FC Bayern auf Suche nach eigener Form

Es war ein seltsames Bild, das sich den 80.000 Zuschauern gestern Abend im Dortmunder “Signal-Iduna Park” bot: Drei Minuten vor dem Ende der offiziellen Spielzeit lag der große FC Bayern mit 2:3 gegen ersatzgeschwächte Dortmunder zurück. Dennoch spielten sich die Verteidiger-Hünen Lucio und van Buyten mit ihrem Kollegen Oliver Kahn

Fans im Dortmunder â??Signal-Iduna Parkâ??Es war ein seltsames Bild, das sich den 80.000 Zuschauern gestern Abend im Dortmunder “Signal-Iduna Park” bot: Drei Minuten vor dem Ende der offiziellen Spielzeit lag der große FC Bayern mit 2:3 gegen ersatzgeschwächte Dortmunder zurück.

Dennoch spielten sich die Verteidiger-Hünen Lucio und van Buyten mit ihrem Kollegen Oliver Kahn die Bälle so langsam hin und her, als ginge es nur darum, gegen die Alt-Herren-Mannschaft von Germania Erkenschwick einen 1:0-Vorsprung über die Zeit zu retten. Nichts war zu sehen von einer Schlussoffensive, von einem letzten Aufbäumen, um den verkorksten Rückrunden-Auftakt in buchstäblich letzter Minute doch noch abzuwenden. Stattdessen boten die Bayern über 90 Minuten das, was sie auch schon über weite Strecken der Hinrunde gezeigt hatten: einen uninspirierten Angriffsfußball, in dem jegliches Überraschungsmoment fehlte.

Podolski alleine gelassen

Bezeichnend die Gesten des wieder nur eingewechselten Lukas Podolski, der kurz vor Schluss im gegnerischen Strafraum beinahe platzte und seine Kollegen wild gestikulierend aufforderte, das Spiel mehr in die Breite zu ziehen. Aber niemand hörte auf den Prinzen, der zurzeit in München vergeblich nach seinem Königreich sucht.

Elan aus der Vorbereitung verloren?

Was ist bloß los mit dem FC Bayern? Uli Hoeneß hatte wenige Tage vor dem Dortmund-Spiel noch von einem “überragenden” Trainingslager in Dubai geschwärmt, in dem sich die Mannschaft über einen längeren Zeitraum perfekt auf die Rückrunde vorbereiten konnte. Und der Manager schien recht zu behalten: Noch beim letzten Testspiel, dem 2:0-Sieg gegen den HSV, traten die Münchener wie eine echte Spitzenmannschaft auf.

Sebastian Schweinsteiger wirbelte hinter den Spitzen, als wäre er im Brasilien-Trikot mit der Nummer 10 auf die Welt gekommen, Lucio setzte seinen zuweilen überbordenden Offensivdrang endlich einmal sinnvoll ein. Sogar der als Fehleinkauf verschriene Iraner Ali Karimi, der ohne das abrupte Karriereende von Sebastian Deisler den Verein in der Winterpause wohl verlassen hätte, erzielte ein Tor.

Alles schien also angerichtet für das Spiel gegen den BVB. Dass es dann am Ende für die Bayern trotzdem nicht reichte, war nicht einmal der Stärke der nur phasenweise ansehnlich kombinierenden Hausherren geschuldet, sondern eher der eigenen Unfähigkeit. Wer eine 2:1-Führung innerhalb von zwei Minuten aus der Hand gibt, muss sich zu recht unangenehme Fragen gefallen lassen.

Gravierende Mängel in der Hintermannschaft

Es besteht wenig Hoffnung, dass sich das Blatt für den FCB in nächster Zeit noch einmal wendet. Größtes Problem der Münchner bleibt dabei die anfällige Defensive, die soviel mit dem Abwehr-Bollwerk um Patrick Andersson, mit dem die Bayern 2001 die Champions-League gewannen, gemeinsam hat, wie der Papst mit Dolly Buster. 22 Gegentreffer sind nur Liga-Mittelmaß, selbst Wolfsburg (16) und Bielefeld (18) haben in der Hinrunde weniger Tore kassiert. Die Innenverteidiger Lucio und van Buyten harmonieren immer noch nicht so, wie man das von zwei Spitzenspielern eigentlich erwarten sollte. Daran hat auch das Trainingslager im sonnigen Dubai wenig geändert. Zudem fehlt Valerien Ismael weiterhin verletzt und Martin Demichelis kam erst zu Beginn des zweiten Durchgangs für den wie immer bemühten, aber glücklosen, Hasan Salihamidzic.

Eine Möglichkeit, den Defensivverbund zu stärken, wäre die Umstellung auf eine Dreierkette mit Lucio, van Buyten und Demichelis, sowie dem abräumenden Holländer Mark van Bommel als Quasi-Vorstopper. Das würde zwangsweise zu mehr Freiheiten für die beiden Flügelspieler Phillip Lahm und Willy Sagnol führen und das ideenlose Offensiv-Spiel der Bayern zusätzlich ankurbeln. Aber in der Bayern-Führung will man von solchen Ideen (noch) nichts wissen.

Verfehlte Münchener Einkaufspolitik

Genauso wenig interessiert es die Herren Rummenigge, Hoeneß und Magath, wenn in der Öffentlichkeit über die verfehlte Einkaufspolitik der letzten Bayern-Jahre diskutiert wird. Dos Santos, Karimi, Hashemian – alles Neuverpflichtungen, die sich bei der Mannschaft von der Säbener Straße nicht richtig durchsetzen konnten, vom angeblichen Jahrhunderttalent Roque Santa Cruz ganz zu schweigen.

Nun kommt mit dem Aachener Jan Schlaudraff in der nächsten Saison eine neue Offensivkraft, die dem oftmals statischen Münchener Spiel wieder mehr Dynamik verleihen soll. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob dieser Transfer den Münchnern wirklich weiter hilft, um Situationen wie die letzten Minuten im Spiel gegen den BVB in Zukunft zu vermeiden.

Kommentare

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  1. Leider hast du in allen Belangen recht, was mir besonders auffällt ist die fehlende Abstimmung zwischem dem Mittelfeld und dem Sturm, zudem die Anfängerfehler in der Abwehr. Was Bayern dringend bräuchte wäre eine echte Nr 10, jemand der wie Mätthäus oder Effenberg mal dazwischenhaut, van Bommel ist schon ein guter Mann aber keine 10 und Schweinsteiger der braucht noch viel Zeit bevor er in diese Rolle reinwächst. In dieser Saison muss Bayern sehr aufpassen das sie wenigstens den 3 Platz erreichen, so wie sie bisher aufgetreten sind, bezweifele ich schwerstens das sie den 3 Platz halten können.