Das führende Internet-Markt- und Medienforschungs-Unternehmen Nielsen//NetRatings (Wikipediaeintrag zum Unternehmen), hat die Leserschaft der Top-10 US-Online-Zeitungen untersucht (PDF) und dabei besonders auf die Weblogs dieser Zeitungen geachtet.
Die Gesamtleserschaft der Online-Journale ist im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen, die ihrer Weblogs aber um 210 Prozent! Interessant ist dabei auch der etwas höhere Männeranteil bei den Zeitungsblogs (66%), gegenüber den Zeitungen (60%). Nielsen//NetRatings erklärt das aus der stärkeren Technikaffinität (“early adopters”) und dem größeren Nachrichteninteresse von Männern.
Noch ist die jährliche Wachstumsrate bei den weiblichen Zeitungsblog-Lesern geringer (183%), als bei den Männern (226%), doch die Medienforscher erwarten, dass sich das ändert. Grund zum großen Jubel, wie etwa aktuell bei n-tv, mag dann doch übertrieben sein. Dort verlautete nämlich: “Amerikaner glauben Blogs!” n-tv versucht zwar, diese These mit einer Studie des Pew Internet & American Life Project zu stützen, nach der die Zahl der Amerikaner, die sich beim letzten US-Wahlkampf (“mid-term elections campaigns”) im August dank des Internets informiert haben, auf 15 Prozent zunahm.
Laut Pew-Studie (sie blieb bei n-tv unerwähnt) haben 20 Prozent der interessierten Wähler Weblogs genutzt – insbesondere Nutzer mit höherem Bildungsgrad, höherem Einkommen, oder Teilnehmer an den Internetkampagnen. Leider sagt die Studie nicht, wie hoch dieser Wert vorher war.
Keine der beiden Studien vergleicht die Glaubwürdigkeit oder das Vertrauen in die unterschiedlichen Medien. Mehr noch: Sie spielt darin überhaupt keine Rolle. Beide Studien untersuchen nur das Nutzungsverhalten, letztere auch die Motive. n-tv verzichtet darauf, den Unterschied zwischen dem Besuch von Zeitungsblogs und der Glaubwürdigkeit der Zeitungsblogs für die Leser deutlich herauszustellen.
Dieser Artikel wurde zuvor im Weblog des Autos veröffentlicht.
Ein hervorragender weil informativer Artikel. Tatsächlich ist die Fragestellung nach der Glaubwürdigkeit der Zeitungsblogs tatsächlich eine entscheidende und deswegen liegt genau darin die Schwäche der Studie.
Mich würde diesbezüglich die Abweichung von dem “mainstream” Medien interessieren. Entsteht eine die “öffentliche” Wahrnehmung stützende “mediale” Wirklichkeit oder nimmt eine “Fragmentierung” in “Wirklichkeiten” zu.
Aber das nur so am Rande