China ist der böse Bube des Umweltschutzes. Wer sollte bitte daran zweifeln? Jährlich produziert das Land zweistellige Wachstumsraten mitsamt dazugehörigen CO2-Emissionen, Flüsse kippen um, Menschen wegen der Luftverschmutzung ebenfalls, die Städte versinken unter gigantischen Smogwolken. Dieses Szenario haben auch die Einwohner Hongkongs stets im Hinterkopf.
Das dreckige Festland sei verantwortlich für die verunreinigte Luft in Hongkong, so die landläufige Meinung in der ehemaligen britischen Kronkolonie und heutigen Sonderverwaltungszone Chinas. Seit Dienstag steht fest: Einen Großteil seines Smogs produziert Hongkong selbst. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universitiy of Science and Technology in einer Studie.
An 53 Prozent der smogverseuchten Tage sei die Luftverschmutzung überwiegend hausgemacht, so die Forscher. Nur an 36 Prozent der Tage kämen die Partikel mehrheitlich aus China. Frühere Studien waren teilweise zu dem Schluss gekommen, dass bis zu 80 Prozent auf das Konto Chinas, vor allem der benachbarten Boom-Provinz um Guangdong, gingen.
Kein Widerspruch zu anderen Studien
Projektleiter Alexis Lau sieht darin keinen Widerspruch. Seine Studie hätte im Vergleich zu vorherigen die Häufigkeit der Luftverschmutzung analysiert, nicht aber deren Volumen. Dass Chinas Kraftwerke, Fabriken und Autos für Hongkongs tristen Grauschleier zu weiten Teilen mitverantwortlich ist, steht also außer Frage. Einig ist man sich ferner, dass das Smog-Problem in Hongkong den letzten zehn Jahren zugenommen hat.
Im vergangenen Jahr stellten Forscher die Rechnung auf, dass täglich vier Menschen in der 6,9-Millionen-Einwohner-Stadt an den Folgen des Smogs sterben würden. Zudem beliefen sich die verursachten Kosten, von der Krankenversorgung bis hin zu Produktivitätsausfällen, auf 2,57 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
(S.W.)
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