Seriöse Familienpolitik oder Propaganda?

Mittlerweile ist es schon fast üblich geworden, dass Bundesregierung oder Bundesministerien Anzeigenkampagnen schalten. Eine aktuelle Kampagne kommt aus dem Bundesfamilien-ministerium. Auf einem Plakat ist der Bauch einer hochschwangeren, liegenden Frau zu sehen – obenauf stehen ein paar Kinderschuhe. Weiterhin schmückt das Bild eine Aufschrift, die dem Kind die Worte in den

Ursula von der LeyenMittlerweile ist es schon fast üblich geworden, dass Bundesregierung oder Bundesministerien Anzeigenkampagnen schalten. Eine aktuelle Kampagne kommt aus dem Bundesfamilien-ministerium.

Auf einem Plakat ist der Bauch einer hochschwangeren, liegenden Frau zu sehen – obenauf stehen ein paar Kinderschuhe. Weiterhin schmückt das Bild eine Aufschrift, die dem Kind die Worte in den Mund legt, dass es zuerst bei Mama krabbeln lernt und dann bei Papa laufen. Deutlich kleiner ist darunter der Hinweis angebracht, dass es ein Elterngeld gibt und eine steuerliche Förderung der Kinderbetreuung. Es folgt eine Internetadresse.

Wenig Informationsgehalt

Der Informationscharakter solcher Kampagnen ist meist gering, die Methoden beruhen auf dem aktuellen Stand der Beeinflussungspraktiken durch Werbung. Wenn eine Regierung Werbekampagnen schaltet und dabei mehr an das Gefühl appelliert als Informationen bereitstellt, kann dies unter Umständen fast unvermeidlich als Staatspropaganda ausgelegt werden. Diese wäre aber einer Demokratie wie der unsrigen in Deutschland unwürdig.

Bedürfnisse der Eltern werden teilweise übergangen

Das Elterngeld gibt es erst seit Januar dieses Jahres und Information ist angebracht, damit Eltern ihre Erziehung optimal planen und einrichten können. Auf der großen Fläche des Plakates wird aber mit keinem Wort erklärt, wie sich das Elterngeld gestaltet. Außerdem wird inhaltlich unterschlagen, dass bei der gleichfalls damit im Zusammenhang stehenden angepriesenen Kinderbetreuung weder Mama noch Papa dem Kind die vielleicht notwendige Unterstützung für dessen erfolgreiche Förderung geben können. Denn das Elterngeld sieht eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit nach nur einem Jahr vor. Die in diesem Alter beispielsweise noch stark bestehende Mutterbindung des Babys wird nicht diskutiert. Essentielle Faktoren, die die Entwicklung des Kindes maßgeblich mitbestimmen, werden in der Argumentation also außer Acht gelassen.

Selbstbestimmte Bürger

Eltern brauchen Flexibilität, um die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder ernst nehmen zu können. Und nicht umsonst ist im Grundgesetz geregelt, die Erziehung der Kinder sei zuvorderst alleinige Angelegenheit der Eltern. Die Regierung muss anerkennen, dass das Volk aus mündigen Menschen besteht und ihm somit auch mehr Freiheiten gestatten. Im Dialog mit den Bürgern kann man dann leichter bestehende Widersprüche beseitigen.

Tiefergehende Auseinandersetzung notwendig

Man sieht, dass die wirklichen Probleme der Familien gar nicht angegangen werden. Im Moment ähnelt die ans bloße Gemüt gerichtete Familienpolitik eher einer billigen durchschaubaren Propaganda, als dass dahinter der Wille zu tatsächlicher Auseinandersetzung – wie umfassender Aufklärung  – zu erkennen ist. Stattdessen soll über die bestehenden Probleme hinweggetäuscht werden. Nicht wenige Bürger halten dies für eine leidliche Unverschämtheit.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. @Huber
    Kinder sind viel robuster als man denkt. Man braucht einfach nur einen Blick über die Landesgrenzen zu werfen und stellt dann fest, dass – egal welches Betreuungsmodell in den ersten 3 Jahren angewandt wird- keine Psychopaten dabei heraus kommen.
    Meiner tiefen Überzeugung nach ist der entscheidende Punkt, dass die betreuende Person mit sich zufrieden und ausgeglichen ist, egal ob Vater oder Mutter, Oma/Opa, Erzieherin oder Tagesmutter.

    Übrigens ist auch der Kindergarten das geringste Problem der Kinderbetreuung. Grundschule und Schule sind ein Alptraum für jede werktätige Familie. Wechselnde Anfangs- und Endzeiten, kurzfristige Ausfälle, unendlich lange Ferien ohne Betreuung, etc.

    Deine Forderung genaueste Informationen über das Elterngeld auf den großen Plakaten aufzubringen (ist ja Platz da) finde ich lächerlich.
    Keiner würde sich länger als einige Sekunden mit dem Text befassen (und das wissen gerade Werbetreibende sehr genau).
    Das Plakat soll Interesse wecken, die Detailinformationen kann man sich leicht besorgen.