Ende November 2006 hat der mysteriöse Tod des russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko Schagzeilen gemacht. Seitdem kennt fast jeder von uns das sehr seltene Element Polonium (Po). Aber wie gefärlich ist es wirklich?
Es hat lange gedauert bis der tatsächliche Grund der Vergiftung Litwinenkos festgestellt werden konnte. Die Ärtze am University College Hospital haben zuerst vermutet, es würde sich um eine Thallium-Vergiftung handeln. Der Grund für diese Vermutung war der plötzliche Haarausfall, der oft in Zusammenhang mit einer Thallium-Überdosis gebracht wird, der aber auch ein typisches Symptom für eine extreme Strahlbelastung ist.
Vergiftung durch Polonium -210
Nach genaueren Untersuchungen wurden nur sehr geringe Spuren von Thallium im Blut des Ex-Spions gefunden. Darüber hinaus wurde ein Kollaps seines Immunsystems sowie eine starke radioaktive Belastung seines Körpers festgestellt. Von diesen Ergebnissen konnten die Ermittler den wahren Grund seines Todes ableiten: Vergiftung durch Polonium-210. Die radioaktive Substanz, an der Litvinenko starb, wurde nach Angaben von Scotland Yard danach an mehreren verschiedenen Orten in London entdeckt
Das Schwermetall Polonium kann durch seine radioaktive Strahlung Krebs auslösen. Gefährlich und auch tödlich wird dieses hochradioaktive Element, wenn es in den Körper aufgenommen wird (mit der Nahrung, durch Einatmung oder durch eine Wunde).
In der Erdkruste kommt Polonium in Spuren vor und auch in unserem Körper befinden sich minimale Mengen des Elements. Spuren unter 7 Pikogramm [1 Pikogramm (pg) = 10-12 g] sind normalerweise ungefährlich. Allerdings stellt schon ein Mikrogramm [1 Mikrogramm (µg) = 10-6 g] von Polonium (das nicht größer als ein Staubkörnchen ist) eine tödliche Dosis dar. Studien haben gezeigt, dass die Knochen von Rauchern bis zu 2-Mal so viel Polonium enthalten als die von Nichtrauchern.
Entdeckt von Marie Curie
Das silberweiße Element wurde 1898 von Marie Curie in Paris entdeckt. Sie nannte es nach ihrer Heimat Polen. Für die Entdeckung und Beschreibung der Elementen Polonium und Radium erhielt Marie Curie 1911 den Nobelpreis für Chemie. Ironischerweise ist Curies Tochter, Irène Joliot-Curie, dem Erfolg ihrer Mutter zum Opfer gefallen. Sie starb nämlich an der Folge einer unbeabsichtigte Polonium-Vergiftung im Jahr 1956.
Es gibt 25 verschiede Isotope von Polonium, wobei Polonium-210 (Po-210) das abkömmlichere ist. Die Energie, die durch den Zerfall von Polonium freigesetzt wird, ist so hoch, dass nur 0,5 Gramm des Elements eine Temperatur von über 227 Grad erzeugen können. Diese Fähigkeit, Hitze zu produzieren, wird vor allem in der Weltramausrüstung benutzt. Künstlich wird Polonium in Kernreaktoren erzeugt. Etwa 100 Gramm Po-210 werden jährlich weltweit produziert.
Ermittlungen nicht abgeschlossen
Mittlerweile setzen die Beamten von Scotland Yard ihre Ermittlungen im Fall Litwinenko in Moskau fort. Eine Lösung ist noch nicht im Sicht, aber was auch immer der Grund für den Tod des Ex-Spions sein mag, so wurde durch diesen Fall einmal deutlich, welche Gefahren von radioaktivem Material ausgehen können.
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