Rezession in den USA wahrscheinlich

In den USA hat die Fed die Zinsen in der letzten Woche unverändert gelassen. In seinem Konjunkturausblick (Beige-Book) hat Ben Bernanke weiterhin eine moderate Konjunkturabschwächung in den USA für das laufende Jahr prognostiziert. Die Börsen weltweit haben sich nach dem Kursrutsch der vorletzten Woche stabilisiert. Ist nun die Gefahr einer

269234029_a142ab7bbb1.jpgIn den USA hat die Fed die Zinsen in der letzten Woche unverändert gelassen. In seinem Konjunkturausblick (Beige-Book) hat Ben Bernanke weiterhin eine moderate Konjunkturabschwächung in den USA für das laufende Jahr prognostiziert. Die Börsen weltweit haben sich nach dem Kursrutsch der vorletzten Woche stabilisiert. Ist nun die Gefahr einer Rezession in den USA gebannt?

Sind Aktienmärkte effizient?

Die Aktienmärkte lassen sich kurzfristig am besten durch einen Random Walk beschreiben (Vgl. hierzu Burton G. Malkiel: A Random Walk Down Wall Street: Including a Life-Cycle Guide to Personal Investing, W. W. Norton, Januar 2007). Dabei beschreibt ein Random Walk einen Zufallsprozess, bei dem das zukünftige Ereignis – hier der Börsenkurs einer Aktie oder auch ein Aktienindex – mit der gleichen Wahrscheinlichkeit fällt oder steigt, d.h. es gibt keine Informationen, die bei effizienten Märkten irgendeinem Spekulanten einen Hinweis darauf gäbe, in welche Richtung der Kurs sich bewegen könnte. Man könnte aus Sicht der Statistik ebenso gut eine Münze werfen, wonach Kopf für steigende Kurse und Zahl für fallende Kurse stünde. Da an den Börsen Informationen über die Wirtschaft gehandelt werden, heißt das, dass es als beste denkbare Prognose nur diejenige gibt, dass der heutige Wert dem morgigen entsprechend wird. Da alle verfügbaren Informationen von allen Marktteilnehmern vollständig ausgeschöpft werden, gibt es nach der Theorie der effizienten Märkte keine bessere Voraussage.

Von Bullen und Bären

Trotzdem gibt es Käufer und Verkäufer, die offensichtlich jeweils entweder ein Überangebot oder eine Übernachfrage an den Börsen verursachen, so dass Kurse in der Realität doch steigen oder fallen. Also können die Märkte doch nicht so effizient sein, wie oftmals behauptet oder es müssen neue Informationen sein, die die Aktienbesitzer zu entsprechenden Entscheidungen veranlassen. Die Bullen erwarten offensichtlich einen Kursanstieg, der in der Regel länger andern wird, die Bären einen Kursverfall in die andere Richtung. Das Problem ist welche Informationen von den einzelnen zu ihren Entscheidungen herangezogen werden. In der Regel sind die Erklärungsmuster so vielfältig wie die Meinungen der einzelnen Akteure. Insbesondere leiden alle wohl unter einer selektiven Wahrnehmung was denn relevante Informationen für die Kursentwicklung sein könnten. Da kaum damit zu rechnen ist, dass alle Nachrichten positiv bzw. negativ ausfallen werden, müssen diese in der Regel gegeneinander abgewogen werden. Das Ergebnis sind subjektive Prognosen, die meist eine Trefferwahrscheinlichkeit von eben 50% haben.

Fundamentalisten und Aktienmärkte

Neben den rein spekulativen Börsenhändlern gibt es auch welche, die sich auf fundamentale gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge berufen. Diese versuchen anhand der aus der Wirtschaftstheorie bekannten Zusammenhänge das Risiko anhand bestehender oder sich entwickelnder Ungleichgewichte wie der Zahlungsbilanz, der Verschuldung des Staates, der Verbraucher oder Unternehmen abzuschätzen, ob es mit der Konjunktur aufwärts oder abwärts gehen könnte. Langfristig sind diese Überlegungen meist zutreffend. Allerdings kann man sich kurzfristig ebenso irren wie dies die Spekulanten an den tun. Letztendlich entscheiden ja alle Akteure gemeinsam, wohin die Reise geht. Sind die Optimisten noch in der Überzahl, Alan Greenspan der frühere Zentralbankchef hat dieses Verhalten auch als irrational exuberance als irrationale Übertreibung bezeichnet, dann kann für eine gewisse Zeit die Entwicklung in weiterhin zunehmende Ungleichgewichte sich fortsetzen. Wichtige Entscheidungsträger können so eine Wende zwar zeitweilig verhindern, aber auf Dauer nicht aufhalten.

Was ist eine Yield Kurve?

Als Yield Kurve oder auch Zinsstrukturkurve wird der Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Zinssätzen für unterschiedliche Kreditlaufzeiten verstanden. In der Regel geht man davon aus, dass kurzfristige Kredite geringere Kreditrisiken in sich bergen und daher niedriger sind als bei langfristigen Krediten. Die Yield Kurve steigt daher in der Regel mit der Länge der Kreditlaufzeiten an.

Inverse Zinsstruktur an den US-Kapitalmärkten

Es gibt jedoch Situationen in denen die Kreditnehmer so stark auf Liquidität durch Kredite angewiesen sind, dass sie gezwungen sind sich auch kurzfristig zu höheren Zinsen als bei langfristige Kredit zu niedrigeren Zinsen zu verschulden. Dies ist in der Regel vor einer Rezession der Fall. Mithin wird einer inversen bzw. fallenden Yield Kurve als Indikator für eine bevorstehende Rezession angesehen. Schauen wir nun auf die aktuelle Situation in den USA, dann ist diese Lage jetzt wieder eingetreten. Während am kurzen Ende bei Kreditlaufzeiten von unter drei Monaten die Zinsen bereits bei 5,1 bis 5.2% liegen, liegt das Zinsniveau für dreißigjährige Staatsanleihen bei 4.6 bis 4.7%. Die kurzfristigen Zinsen liegen rund einen halben Prozentpunkt über den langfristigen. Damit würde die Situation mit der einer sich abzeichnenden Rezession in den USA wie in der Vergangenheit übereinstimmen. Kein gutes Omen für die US und damit auch für die Weltkonjunktur. Ob die Börsianer an der Wall Street die Zeichen richtig erkannt haben?

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