In der Vergangenheit hat Readers Edition einige Webseiten vorgestellt, die an Konzepten “user generated content” und “Bürgerjournalismus” ausgerichtet sind. ”stern shortnews” wird ab März zu “Shortnews”, die bisherige Kooperation der GoNamic GmbH mit dem deutschen Nachrichtenmagazin “Stern” läuft somit aus.
Bezüglich der Teilnehmerzahl der Leserinnen und Leser ist die Plattform wohl die grösste und war vermutlich die erste Nachrichtencommunity ihrer Art in Deutschland. Die dort “schreibende Zunft” kann innerhalb eines Bonuspunktesystems für die eingereichten Kurz-Beiträge Prämien erhalten.
Kerstin Kratochwill, Managerin der Newsplattform “Shortnews Germany” stellt im folgenden Interview den Internetauftritt von “stern shortnews” (Abk.: “ssn”) vor:
jm: Wann und von wem wurde ”ssn” gegründet – wie entwickelte sich die Plattform seit ihren Anfängen über die Zeit bis heute?
ssn: ShortNews wurde von der Gonamic GmbH 1999 entwickelt. Die Kooperation mit dem Stern begann 2001.
Ab dem 01. März 2007 geht ShortNews wieder eigene Wege, dann läuft die Kooperation mit dem Stern aus. Der Schritt soll in erster Linie dazu führen, dass ShortNews sich zukünftig stärker als eigenständiges und unabhängiges Newsportal entwickeln kann. Im Grunde ist dies ein “Back to the roots”. Als ShortNews 1999 anfing, war die Idee des “user generated content” noch neu. Inzwischen brüstet sich jede Seite mit diesem Schlagwort. Uns geht es nun darum, die Usernachrichten zu fördern, wie wir das von Anfang an gemacht haben.
Momentan gibt es 354.037 registrierte User. Viele lesen dabei natürlich nur mit, wir wollen jedoch, dass mehrere User sich an der Newseinlieferung und der Diskussion darüber beteiligen. Wie sich die Plattform konkret seit 1999 entwickelt hat, kann ich schwer beurteilen, da ich erst seit einem Jahr als Product Managerin dabei bin. Die größten Änderungen gab es mit der Stern-Kooperation und dem dazugehörigen Re-Design. Auch jetzt wird es wieder ein paar kleine Design-Änderungen geben und natürlich ein neues Logo, das unseren unabhängigen Neustart symbolisieren soll.
Seit dem Boykott mancher User hat sich in unseren Augen auch so manches verändert und manches ist natürlich auch durchaus gleich geblieben. Wir versuchen seit der Entlassung der externen Mitarbeiter, die wir im Übrigen mit bezahlten Kräften vor Ort ersetzt haben, eine unabhängige und neutrale Plattform für unsere User zu entwickeln. Das heißt, das neue und alte Team soll in Zukunft mehr im Hintergrund stehen und nur moderieren bzw. die News checken. Das heißt konkret: das Augenmerk liegt in Zukunft auf den News, der Freizone, in der die User Kurzgeschichten, Essays etc. einstellen können und den Diskussionen über diese und die News.
Die Newseinlieferungen sind seit Ende des Boykotts auch wieder angestiegen. Wir wollen auch weiterhin Anreize schaffen, dass User sich hier journalistisch betätigen können.
jm: Können Sie ”ssn” als eine Plattform mit “user generated content” (wo Inhalte von Nutzern geschaffen werden) einordnen? Wenn ja – wie stellt sich dieses Konzept bei “ssn” dar?
ssn: Ja, ssn ist im Prinzip schon seit seinem Anfang ein “web2.0″. Das Schlagwort „User generated Content“ ist momentan etwas überstrapaziert, aber ich denke schon, dass man ssn hier einordnen kann. User liefern mit eigenen Worten News ein, die sie spannend und unterhaltsam finden. Über diese News wird diskutiert und darüber entwickelte sich eine Community.
jm: Wie wird die Idee, Nachrichten in Kurzform zu schreiben, von den “Newsschreibern” genutzt? Ist es für sie mehr ein Diskussions-Forum, in dem die Themen aus den Nachrichten aufgegriffen werden, ist es eine Informationsquelle für Interessierte an schnellem Zugriff auf kompakt dargestellte Nachrichten, oder ist es in erster Linie eine Community, wo “user für user” schreiben?
ssn: Alle drei Aspekte finden sich in ssn wieder. Natürlich hat jeder User andere Prioritäten: Viele nutzen das Angebot von ssn, um “eigene” News zu schreiben, aber auch andere Texte können verfasst werden (siehe unsere Freizone, wo Gedichte, Essays etc. eingeliefert werden).
Andere informieren sich kurz und knapp auf der Seite, wobei Sie die Gelegenheit haben, stets den Link zur Quelle anzuklicken, damit sie sich vertieft informieren können.
Und drittens hat sich im Laufe der Zeit eine starke Community herausgebildet, die über alles und jeden diskutiert.
jm: Können sich die Mitglieder von ”ssn” bei der inhaltlichen Gestaltung der Webseite aktiv einbringen?
ssn: Wir haben ein Support-Forum, in dem gerne Vorschläge und Ideen eingebracht werden können. Wir haben in letzter Zeit auch einige davon umgesetzt, aber natürlich können wir nicht jeden Wunsch erfüllen. Dennoch freuen wir uns über jeden User, der aktiv bei der Seite mitmacht und sich konstruktiv einbringt.
jm: Sieht sich ”ssn” als Betreiber einer Webseite, der mit der Nachrichtenplattform die Idee eines “Bürgerjournalismus” unterstützt?
ssn: In gewissem Sinne schon, wobei unsere Webreporter ja nicht selbst journalistisch tätig sind, indem Sie Dinge recherchieren, sondern, indem Sie bereits vorhandene News umformulieren und knapp und spannend für andere aufbereiten. Dennoch hat jeder Webreporter die Möglichkeit, unter seiner News einen persönlichen Kommentar zu hinterlassen, was ein persönliches politisches oder gesellschaftliches Engagement ermöglicht und was wiederum dazu führt, dass andere Leser sich über ein Thema austauschen können. In diesem Sinne ist ssn schon “bürgerjournalistisch”.
jm: Herzlichen Dank für das Interview!
Mischungen aus dem Kommerzmodell-Bannerwüste und einer Community, die sich letzlich über die Aktivität der Miglieder finanziert gibt es ja wie Sand am Meer.
Einzigartig hingegen ist es die Community völlig zu entmachten und die Admin-Aufgaben Mitarbeitern des Werbebanner-Verkäufers zu übertragen.
Im Netz ist nichts endgültig. Seit dem Einschnitt ist der Ton rauher geworden im selben Umfang, wie die news profaner werden.
Jeder, der sich die Mühe gibt ein solchen Konzept zu kopieren, ist imo in der Lage SN in der Versenkung verschwinden zu lassen.
Eine Pseudo-Community bewegt sich ausserhalb der Gesetzmässigkeiten des Netzes. Und egal welche zahlen SN auch gern propagiert, es gibt nicht mehr als 600 aktive User auf SN.
Wer googelt noch mit Fireball?
Durch den wegfall der Seriösität, die der Stern im Logo vermittelte, wird die Werbung für dubiose Rattenfänger vom SEO-Spammer bis zum Usnet-DL-Portal noch stärker ins Auge des Betrachters fallen.
Und die bezahlen schliesslich die Handy-Karten und Kaffetassen, mit denen die Dauernewser sich ihr Taschengeld aufbessern.
Ich nutze SN solange bis sich was besseres bietet, und da es dabei um Geld geht wird sich sicher früher oder später ein Anbieter finden, der sensibler mit der Community umgeht.
Und die Programmierung, die dahinter steht ist ja relativ simpel und auch von PHP-Anfängern gut zu lösen.
Daher prognostiziere ich daß wir alle woanders diskutieren werden noch bevor die Jahreszahlen zweistellig werden. Selbst in der Innovationswüste Deutschland, wird einer das Geld riechen.
Und? Wo diskutieren wir heute?
Ich stimme deinem Kommentar zu, aber geändert hat sich nix.