Europa derzeit getrennte Wege beim Aufbau mobiler Breitbandnetze beschreiten.[2]
Apple setzt mit seinem iphon ganz auf Risiko, wenn es mit dem Verzicht auf eine hybride Lösung wie beispielsweise beim Nokia N95[3] des derzeitigen Weltmarktführers mit GSM-Quadband/GPRS/UMTS/HSDPA sowie WiFi derzeit nicht in der Lage ist, flexibel zwischen den existierenden Übertragungsplattformen im Mobilfunk bzw. fixed Wireless zu wechseln. Da Apple bemüht ist, sich im hochpreisigen Marktsegment mit dem iPhone zu positionieren, liegen die iPhone Preise durchaus im Bereich des Nokia N95 und anderer vergleichbarer Endgeräte anderer Hersteller.
Bleibt auch noch das Problem der internen Speicherkapazität des iPhone mit 4 Gbyte intenen Speicher. Damit liegt es derzeit auf dem oberen Speichernievau der Flash-Memory-Speicher analog zum iPod Nano. Dadurch wird zwar deutlich Energie für das Gerät gegenüber einer eingebauten Microdisk von beispielsweise 30 Gbyte gespart, doch sind damit insbesondere Videodownloads bzw. -aufzeichnungen längerer Inhalte, wie Filme etc., kaum realisierbar. Mithin wird hier eher an kurze Videoclips à la Youtube[4] gedacht worden sein. Für Anhänger großer Musikarchive auf MP3-Playern sind 4 Gbyte interner Speicher zu klein.
Zielgruppe Jugend
Damit zielt das iPhone auf eine sehr spezifische – vermutlich junge bzw. jugendliche -Kundschaft, die aufgrund ihres Nutzungsprofils mit dem iPhone insbesondere in den USA wegen fehlender UMTS-Netzinfrastrukturen besonders angesprochen wird.
Ob dieser begrenzte Kundenkreis ausreicht, um die geplanten 10 Millionen iPhones in diesem Jahr abzusetzen, bleibt daher abzuwarten. Es könnten auch rasch weitere Modelle von Apple folgen, die entsprechend differenzierteren Kundenbedürfnisse in anderen Bereichen besser abdecken. Auch hier wird dies erst die Zukunft zeigen.
[2] http://www.readers-edition.de/2006/07/13/usa-und-europa-beim-mobilfunk-gespalten
[3] http://www.nokia.de/de/mobiltelefone/modelluebersicht/n95/startseite/228206.html
Es gibt das iPhone nicht nur mit 4GB, sondern auch mit 8GB.
Sicher bleibt es abzuwarten ob die Idee mit dem Touchscreen so gut funktioniert. Aber da die eingeblendeten Tasten per Software gesteuert werden, besteht jederzeit die Möglichkeit per Softwareupdate Teile der Steuerung zu ändern.
Keine Ahnung ob Apple wirklich das Telefon neu erfunden hat, dafür muss man die Geräte in der Praxis testen. Aber das Bedienkonzept hat etwas revolutionäres, man hätte auch einfach einen iPod mit ein paar Tasten bauen können.