Alphablogger der deutschen Blogosphäre. Heute: Robert Basic, Messias wider Willen?

Alphablogger (1) – Peter Turi fühlt den Protagonisten der deutschen Blogosphäre auf den Zahn. Heute: Robert Basic, der nimmermüde Energiebolzen, der nicht der Messias sein will – und es für viele Blogger dennoch ist. Über 1.700 Blogger haben ihn zitiert und verlinkt, zwischen 4.000 und 8.000 Menschen besuchen täglich seine

basic.JPGAlphablogger (1) – Peter Turi fühlt den Protagonisten der deutschen Blogosphäre auf den Zahn. Heute: Robert Basic, der nimmermüde Energiebolzen, der nicht der Messias sein will – und es für viele Blogger dennoch ist.

Über 1.700 Blogger haben ihn zitiert und verlinkt, zwischen 4.000 und 8.000 Menschen besuchen täglich seine Seite www.basicthinking.de. Basic hat kroatische Wurzeln, spricht sich also eigentlich Baschitsch, ist 40 Jahre alt und hat zwei Kinder.

Obwohl Basic täglich zwischen zehn und fünfzehn Beiträge über das Internet und darüber, wie Basic die Welt sieht, verfasst, hat er noch einen Brotberuf: sein Geld verdient er hauptsächlich als IT-Berater – allerdings profitiert er zunehmend von seiner Popularität im Netz, die ihm immer wieder Aufträge beschert, für Firmen und Verbände Blogs aufzusetzen. Bei seinen Lesern ist Basic so beliebt, dass kürzlich einer vorschlug, Basic möge die Rolle als Leitfigur der deutschen Blogszene übernehmen – Basic lehnte ab.

Videolink – Robert Basic im Interview bei Martin Oetting (connectedmarketing.de):

http://www.connectedmarketing.de/cm/2007/02/connectedmarket.html

Turi : Glückwunsch Robert, Du bist der Aufsteiger unter den deutschen Alpha-Bloggern. Du bist laut www.deutscheblogcharts.de drauf und dran, Johnny Haeusler vom Spreeblick als wichtigsten – also meistzitierten und meistverlinkten – deutschen Blog zu überholen. Warum hast Du trotzdem den Vorschlag eines Blog-Kollegen abgelehnt, Blog-Messias zu werden?

Basic: Erstens möchte ich nicht am Kreuz landen und zweitens bin ich niemand, der gerne vor der Meute steht. Und drittens braucht es keinen Messias, der anderen vorbetet, was Blog sind, wozu sie gut sind und warum Blogger die glücklicheren Menschen sind.

Turi : Warum sind sie es?

Basic: Ein Messias würde das möglicherweise den Menschen so verkaufen wollen. Genau das ist es ja. Jeder muss für sich selbst entscheiden und erfahren, ob und was das Bloggen für ihn bedeuten kann.

Turi : Probieren wir es mal mit einer provokanten Thesen: Bloggen macht süchtig, dick, aggressiv und kurzatmig, stiehlt Lebenszeit und bringt am Ende nix ein.

Basic: Das ist keine These, das ist ein typisches Pauschalurteilen von Leuten, die keine Ahnung haben und keine Lust, sich mit Blogs zu beschäftigen.

Turi : Es ist – provokativ formuliert – mein Fazit aus anderthalb Jahren Bloggen.

Basic: Typisch vorschnelles Journalisten-Urteil! Ist so sinnvoll wie allen anderen Pauschalurteile über Computerspieler, Zocker, Fußballfans und Politiker.

Turi : Bloggen kann süchtig machen, oder?

Basic: Ich persönlich kenne keinen, der an der Blog-Nadel hängt.

Turi : Hand aufs Herz: Wieviel Zeit investierst du pro Tag ins Bloggen?

Basic: Ich kann das schwer trennen von meinen beruflichen Aufgaben, die ich hauptsächlich online ausführe. An manchen Tagen bin ich 12 bis 16 Stunden online.

Turi: Uff! Wieviel Zeit kostet dich das eigentliche Bloggen?

Basic: An manchen Tagen nicht mal eine Stunde. An anderen locker netto vier bis fünf Stunden.

Turi: Dann die Knetchen-Frage: Was verdienst du mit dem Bloggen?

Basic: Die direkten Einnahmen aus Werbung belaufen sich im Schnitt auf 750 – 1.000 Euro. Die indirekten Einnahmen aus den Aufträgen, die sich aufgrund des Blogs ergeben, betragen deutlich mehr. Genauere Daten verrate ich nur meiner Frau und meinem Finanzamt.

Turi: Dein Blog also als Schaufenster für Dein Dienstleistungs-Geschäft?

Basic: Kann man so sagen.

Turi: Möchtest du gern von den Werbeeinnahmen Deines Blogs leben können? Möchtest Du ein Blog-Verlag sein?

Basic: Nein, ich bin IT-ler und will das auch bleiben.

Turi : Du bist der erste Nicht-Journalist an der Spitze der Blogcharts. Wo hast Du das Schreiben eigentlich gelernt?

Basic: In der Schule. :-) Im Ernst: Ich schreibe, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Das journalistische Niveau auf meinem Blog ist daher bescheiden.

Turi: Stimmt. Vieles ist unterirdisch auf deinem Blog.

Basic: Ja? Was denn zum Beispiel?

Turi: Grammatik, Ausdruck, Anglizismen, Abkürzungen, Tippfehler – bei dir ist eigentlich alles grauenhaft. Bis auf den Inhalt!

Basic: *schulterzuck*

Turi: Ein Medium zu machen, heißt Leserinteressen zu bedienen. Ich zum Beispiel suche bei dir News aus der Internet-Szene – und keine Videos über Musik oder Autos.

Basic: Dieser Dienstleistungsgedanke, Leserinteresse zu bedienen, ist mir vollkommen fremd. Auf so was kann nur ein Medienfuzzi kommen. Ich blogge einfach, was mich bewegt.

Turi : Waarum ist die deutsche Blogosphäre so ein winziges Kleinbloggersdorf? In Deutschland bloggt nur ein Bruchteil von dem, was in den USA oder Frankreich bloggt. Du bist ganz vorne dabei und hattest gestern 6.000 Besucher. Das ist fast nichts.

Basic: Ich bin kein Medienbetrieb! Und jeden Tag aufs Neue erstaunt, dass sich so viele Menschen für mein Blog interessieren.

Turi: Woran liegt’s, dass Blogs nix reißen in Deutschland?

Basic: Inhaltlich schaffen die deutschen Blogs einmaliges.

Turi: Machst Du Witze?

Basic: Blogs verbinden Menschen – DAS ist einmalig.

Turi : Nochmal: Warum sind die deutschen Blogs so schlecht?

Basic: Die deutschen Blogs sind großartig. Aber auch die in China, Iran, Frankreich, Italien und USA.

Turi: Der Unterschied zwischen USA und Deutschland ist aber gewaltig: Kein deutscher Blogger kann von seinem Blog leben, kein normaler Mensch nimmt wahr, was in Blogs geschrieben wird. In anderen Ländern haben Blogs eine Korrektiv- und Kommunikationsfunktion in der politischen Kultur des Landes und in Deutschland eben nicht. Warum ist das so? Wo ist zum Beispiel eine deutsche „Huffington Post“?

Basic: Der Blog-Hype fehlt in Deutschland, damit so was wie die „Huffington Post“ zum Erfolg kommen kann. Zudem haben wir in Deutschland einen knallharten Medienwettbewerb, der es natürlich auch deutschsprachigen Profi-Blog-Projekten schwer macht, dagegen anzukommen. In den USA waren die Medien nach dem 11. September zudem, anders als bei uns, regelrecht gleichgeschaltet.

Turi : Siehst du Chancen, dass die Blogs in Deutschland aufholen?

Basic: Klar werden die Blogs auch in Deutschland eine gewaltige Rolle spielen. Der kulturelle Faktor von Blogs ist global, eine Universalformel. Aber es dauert seine Zeit.

Turi : Robert, verträgst Du Kritik?

Basic: Klar, Kritik ist lebensnotwendig.

Turi : Okay, dann dies: Du bist zu leicht zu beeinflussen. Wenn Dir irgend eine Handarbeits-Community ein handgenähtes „N“ schickt, schreibst Du dazu einen Artikel. Wenn Dir jemand einen Mac leiht, schreibst Du eine Artikel-Serie. Wenn Dich einer vorab in seine neue Community gucken lässt, erklärst Du ihn gleich zum neuen MySpace. Kurz gefragt: Bis du zu lieb?

Basic: Zu Dingen oder Leuten, die mich interessieren und fesseln: ja. Ich versuche, mir meine kindliche Begeisterungsfähigkeit zu erhalten.

Turi : Journalisten nennen das “unprofessionell”.

Basic: Interessanterweise gibt es auch Leute, die meinen, ich sei ein Arschloch, weil ich meine Meinung direkt und unmittelbar äußere.

Turi: Im Gegenteil: Du bist zu lieb. Meistens.

Basic: Ich liebe nun mal Gründer. Leute, die etwas eigenes aufbauen, statt Kotau vor ihren Arbeitgebern zu machen. Und die den Mut haben, gegen alle Widerstände im gründungsfeindlichen Deutschland Dinge voranzubringen.

Turi : Da bist du aber ein sehr untypischer Blogger – die meisten haben mehr Spaß daran, alles niederzuschreiben. Stichwort: Motzblog.

Basic: Meckern gehört zum Menschsein. Ich liebe zum Beispiel Don Alphonsos Art, weil er kräftig auf die Kacke haut und total unangepasst ist.

Turi : Wer bitte ist Don Alphonso? Andere Frage: Wie stehst Du zu Johnny Haeusler, dem langjährigen Front-Runner der deutschen Blogosphäre?

Basic: Johnny ist zwiegespalten, er wandert zwischen den Welten: Einerseits will er der Johnny bleiben, der er meint zu sein. Andererseits würde er schon gerne viel Asche verdienen, ohne als Geschäftsmann im klassischen Sinne knallhart Business zumachen.

Turi : Was hältst du von Johnnys Idee, ein Werbenetzwerk für Blogs aufzuziehen?

Basic: Da bin ich skeptisch. Johnny ist einfach kein Geschäftsmann, das hat er auch in der Vergangenheit schon bewiesen hat. Er braucht lange Leine – und einen Manager, der die Kohle einsackt.

Turi : Bist du ein Journalist?

Basic: Ich habe mich nie als jemand empfunden, der Abstand zur Sache sucht, über die er schreibt. Also: nein.

Turi : Meiner Meinung nach schon: Du schreibst für den Tag, nichts anderes bedeutet ja Journalist.

Basic: Ist die Rolle eines Journalisten nicht die, dass man eine Sache neutral von allen Seiten begutachtet und bewertet? Sein Ego und seine Meinung zurückstellt?

Turi: Das ist eine seltsame Vorstellung von Journalismus. Emile Zola, Kurt Tucholsky, Rudolf Augstein, Herbert Riehl-Heyse – die besten Journalisten schreiben subjektiv.

Basic: Du sprichst von der Crème de la Crème – und außerdem sind die alle tot, oder? Die tägliche Praxis heute erscheint mir eine andere zu sein. Leider.

Turi: Können wir uns darauf einigen, dass Du ein erfolgreicher Journalist in eigener Sache bist, obowohl Du vom journalistischen Handwerk soviel Ahnung hast wie ich von Cascading style-sheets?

Basic: Einverstanden.

Turi: Letzte Frage: Was würdest Du machen, wenn Du König von Deutschland wärst?

Basic: Ich würde sofort mein Amt abgeben und mich beim Volk entschuldigen, über den anderen Menschen gestanden zu haben.

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Heute konnten Sie Robert Basic über die Schulter schauen. Morgen lesen Sie hier, wie Thomas Knüwer die Zukunft des Online-Journalismus einschätzt. Knüwer, festangestellter Redakteur bei der Wirtschaftszeitung “Handelsblatt”, gilt als der Vorzeigeblogger unter den Journalisten und der Vorzeigejournalist unter den Bloggern.

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  1. Ein hübsches Interview: Es zeigt auch aufschlussreich aus welch unterschiedlichen Denkrichtungen Journalisten und Blogger kommen. Zitat Basic: “Dieser Dienstleistungsgedanke, Leserinteresse zu bedienen, ist mir vollkommen fremd. Auf so was kann nur ein Medienfuzzi kommen. Ich blogge einfach, was mich bewegt.”