In jeder Stadt und in jedem Dorf gibt es eine Marktstraße. Keine dieser Straßen wird so kurz sein, dass sie vor der Hausnummer 14 endet. “Marktstraße 14 – Fotos und Geschichten” heißt ein interessantes Internetprojekt.
Die Marktstraßen-Idee hatte ich schon seit 1984. Damals wurde ich Lokalredakteur in Burgdorf bei Hannover, der Verlag befand sich in einem Fachwerkhaus, das heute noch Sitz von Redaktionen ist. Die Anschrift: Marktstraße 14, der Name der Lokalzeitung: “Burgdorfer Kreisblatt”. Die Auflage: um die 10 000 Exemplare.
Verkauf war schon halb beschlossen
Das war zum (Zeitungs-) Leben zu wenig, zum (Zeitungs-) Sterben aber bis Ende April 1986 noch zu viel. Ein junges Team sollte die Zahl der Leserinnen und Leser wieder mehren. Doch das gelang nicht in ausreichendem Maße, zumal für den Verleger der Verkauf an den hannoverschen Madsack-Konzern schon eine überlegenswerte und schließlich eine beschlossene Sache war.
Das “Kreisblatt” hatte schon viele Redakteure erlebt, die dort ihre Karriere begannen und später bei größeren Blättern unterkamen. Nach der Burgdorfer Zwischenstation machten sie sich Namen beim “Spiegel”, beim “kicker” und als Chefredakteure von diversen Tageszeitungen. Die Redaktionsmannschaft von Burgdorf war eine verschworene Gemeinschaft, die manchmal von der Nachrichtenhand in den Nachrichtenmund lebte, denn in einer so beschaulichen Kleinstadt ist an manchen Tagen nicht viel los.
Legende schläft und erfindet
Trotzdem ist auch noch Einiges verschlafen worden. Zu den Kleinstadt-Legenden gehört etwa inzwischen jener Redakteur, der sich schon insgeheim in den Ruhestand verabschiedet hatte, als das junge Team kam. Als sich vor seinem Redaktionsfenster Schlimmes tat, kam er jedenfalls nicht auf die Idee, eine Meldung daraus zu machen. Schockiert beobachtete er einen Straßenüberfall, Opfer war eine Frau. Dem Herrn Redakteur war ein Anruf bei der Polizei zwar nicht zu teuer, aber dann vergaß er den Vorfall wieder. Die Erinnerung kehrte erst zurück, als er am nächsten Morgen eine Tageszeitung aus Hannover aufschlug und von der Schlagzeile “Brutaler Überfall auf offener Burgdorfer Straße” geradezu angesprungen wurde.
Lustige Geschichten aus der Marktstraße 14
Exklusiv berichtete er dagegen über ein Feuerwerk. Das kam so: Jeden Frühling ist Jahrmarkt-Zeit in Burgdorf. Eröffnet wurde der Rummel stets mit einem Feuerwerk. Doch in jenem Jahr hatte der Redakteur keine Zeit. Er wollte verreisen, also suchte er ein prächtiges Feuerwerks-Foto aus dem Vorjahr heraus, schrieb ein paar begeisterte Zeilen für die Samstags-Ausgabe über die bunte Pracht am Burgdorfer Nachthimmel und verabschiedete sich bis Montag, der ihm das Erschrecken brachte. Denn nach seiner Abreise hatte Petrus die Schleusen des Himmels geöffnet und so jedes Feuerwerk im nassen Keime ertränkt.
Nicht in jeder Marktstraße 14 werden sich so lustige Geschichten abgespielt haben, aber vielleicht solche, die interessant genug sind für eine Veröffentlichung auf http://marktstrasse14.beeplog.de mit Fotos von den Gebäuden, die sich an dieser Stelle befinden. Zusendungen gerne an: heinzpetertjaden@arcor.de.
Der Autor Heinz-Peter Tjaden aus Wilhelmshaven ist Redakteur und Schriftsteller. Gleichzeitig ist er Portalbetreiber der Seite http://marktstrasse14.beeplog.de.
Also ich kennen genügend Städte / Dörfer wo es keine Marktstraße gibt! Aber es gibt fast immer eine Dorfstraße und eine Berliner Straße