Per Minijob in die Armut

Die Zahl der Mini-Jobs in Deutschland steigt. Damit steigt auch die Zahl von Arbeitsverhältnissen mit niedrigen Löhnen, ohne soziale Absicherung und mit geringen Rechten. Darauf hat der Wilhelmshavener Ver.di-Ortsvereinsvorsitzende Heinz Reinecke bei der jüngsten Mitgliederversammlung hingewiesen. Als Beispiel zog er den deutschen Briefmarkt heran. Auf diesem Markt gab es nach

c.jpgDie Zahl der Mini-Jobs in Deutschland steigt. Damit steigt auch die Zahl von Arbeitsverhältnissen mit niedrigen Löhnen, ohne soziale Absicherung und mit geringen Rechten.

Darauf hat der Wilhelmshavener Ver.di-Ortsvereinsvorsitzende Heinz Reinecke bei der jüngsten Mitgliederversammlung hingewiesen. Als Beispiel zog er den deutschen Briefmarkt heran.

Auf diesem Markt gab es nach seinen Angaben 1999 145.640 Arbeitsplätze, 2004 123.577. Private Wettbewerber dagegen boomten, die Zahl der Arbeitsplätze wuchs in diesem Zeitraum – so Reinecke – von 5.833 auf 12.839.

Allerdings: 62,3 Prozent dieser Arbeitsplätze sind mit geringfügig Beschäftigten besetzt. Heinz Reinecke: “Mittlerweile liegt der Anteil der Minijobs an der Gesamtbeschäftigtenzahl bei den Lizenznehmern am Briefmarkt höher als in dem traditionell von geringfügiger Beschäftigung geprägten Reinigungsgewerbe (56,3 %) oder in der Gastronomie (52,8 Prozent).”

Teufelskreis

Dazu passe die Bezahlung: Bei den privaten Briefdiensten in Westdeutschland liege der durchschnittliche Bruttostundenlohn bei 7 Euro, in Ostdeutschland bei 5,90 Euro. Dazu der Ver.di-Ortsvereinsvorsitzende: “Diese Einkommen liegen in Westdeutschland 31,5 Prozent, in Ostdeutschland 19,9 Prozent unter der so genannten Niedriglohnschwelle. So haben viele Beschäftigte aus diesem Bereich Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Arbeitslosengeld-II-Empfänger sind gezwungen, diese Jobs anzunehmen.” Sonst drohe eine Zahlungssperre. Heinz Reinecke: “Das ist hier der Teufelskreislauf und Beschäftigte werden bewusst in die Armut getrieben.” Außerdem gefährde jeder Minijob einen Vollarbeitsplatz.

Kommentare

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  1. Verdi soll nicht bejammern, was sie als Gewerkschaft bzw. ihre Vorgänger selbst verursacht hat.
    Für alle noch oder Exstaatsbetriebe galt und gilt: übertariflich bezahlt und im Vergleich zu anderen Angestellten/Arbeitern ein relativ bequemer Job. Ich könnte reihenweise Erzählungen aus meinem Bekanntenkreis aufzählen, wie schön es ihnen als Briefträger bei der Post, als Telekominstallateur als Arbeiter beim Straßenbauamt gegangen ist – nachdem sie es vorher zum Teil in privaten Betrieben arbeitend etwas stressiger hatten -, Erzählungen über ausgiebige Pausen sind keine Seltenheit gewesen.

    Dafür haben die anderen Normalbürger einen hohen Preis bezahlt – siehe frühere exorbitante Telefontarife und miserabler Service mit Wartezeiten.
    Es wird Zeit, dass mit der Privilegierung Schluss ist. Der deutschen Bahn steht Ähnliches bevor. Zum Segen der ganzen Republik.

    Ähnlich wie bei der Telekom werden nach einer Liberalisierung die Preise für Zugfahren purzeln. Derzeit kostet die Bahncard 1000 pro Jahr ca. 3300 Euro. In fünf Jahren könnte sie vielleicht 2000 Euro kosten zum Segen für die Umwelt. An diesem Beispiel sieht man, wie unsinnig es ist die Bahn als Betrieb für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu instrumentalisieren – wie es Gewerkschaften gerne machen.

    Im Übrigen glaubt man hauptsächlich nur in Deutschland und Frankreich daran, dass Fortschritt und Modernisierung (wie immer das genau definiert wird) Arbeitsplätze kosten. GB, USA, Dänemark, Australien, Irland, Japan usw. beweisen das Gegenteil.