“Goldene Raffzähne” für dreistestes Praktikum

Die Ausbeutung von Praktikanten ist weit verbreitet. Junge Akademiker erhalten keine feste Stelle, sondern arbeiten ohne Lohn oder nur gegen ein geringes Entgelt. Nun gibt es im Internet einen Pranger. Dort werden besonders krasse Fälle veröffentlicht und dann “prämiert.” Wer hat nicht alles darüber geschrieben, in Leitartikeln und Dossiers. Der Ausdruck

Generation PraktikumDie Ausbeutung von Praktikanten ist weit verbreitet. Junge Akademiker erhalten keine feste Stelle, sondern arbeiten ohne Lohn oder nur gegen ein geringes Entgelt. Nun gibt es im Internet einen Pranger. Dort werden besonders krasse Fälle veröffentlicht und dann “prämiert.”

Wer hat nicht alles darüber geschrieben, in Leitartikeln und Dossiers. Der Ausdruck “Generation Praktikum” wurde denn auch hinter dem Wort “Fanmeile” knapp zum Wort des Jahres 2006 gewählt. Zumindest scheint das Problem im öffentlichen Bewusstsein also angekommen zu sein.

Goldene Raffzähne für das dreisteste Praktikum

Noch verhalten sich die Jugendlichen in Westeuropa aber im Allgemeinen still. Warum eigentlich? Eine mögliche Antwort: Während des Studiums ist das Problem noch zu weit weg, um ein wirkliches Interesse an Aktionen zu entwickeln und eine solidarische Vernetzung arbeitsloser Akademiker nach dem Studium dann kaum noch möglich. Das Internet könnte hier Ausweg und Alternative zugleich bieten: Auf der Website Fairwork-Verein können Praktikanten ihre Firmen kritisch nach Arbeitszeit, Bezahlung und Fairness beurteilen. Regelmäßig wird das “Abzockerpraktikum des Monats” gekürt. Vor ein paar Tagen gingen die “Goldenen Raffzähne” für das dreisteste Praktikum des gesamten Jahres 2006 an die Werbeagentur Georg Abdallah GmbH aus Bordesholm. Sie bietet Stellen an, indes nur unter der Voraussetzung eines mindestens 3 Monate dauernden unbezahlten Praktikums. Das wurde jetzt bestraft.

Die Aktion des Abzockerpraktikums des Monats ist vielleicht ein erster Ansatz, der in die richtige Richtung weist. Denn die problematische Situation arbeitsloser Akademiker wird gesamtgesellschaftlich noch immer heruntergespielt und die Verantwortung dafür auf den Einzelnen abgewälzt. Wenn “Hauptsache billig” von Unternehmen zur Devise erkoren wird, ist vielleicht  auch die Politik gefragt.

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