Alphablogger der deutschen Blogosphäre. Heute: Thomas Knüwer, Grenzgänger
- Thomas Knüwer, Vorzeigeblogger u. Vorzeigejournalist. Photo: R. Mischel
Alphablogger (2) - Peter Turi fühlt den Protagonisten der deutschen Blogosphäre auf den Zahn. Heute: Thomas Knüwer, der Grenzgänger zwischen klassischen Medien und Blogosphäre, der dem deutschen Journalismus „Qualitätsverlust“ und „weichgespülte Langeweile“ vorwirft.
Thomas Knüwer, 37, ragt mit seinen Einsfünfundneunzig nicht nur optisch aus dem Kreis seiner Kollegen hervor, Knüwer ist der Vorzeigeblogger unter den Journalisten und der Vorzeigejournalist unter den Bloggern. Der festangestellte Redakteur bei der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ hat sich als Grenzgänger zwischen klassischem Journalismus und der wachsenden Blogosphäre mit seinem Blog http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/ einen Namen gemacht. Dort spießt er unbarmherzig die kleinen und großen Unzulänglichkeiten der Branche auf. Künftig wird Knüwer auch im „Handelsblatt“ vorwiegend über das Internet und Web 2.0 berichten.
Videolink 1 - Thomas Knüwer über neue Chancen für Journalisten im Web 2.0:
http://www.onlinejournalismus.de/2006/12/13/einschaetzungen-fuer-2007-heute-thomas-knuewer/
Videolink 2 – Thomas Knüwer von Lukasz Gadowski interviewt:
http://www.gruenderszene.de/?p=44
Turi: Thomas, Du begrüßt die Besucher Deines Blogs mit dem Agatha-Christie-Zitat: „Ich habe Journalisten nie gemocht. Ich habe sie alle in meinen Büchern sterben lassen. Sterben Journalisten im Zeitalter des Web 2.0 aus?
Knüwer: Nein. Sie werden mehr. Aber viele von ihnen arbeiten nicht mehr auf festen Stellen bei klassischen Medien.
Turi: Sind Journalisten tatsächlich so unsympathisch? Warum hast Du dieses Motto gewählt? Du bist doch selbst Journalist.
Knüwer: Das Motto ist ein Wink, dass wir Journalisten uns nicht immer so ernst nehmen sollten.
Turi: Und deshalb müssen wir alle sterben? Sind Blogger die besseren Journalisten?
Knüwer: Der Erfolg von Bloggern ist eine Reaktion auf den Qualitätsverlust der klassischen Medien. Auf Dauer werden sie eine Kontrollfunktion erfüllen und bei mangelhafter Qualität einen öffentlichen Druck aufbauen, der langfristig entweder zu einer Qualitätssteigerung der klassischen Medien führen wird – oder zu noch größeren Problemen.
Turi: Was machen Blogger besser als Journalisten?
Knüwer: Eine alte journalistische Regel ist: Schreib, wie Du sprichst. Das haben Journalisten aber verlernt. Kommentare sind oft weichgespülte Langeweile, es gibt keinen Mut zu ungewöhnlichen Wortkreationen. Blogger sind oft die unterhaltsameren und deftigeren Schreiber. Und das vermissen viele Menschen in den klassischen Medien. Außerdem haben Blogger keine Probleme damit, es sich mit jemand zu vergrätzen – im Gegensatz zu Journalisten. Und schließlich ist das Wissen vieler Journalisten in Sachen Internet desaströs – und das bei der Technologie, die unsere Welt so schnell verändert hat, wie keine zuvor in der Menschheitsgeschichte.
Turi: Aber nicht nur zum Besseren. Viele Blogger sind noch ahnungsloser, eitler, hämischer und selbstreferentieller als Journalisten.
Knüwer: Sind sie das? Wir können ja mal ein Scoring-Modell erarbeiten und dann eine Rangliste erstellen. Dürfte spannend werden.
Turi: Können wir uns auf den Satz einigen: „Alle Pauschalisierungen sind falsch – einschließlich dieser“? Was können Blogger von Journalisten lernen?
Knüwer: Nicht jedes Gerücht zu glauben.
Turi: Was können Journalisten von Bloggern lernen?
Knüwer: Dass Kommunikation mit dem Leser befruchtend ist.
Turi: Was hast Du in den beiden Jahren als bloggender Journalist gelernt?
Knüwer: Wenn Journalisten nicht zu althergebrachten Tugenden wie hoher Unabhängigkeit zurückkehren und zum Mut, Unbequemes auszusprechen – dann wird sich ihr Arbeitsplatz auf Dauer erledigen.
Turi: Bist Du ein Motzblogger?
Knüwer: Was’n das? Ich kritisiere, wenn mir etwas nicht gefällt. Ich lobe, wenn mir etwas gefällt.
Turi: Ein Motzblogger ist ein Mensch, dem es ein Bedürfnis ist, vor anderer Leute Tür zu kehren und der anderen gern die Meinung geigt - oft sehr hämisch und besserwisserisch. So wie Du mitunter.
Knüwer: Ich weiß nicht das meiste besser. Nur manches.
Turi: Arbeitest Du nach der Devise: Schön brav im „Handelsblatt“, kräftig motzen im Blog?
Knüwer: Jein. Klar ist, dass das „Handelsblatt“ eine andere Klientel hat. Und auch andere Leseumstände. In Print ist allein schon der Platz begrenzter als online. Wer aber meine Kommentare über Sportwetten im gedruckten „Handelsblatt“ gelesen hat, der weiß, dass ich auch da kein Freund von Langeweile bin.
Turi: Sind Blogger Para-Journalisten, wie der Medienwissenschaftler Norbert Bolz meint? Also Möchtegern-Journalisten, die’s noch nicht in die echten Medien geschafft haben?
Knüwer: Ach, der Herr Bolz. Die Mehrheit der Blogger will ja bewusst nicht als Journalist bezeichnet werden. Was auch eine Menge über das Ansehen unseres Berufsstandes sagt. Unter den Bloggern gibt es eine Reihe, die es in die „echten Medien“ (ist das Internet unecht?) geschafft haben. Viele, die es gar nicht schaffen wollen. Solche Kategorisierungen stammen von Menschen, die sich die Vorstellung abgewöhnt haben, dass es in einem demokratischen Land einen Diskurs geben könnte. Einst hätte Bolz wahrscheinlich behauptet, die Teilnehmer der Diskussionssalons des 19. Jahrhunderts seien alle Para-Christiansens.
Turi: Viele der führenden Blogger in Deutschland sind Journalisten ohne feste Anstellung und ohne großen Erfolg im Markt. Warum bloggen in Deutschland so wenig andere Top-Journalisten?
Knüwer: Das mit dem „ohne großen Erfolg“ unterschreibe ich in vielen Fällen aber nicht. Die spannende Frage ist: Warum schreiben fest angestellte Journalisten so grauenvoll langweilige Blogs? Ich fürchte, es ist – wie auch bei Corporate Blogs – eine Frage des Betriebsklimas. In vielen Redaktionen ist eine offene Stellungnahme und das Herauslehnen aus der Masse nicht gewünscht. Deutsche Journalisten sind noch dazu eine Personalisierung nicht gewöhnt. Während im angelsächsischen Raum Kolumnen und ihre Autoren verehrt werden, gibt es in Deutschland kaum eine Kolumne, die den Namen überhaupt verdiente. Das Wort „Ich“ ist für deutsche Journalisten ein Tabu. Leider.
Turi: Hilft Bloggen Deiner Karriere?
Knüwer: Angesichts dessen, was ich über manche Verlage, Blätter, Redakteure oder Verlagsmanager schreibe, dürfte eher das Gegenteil zutreffen.
Turi: Einspruch! Die Medienbranche ist süchtig nach Kritik, deftiges Austeilen ist der einfachste Weg, sich einen Namen zu machen.
Knüwer: Seit wann ist die Medienbranche empfänglich für Kritik? Das war einmal. Heute wagen Medienblätter nicht mehr, kritisch über bestimmte Verlage zu schreiben, weil sie um deren Anzeigen fürchten. Wer einen Verleger angeht, kann damit rechnen, dass der den Verleger des Arbeitgebers anruft – und dann donnert’s. Nein, kritische Medienberichterstattung ist in Deutschland kaum noch vorhanden.
Turi: Kannst Du anderen Journalisten das Bloggen empfehlen?
Knüwer: Ja! Nicht jeder muss bloggen. Aber jeder sollte es zumindest mal versuchen – und sei es privat und unter Pseudonym. Vor allem aber: Jeder Journalist sollte Blogs aus seinem Themenfeld lesen.
Turi: Wie multimedial muss der Journalist der Zukunft sein?
Knüwer: Journalisten müssen gute Arbeit abliefern, das ist das Wichtigste. Und es bedeutet auch: Jeder sollte seine Arbeit für die Kanäle zuschneiden, die ihm liegen. Nicht jeder kann ordentlich in ein Mikro sprechen, nicht jeder ist kameratauglich – das macht ihn nicht zum schlechteren Journalisten.
Turi: Immer wenn es um das Unternehmen geht, bei dem Du angestellt bist, um die Holtzbrinck-Gruppe, wirst Du sehr schmallippig. Zur verschenkten Wirtschaftszeitung „Business-News“ hast Du beispielsweise gar nichts gesagt. Fällt Dir das schwer?
Knüwer: Ja.
Turi: Möchtest Du bis ans Ende Deiner Tage als abhängig Beschäftigter arbeiten? Oder träumst Du manchmal davon, Dich der digitalen Bohème anzuschließen und selbstständig zu werden?
Knüwer: Ich träume davon, im Lotto zu gewinnen und dem SC Preußen Münster mit dem Geld in die Bundesliga zu verhelfen. Ansonsten kann ich mir meine Träume nie merken. Aber ernsthaft: Ich hätte mehrmals in meiner Berufslaufbahn wechseln können, aber ich glaube an das Konzept einer starken Wirtschaftszeitung für Deutschland. Ich bin bekennender Handelsblättler. Und bisher hat mich dieses Haus auch meist gut behandelt.
Turi: Wird es künftig auch in Deutschland Blogger geben, die vom Bloggen leben können?
Knüwer: Schwer zu sagen, ob das für Einzelblogs funktionieren wird. Das größte Problem sind leider die Geldgeber, die nur Billig-Kopien in den USA schon nicht doll laufender Web-Service-Unternehmen sehen wollen. Obwohl beispielsweise ein Modell wie Digg.com, das es in Übersee schon nicht zu Qualität und gerade mal einer Million Nutzer gebracht hat, ganz sicher kein deutsches Gegenstück verträgt. Redaktionell getriebene Angebote dagegen haben eine dauerhafte Chance, weil sie nicht auf schwindsüchtige Communities und kurzfristige Interessen setzen.
Turi: Was genau meinst Du, kommt da auf uns zu?
Knüwer: Es gibt eine Reihe von Bereichen, für die es in Deutschland bisher mittelmäßige Online-Angebote gibt. Zum Beispiel Sport: Da werden die Möglichkeiten nicht mal ansatzweise ausgeschöpft. Oder Geldanlage. Oder Glamour. Oder Medien.
Turi: Du hast jetzt die Chance, drei Blogger zu nennen, von denen Journalisten was lernen können. Welche drei Blogs sind das – und was können Journalisten dort lernen?
Knüwer: Von Don Alphonso die Hartnäckigkeit und tiefe Recherche. Von Jeff Jarvis das Nachdenken über die Welt der Medien. Und von Madame Modeste das Schwelgen in Sprache.
Turi: Machen Blogs die Zukunft besser? Oder wenigstens die Medien?
Knüwer: Hoffentlich.
Turi: Was würdest Du machen, wenn Du König von Deutschland wärst?
Knüwer: Ein neues Stadion für Preußen Münster bauen.
Turi: Was würdest Du machen, wenn Du Stefan von Holtzbrinck wärst?
Knüwer: Ein neues Stadion für Preußen Münster bauen.
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Aus der Serie ‘Alphablogger – Peter Turi fühlt den Protagonisten der deutschen Blogosphäre auf den Zahn’ lesen Sie hier Teil 1: klick











Basic Thinking Blog » Turi-Interview
[…] mich eingerichtet (s.a. Thomas Knüwer-Akte + Interview). weitere Artikel: « Night || Trackback-URL Gelesen: 6 heute: 6 […]
Lothar Struck
Mildes Interview. Vielleicht fehlt eine gewisse DistanzDistanz vom Interviewers zum Interviewten.
Zwar ist die Diagnose, dass viele journalistische Beiträge inzwischen “weichgespülte Langeweile” ausstrahlen richtig, aber das von ihm so heftig geforderte deftige Schreiben entdecke ich auf seinem sogenannten “Alphablog” auch nicht. Eher eine Art Stehpartyton – und das ist nicht despektierlich gemeint.
Natürlich ist das Blog-Phänomen einer gewissen Unzufriedenheit mit den klassischen Medien verbunden. Aber wenn man sich den Grossteil der Weblogs anschaut, dann ist man aber irgendwann oft genug für seriöse und abgewogene Berichterstattung wieder dankbar. Es ist nämlich mitnichten erstrebenswert, sich in hysterischem Alarmismus noch gegenseitig übertreffen zu wollen, nur um in einer allgemeinen medialen Kakophonie nicht unterzugehen.
Neulich durfte man beispielsweise bewundern, wie ein “Blogjournalist” an einem Tag den unmittelbaren Militärschlag der USA auf den Iran avisierte – und dann eine Woche später wortreich Entwarnung gab (die allerdings so verfasst war, dass es immer noch ein “Hintertürchen” gibt). Und das alles nur gestützt auf eine einseitige Auslegung eines US-amerikanischen Enthüllungsjournalisten. Das alles war “deftig” geschrieben und überhaupt nicht langweilig – aber welchen Mehrwert habe ich von solchen hoch theoretischen Überlegungen? Das ist ähnlich fruchtbar wie eine aktuelle Wetterprognose für den August.
Ein Journalist, der dann noch auf einer Webseite seines Arbeitgebers bloggt, ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Warum wendet er sein “freches Schreiben” nicht auf seine Artikel an? Warum dieses Philosophieren über Themen wie die Fernsehsendung “Stromberg” oder Eva Herman?
Turis Feststellung “Viele Blogger sind noch ahnungsloser, eitler, hämischer und selbstreferentieller als Journalisten” wurde von Herrn Knüwer gar nicht versucht, zu entkräften.
Jens-Olaf
Messen am traditionellem Journalismus? Wie soll das denn gehen, wenn dieser über unzählige Bereiche, Länder, Themen gar nicht berichtet. Alles ist mittlererweile englischsprachig zu haben. Über die Ukraine, über die Orangene Revolution vor zwei Jahren (unzählige Posts auf Englisch aus Kiew damals, dass man die Alte Medien Zusammenfassung in TV und Presse gar nicht mehr hören, lesen und mitverfolgen wollte). Und wie armselig: die meisten Profis mussten anreisen. Auf Deutsch war diese Zeit in der Ukraine fast im nicht wahrnehmbaren Bereich in der Blogosphäre vertreten. Und hier haben wir ein internationales Schlagzeilenthema gehabt. Es gibt unzählige weitere Beispiele, wo der alte Journalismus versagt und gar nicht berichten kann und noch viel zu wenig Blogger unterwegs sind.
Thomas Mrazek
Dass man einen Gesprächspartner persönlich kennt und ihn duzt, ist völlig okay, unfair, wäre es, wenn man dem Leser eine Distanz vorspielt, die nicht vorhanden ist. Peter Turi verfällt aber gleich zu Beginn in ein anderes Extrem: Er lobt Thomas Knüwer - den ich übrigens auch sehr schätze -, nein er lobpreist ihn geradezu. Wo bleibt da die journalistische Distanz, wie will er ihm da noch “auf den Zahn fühlen”? Nicht nur das es recht kuschelig wird, nein, da kommen dann auch noch Ballaballafragen, die Knüwer gekonnt beantwortet. Schade, da wäre mehr drin gewesen. Wurde das Interview eigentlich per E-Mail geführt?
Peter Turi
Ja, das Interview wurde per E-Mail geführt, mit mehrmaligem Nachfragen allerdings. Grund: Thomas hat, wie viele Menschen, die in Konzernstrukturen arbeiten kein Skype, das ich für solche Interviews eigentlich bevorzuge. Und das bei Robert Basic zu einem etwas muntereren, spontaneren Hin und her geführt hat. Wobei ich es natürlich in Abstimmung mit Robert nochmal überarbeitet habe.
jovelblog » Die Ultimative Lobhudelei
[…] Thomas Knüwer ist Journalist und Blogger (ja, geht auch beides). Er ist einer der Menschen, die ich darum beneide, wie sie mit Worten und Sprache umgehen können, ein Talent, dass ich auch gern in die Wiege gelegt bekommen hätte. In seinen Texten schwebt immer eine Brise Zynismus mit und er schreibt, was er denkt. Das machen zwar viele Blogger, aber nur wenige Journalisten. Er nimmt sich selbst nicht zu Ernst, seine Kollegen und Konkurrenten auf die Schippe und ist demnächst vielleicht der Drehbuchautor einer erfolgreichen Comedyserie. Und er kreiert neue Worte. Wie im Interview mit Peter Turi: Turi: Sind Blogger Para-Journalisten, wie der Medienwissenschaftler Norbert Bolz meint? […]
Thinkabout
Blogger wie Knüwer tun der Szene deshalb gut, weil hier jemand von Dingen spricht, die er versteht - auch dann, wenn er vom Bloggen berichtet. Von dem der anderen. Journalisten zumal haben noch immer eine sehr ungesunde Reflexhaltung gegenüber Blogs. Es ist höchste Zeit, dass dies abnimmt. Ist so schrecklich aufgeregt und demaskierend “unsouverän”.
XiongShui
“Readers Edition kreiert den “Alpha- Blogger- Award”
was bleibt einem da, als sanft den Kopf zu schütteln?
Ist es nicht so, daß Bloggen einfach Spaß macht und zuallererst einmal eine Beschäftigung ist, die sich mit eigenen Befindlichkeiten und Meinungen beschäftigt?”
minimlwork » Alphablogger im Interview
[…] Interviewt werden Robert Basic (von Basic Thinking), Thomas Knüwer (von Indiskretion Ehrensache), Jens Schröder (der popkulturjunkie), Sascha Lobo (von Riesenmaschine) und Johnny Haeusler (von Spreeblick). […]
Drüberschreiber » Blog Archive » Blogs sind Medien und in Medien gibt es PR
[…] Manche Blogger halten sich für die besseren “Journalisten” - sollten sie aber nicht. Unter www.bloggercontest.de wird sein gestern eine Aktion angekündigt, an der einige der bekanntesten deutschen Blogger teilnehmen. Sechs Wochen lang werden sie dort im Namen einer sehr, sehr großen Internetfirma bloggen und andere Spielchen machen - eine lupenreine (wenn auch nicht gerade sehr subtile) PR-Aktion, durchgeführt von einer Firma, die sich “Gesellschaft für markenbildende Maßnahmen mbH” nennt. Nun hacken ja viele Blogger ganz gerne auf den klassischen Medien herum und die Blogosphäre wird häufig als etwas ganz besonderes dargestellt. Während der seriöse Journalismus der “echten” Medienwelt drauf und dran sei, sich den Gesetzen von Markt, Kapital und PR zu beugen, formuliere sich in der Blogosphäre der Widerstand. Thomas Knüwer (Indiskretion ehrenhalber) bringt dieses Selbstbild in einem von Peter Turi geführten Interview auf den Punkt: “Der Erfolg von Bloggern ist eine Reaktion auf den Qualitätsverlust der klassischen Medien. Auf Dauer werden sie eine Kontrollfunktion erfüllen und bei mangelhafter Qualität einen öffentlichen Druck aufbauen, der langfristig entweder zu einer Qualitätssteigerung der klassischen Medien führen wird – oder zu noch größeren Problemen.” Bloggercontest und Kontrollfunktion - das passt nicht zusammen. Während Don Alphonso auf werbende und PR-treibende Blogger schimpft, ziehe ich aus dieser Diskrepanz jedoch einen anderen Schluss: Blogs sind Medien und Medien sind dem Einfluss von PR ausgesetzt - und halten dem nicht besser und nicht schlechter stand als es der “klassische” Journalismus tut. Die Blogosphäre sollte sich von der Vorstellung verabschieden, den besseren “Journalismus” zu betreiben und alles in allem etwas selbstkritischer und vor allem kritikfähiger werden - erst dann verliert eine Aktion wie der Bloggercontest den faden Beigeschmack (was die mit heißer Nadel gestrickte Aktion allerdings auch nicht interessanter machen würde). […]
Axel S. aus Hannover
Zockt Thomas Knüwer da etwa ab?
Thomas Knüwer ist ja bekannt für seine scharfe Zunge. Aber ist das wirklich alles ernst gemeint oder dient die Kommentierung der Medienwelt nicht vielleicht doch dazu, gute Geschäfte zu machen?
„Über nicht-kommerzielle Kommentare freuen wir uns. Kommentare mit einem eindeutig werblichen Hintergrund erlauben wir uns je angefagenem Monat mit 2.500,- Euro zzgl. Mehrwertsteuer in Rechnung zu stellen, zahlbar binnen 14 Tagen nach Rechnungsdatum auf unten stehendes Konto. Bitte beachten Sie, dass die Schaltung der werblichen Kommentare sich automatisch verlängert. Kündigungen für laufende Schaltungen richten Sie bitte schriftlich bis zum 15. eines Monats per E-Mail an t.knuewer@vhb.de.“
Antonio, FFM
Was da in Knüwers AGB steht, finde ich echt den Hammer. Ist das etwa ernst gemeint? Nach meinem Rechtsverständnis kann man nur Verträge schließen, wenn beide Seiten einverstanden sind. Und das hier dürfte eine so überraschende Regelung sein, dass sie rechtswidrig sind. Wie viel Kohle Knüwi auf die Weise wohl schon gemacht hat?
Readers Edition » Die Internetwirtschaft und die Finanzkrise - Stimmen aus dem Netz (II)
[…] Thomas Knüwer, “Handelsblatt”-Reporter und Weblog-Autor: ” Verglichen mit der Panik anderer Branchen bleibt die Web-Szene relativ gelassen” […]
Mama aus Münster
‘Thomas Knüwer, 19.11.2007, 9:16
Meine Mutter wird in einem Monat 70 und ist seit ungefähr vier Jahren im Netz. Mein Blog liest sie begeistert und druckt die Artikel aus, um sie abzuheften - traditionelle Lesegewohnheiten halt.
Am Anfang hat sie mich noch manchmal angerufen um zu fragen, ob dieser harsche Ton denn nicht absolut karriereschädlich sei. Das hörte dann auf, nachdem sie beim Sohn-Googeln auf ein paar Lobverweise stieß. Weiterhin aber schickt sie mir Mails mit Rechtschreib-Korrekturen - danke dafür.’