Die “westlichen” Teilnehmer der so genannten Münchner Sicherheitskonferenz dürften während der Rede von Russlands Präsident Putin gestern mit Herzflattern und Atemnot zu kämpfen gehabt haben. Besonders die Vertreter von Bushs USA. Zuerst dachten sie vielleicht noch, sie hätten sich verhört. Ganz im Gegenteil: Nach Jahren des Zusehens, Anbiederns oder gar der teilweisen Komplizenschaft hat Vladimir Putin ausgesprochen, was Sache ist in der Welt.
Das, was die USA in Afghanistan und Irak veranstalteten, so Putin in München, sei ein unannehmbares, unmögliches, unlegitimierbares Modell der Weltherrschaft, das ohne moralisches und ethisches Fundament sei. Hunderttausenden Menschen habe eine durch nichts gezügelte Anwendung militärischer Gewalt das Leben gekostet. Dabei sei das Völkerrecht und das Recht verachtet worden. Das von Menschenrechtsrechtsverletzungen geprägte Verhalten der US-Administration führe dazu, dass niemand sich mehr sicher fühle, weil das Recht niemanden stütze.
„Die Welt eines Herrschers, eines Systems.”
“Es ist die Welt eines Herrschers, eines Systems.” Das habe “nichts mit Demokratie zu tun” Demokratie sei “die Macht der Mehrheit bei gleichzeitiger Achtung der Position der Minderheit”, hob Putin hervor. “Jeder Westler” sei bereit, Russland in Sachen Demokratie “zu belehren”, sagte der russische Präsident und fügte hinzu: “Selbst ist man nicht bereit zu lernen.” Gleichzeitig warnte Putin eindringlich davor, die Uno durch Nato oder die EU zu ersetzen.
Starker Tobak? Für den so genannten “Westen” bestimmt. So verkündete denn gestern Abend auch der Infoscreen von N24 in der U-Bahn: “Paukenschlag: Putin übte schwere Kritik an den USA.” Da mag so manche(r) geschluckt haben. Dabei hatte der frühere Geheimdienstmann Putin nur die derzeitige unsicherer gewordene Welt von heute richtig beschrieben und die Ursachen dafür benannt. Dass Putin so hart Kritik übte, hat bestimmt nicht nur mit damit zu tun, sondern ist ganz sicher auch der Tatsache geschuldet, dass aus Putin auch die lange gedemütigte Seele einer einst den USA ebenbürtigen Großmacht sprach, die sich nun wieder anschickt mehr in die Weltengeschicke einzugreifen.
Wahrheiten ausgesprochen?
Sicher werden nun die üblichen Verdächtigungen in Leitarktikeln aus den großen deutschen Zeitungsredaktionen zurückschlagen. Sie werden es wohl auch nicht versäumen zu erwähnen, dass Präsident Putin ja nun auch nicht gerade der “lupenreine Demokrat” ist, als den ihn Bundeskanzler Gerhard Schröder sah. Damit mögen sie teilweise recht haben. Das ändert allerdings nichts daran, dass Putin am Sonnabend in München Wahrheiten ausgesprochen hat, die von anderen längst deutlich hätten ausgesprochen werden müssen. Es waren Worte, die aufhorchen ließen. Die Zeit war überreif dafür. Dass einige Verantwortliche dieser Welt – darunter wohl auch Angela Merkel – davon ein wenig Herzflattern bekamen,: die Welt wird’s verkraften. Aus Washington hieß es dann auch prompt, man bedauere Putins Worte, denn nichts von dem stimme.
Auch wenn Putin nun wirklich nicht ein “lupenreiner Demokrat” ist, so hat er doch in seiner Ansprache endlich mal das gesagt, was schon längst überfällig war:
- Amerika hat mit den Irakkrieg die Welt unsicherer gemacht und die Saat für viele Terroristen gelegt
- Amerika bastelt an einen Nuklearabwehrschirm, der einen atomaren Wettlauf in Gang setzen wird
- Amerika achtet keine Menschenrechte (siehe Guantanamo)
- Amerika kümmert sich nicht um die Umwelt
Auch wann der kalte Krieg längst vorbeit ist, so scheint es dennoch immer wichtiger, dass die Großmacht USA endlich wieder einen Gegenspieler bekommt, damit dieser Machtmissbrauch a la Bush endlich aufhört.