Kursrutsch an den Weltbörsen

Gestern kam es zu drastischen Kurseinbrüchen an den Weltbörsen. Verantwortlich dafür war insbesondere die Börse in Shanghai, wo es im Rahmen der Asienkrise einen Fall der Aktien um 8.8% gab – dem stärksten innerhalb eines Tages seit zehn Jahren. Dem folgten auch die anderen asiatischen Börsen. Hintergrund sind Spekulationen, dass

boerse.jpgGestern kam es zu drastischen Kurseinbrüchen an den Weltbörsen. Verantwortlich dafür war insbesondere die Börse in Shanghai, wo es im Rahmen der Asienkrise einen Fall der Aktien um 8.8% gab – dem stärksten innerhalb eines Tages seit zehn Jahren.

Dem folgten auch die anderen asiatischen Börsen. Hintergrund sind Spekulationen, dass die chinesische Regierung die überhitzte chinesische Wirtschaft durch wirtschaftspolitische Maßnahmen demnächst dämpfen wird. Insbesondere werden deutliche Zinserhöhungen befürchtet.

Nur eine kurzfristige Korrektur?

Von Asien aus wanderte die Kurskorrektur auch nach Amerika, wo der Dow Jones um 3,3% und die anderen Börsenwerte und Indizes den tiefsten Sturz seit dem 11. September im Jahr 2001 erreichten. Hintergrund waren hier insbesondere auch Rohstoffwerte, da dort zuletzt insbesondere auch wegen des hohen chinesischen Importbedarfs die Rohstoffpreise drastisch gestiegen sind. Sinkt die Nachfrage in China, dann wird es auch hier zu einer Trendwende bei den Unternehmen kommen.

Gestern trugen jedoch auch Probleme mit dem elektronischen Börsenhandelssystem bei der New York Stock Exchange (NYSE) zum Kursrutsch bei, das die Auftragsflut kurzfristig nicht mehr bewältigen konnte. Dies zeigt aber auch die Verletzlichkeit der elektronsichen Handelssysteme, wenn es zu Panikverkäufen am Markt kommt – neben der bereits seit einiger Zeit im Markt existierenden Nervosität der Händler, dass eine größere Kurskorrektur bevorstünde. Da zuletzt stetig neue Höchststände an den Weltbörsen zu verzeichnen waren, gibt es aber auch neben den psychologischen Faktoren eines Dämpfers für den zu großen Optimismus der Anleger auch reale Ursachen, die den bisherigen Optimismus eines ungebremsten Wirtschaftswachstums eintrüben.

Die US-Wirtschaft vor einer Rezession?

Bisher war man in den USA von einer insgesamt sanften Landung der US-Wirtschaft im Laufe dieses Jahres ausgegangen. Ben Bernanke, der derzeitige Vorsitzende der US-Zentralbank, hatte zuletzt eine optimistische Einschätzung über den Verlauf einer Wachstumsschwäche gegeben. Dem hatte am Montag Alan Greenspan, der Vorgänger von Bernanke, in einem Interview widersprochen. Er warnte vor der Möglichkeit einer harten Landung der US-Wirtschaft zum Jahresende.

Eine nachhaltige Immobilienkrise in den USA?

Der Immobilienmarkt in den USA, der in den letzten zehn Jahren boomte, kühlt sich weiter ab und führt durch den Preisverfall insbesondere auch bei privaten Immobilien wie Einfamilienhäusern dazu, dass die an kontinuierliche Wertsteigerung gewöhnten Hauseigentümer plötzlich ihre Erwartungen korrigieren müssen. Bisher wurden die Wertsteigerungen zu einem nicht unerheblichen Teil dazu benutzt, dass der private Konsum ausgeweitet wurde. In der Phase der Niedrigzinspolitik in den USA konnte durch Umschuldung die Zinslast von Hypotheken nachhaltig gesenkt werden. Später wurden jedoch verstärkt auch neue Hypotheken zur Finanzierung des laufenden privaten Verbrauchs aufgenommen, da die gesunkenen Hypothekenlasten und gestiegenen Immobilienwerte den Kreditrahmen ausweiteten.

What goes up, must come down

Diese Entwicklung ist jetzt nach dem Zinsanstieg und dem Rückgang der Immobilienpreise aufgrund deutlich rückläufiger Nachfrage gestoppt worden. Nach Angaben der National Association of Realtors, die gestern veröffentlicht wurden, sind seit Juli 2006 die Hauspreise im Einfamilienhausmarkt um 8,5% gefallen. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Zuvor waren Preissteigerungen von um 8 – 10% jährlich durchaus an der Tagesordnung. Da das Immobilienvermögen den größten Anteil des Gesamtvermögens der privaten Haushalte darstellt, wirkt eine solche Entwicklung sogar weitaus dramatischer als dies ein Aktienkurseinbruch sein kann. Insbesondere wird damit ein deutlicher Rückgang des privaten Verbrauchs in den USA befürchtet, der zuletzt die wesentliche Konjunkturstütze in den USA war.

Krise im Mittleren Osten

Nimmt man dazu noch die derzeitigen Unsicherheiten über die Situation im Mittleren Osten, d.h. Irak, Iran und Afghanistan hinzu, dann gibt es genügend Anlass zu Besorgnis. Das Risiko eines Militärschlages der USA oder Israels gegen die Atomanlagen im Iran ist nach dem Ablaufen des Ultimatums am Freitag vergangener Woche deutlich größer geworden. Dies lässt bereits den Ölpreis wieder nach oben schnellen. Ein möglicher Ölpreisschock dürfte sich jedoch ebenfalls als weltweite Konjunkturbremse auswirken.

Kampf gegen den Klimawandel wird teuer

Die Veröffentlichung des Stern-Reports und des UN-IPCC-Klimaberichts hat deutlich gemacht, dass es deutlich mehr und auch kostspieligerer Anstrengungen weltweit bedarf, um die Klimaerwärmung und ihre Folgen auf die Weltbevölkerung zu vermindern. Mithin sind die derzeitigen Energiekosten zu niedrig und neue Erzeugungstechnologien aus regenerativen Technologien notwendig. Das wird zu Lasten des bisherigen Konsums gehen und wird auch vorhandene Kapitalbestände in traditionelle Kraftwerke entwerten. Dies belastet die entsprechenden Werte an den Aktienmärkten.

Deutschland und Europa ebenfalls betroffen

Trotz guter konjunktureller Entwicklung ist auch Deutschland und Europa von dieser Eintrübung des weltwirtschaftlichen Umfelds betroffen. Der DAX sank denn gestern auch ebenfalls um rund 3%. Da Deutschland als Exportweltmeister besonders vom Außenhandel anhängig ist, werden Turbulenzen in der Weltwirtschaft Deutschland rascher als andere europäische Länder in Mitleidenschaft ziehen. Wie rasch solche Entwicklungen auch auf die Konjunktur in Deutschland negative Wirkungen haben werden, bleibt abzuwarten.

Insgesamt beginnt offensichtlich eines Phase größerer Volatilität der Aktienmärkte und Turbulenzen der Weltwirtschaft. Das Ausmaß der dadurch induzierten wirtschaftlichen Effekte ist derzeit jedoch nur schwer abzuschätzen.

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